Vorsorge und Früherkennung

Eierstockkrebs: Warum es kein allgemeines Screening gibt

Viele Frauen wünschen sich eine verlässliche Früherkennung für Eierstockkrebs – speziell nach den Wechseljahren. Mehr Untersuchungen bedeuten jedoch nicht automatisch mehr Sicherheit. Erfahren Sie, warum es kein allgemeines Screening gibt, welche Grenzen Ultraschall sowie Tumormarker haben und welche Fragen Ihnen im Gespräch in der gynäkologischen Praxis helfen.

Von Redaktion 15.08.2026 · 13:01 Uhr
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Viele Frauen gehen davon aus, dass eine zusätzliche Untersuchung automatisch mehr Schutz bietet – Sie auch? Bei Eierstockkrebs ist die Situation jedoch anders: Für Frauen ohne Beschwerden und ohne bekannt erhöhtes Risiko gibt es kein allgemeines Früherkennungsprogramm, das nachweislich die Sterblichkeit an Eierstockkrebs senkt [1][2][3][4].

Das Thema hat für viele Frauen große Bedeutung: Gerade nach den Wechseljahren stellt sich häufig die Frage, ob die Eierstöcke „zur Sicherheit“ regelmäßig per Ultraschall untersucht werden sollten. Wichtig zu wissen ist: Mehr Diagnostik ist nicht automatisch die bessere Vorsorge. Untersuchungen können zu Fehlalarmen, belastenden Folgeuntersuchungen und unnötigen Eingriffen führen [5].

Für wen ist das Thema besonders wichtig?

Eierstockkrebs betrifft überwiegend ältere Frauen. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter, insbesondere nach den Wechseljahren. Dennoch wird auch für beschwerdefreie Frauen dieser Altersgruppe kein allgemeines Screening empfohlen [1][2][3][4].

Anders ist die Situation bei einem erblich oder familiär erhöhten Risiko. Wenn mehrere nahe Verwandte an Eierstock- oder Brustkrebs erkrankt sind oder bei Ihnen eine erbliche Genveränderung – beispielsweise in den Genen BRCA1 oder BRCA2 – bekannt ist, sollten Sie sich gezielt beraten lassen [1][2][3][4].

Spezialisierte Zentren können Ihr persönliches Risiko einschätzen und mit Ihnen besprechen, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Dazu können genetische Beratung, individuelle Kontrollangebote und risikosenkende Maßnahmen gehören. Auch bei erhöhtem Risiko können Ultraschall und CA-125 Eierstockkrebs jedoch nicht zuverlässig ausschließen oder früh erkennen [1][2][3].

Warum gibt es kein allgemeines Screening auf Eierstockkrebs?

Der entscheidende Grund ist, dass die bisher untersuchten Verfahren für ein allgemeines Screening nicht zuverlässig genug sind. Weder der transvaginale Ultraschall noch die Bestimmung des Tumormarkers CA-125 konnten in großen Studien zeigen, dass durch ihre regelmäßige Anwendung weniger Frauen an Eierstockkrebs sterben [1][2][3][4].

Das kann zunächst enttäuschend wirken. Es bedeutet aber nicht, dass Früherkennung grundsätzlich unwichtig ist. Eine Untersuchung sollte nur dann allgemein empfohlen werden, wenn ihr nachgewiesener Nutzen größer ist als ihre möglichen Nachteile [1][2][3][4].

Welche Untersuchungen werden trotzdem angeboten?

In gynäkologischen Praxen bieten Ärzt:innen teilweise einen transvaginalen Ultraschall zur Früherkennung von Eierstockkrebs an. Bei Frauen ohne Beschwerden handelt es sich dabei häufig um eine Individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL, die selbst bezahlt werden muss [5].

Mitunter wird zusätzlich der Tumormarker CA-125 im Blut bestimmt. CA-125 ist ein Eiweiß, dessen Konzentration bei Eierstockkrebs erhöht sein kann. Ein erhöhter Wert kann jedoch auch zahlreiche andere Ursachen haben, darunter gutartige Erkrankungen, Entzündungen oder die Menstruation. Umgekehrt kann der Wert trotz einer bestehenden Krebserkrankung unauffällig sein [1][2][3][4].

CA-125 wird vor allem bei bereits diagnostiziertem Eierstockkrebs eingesetzt, beispielsweise um den Krankheits- oder Behandlungsverlauf zu beobachten. Für die allgemeine Früherkennung bei beschwerdefreien Frauen ist der Marker nicht geeignet. Wichtig ist deshalb [1][2][3][4]:

  • Ein unauffälliger Ultraschall und ein normaler CA-125-Wert schließen Eierstockkrebs nicht sicher aus.
  • Ein auffälliger Ultraschall und ein erhöhter CA-125-Wert bedeuten nicht automatisch, dass Krebs vorliegt.
  • Beide Verfahren senken nach bisherigem Kenntnisstand nicht nachweislich das Risiko, an Eierstockkrebs zu sterben.

Was passiert beim transvaginalen Ultraschall?

Beim transvaginalen Ultraschall führt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine schmale Ultraschallsonde vorsichtig in die Scheide ein. Dadurch lassen sich unter anderem die Gebärmutter und die Eierstöcke aus der Nähe darstellen und auf sichtbare Veränderungen untersuchen [5]

Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten. Sie verursacht keine Strahlenbelastung, kann aber als unangenehm empfunden werden. Sagen Sie der untersuchenden Person jederzeit Bescheid, wenn Sie Schmerzen haben oder eine Pause benötigen [5].

Der Ultraschall ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren, wenn Beschwerden bestehen oder ein konkreter Krankheitsverdacht abgeklärt werden soll. Für beschwerdefreie Frauen eignet er sich jedoch nicht als verlässliches allgemeines Screening auf Eierstockkrebs [5].

Warum bedeuten mehr Untersuchungen nicht automatisch mehr Sicherheit?

Ein wesentliches Problem sind falsch-positive Befunde, umgangssprachlich auch Fehlalarme genannt. Dabei zeigt die Untersuchung eine Auffälligkeit, obwohl keine Krebserkrankung vorliegt [1][2][3][4].

Ein solcher Befund kann weitere Ultraschalluntersuchungen, Bluttests oder sogar operative Eingriffe nach sich ziehen. Das kann körperlich und seelisch belastend sein. Bei Operationen können zudem Komplikationen auftreten – auch dann, wenn sich anschließend herausstellt, dass die Veränderung gutartig war [2].

Daneben sind falsch-negative Ergebnisse möglich. In diesem Fall erscheint die Untersuchung unauffällig, obwohl eine Erkrankung vorhanden ist. Ein unauffälliger Befund kann dann eine Sicherheit vermitteln, die der Test tatsächlich nicht bieten kann [2].

Eine Früherkennungsuntersuchung ist nicht allein deshalb sinnvoll, weil sie Veränderungen findet. Entscheidend ist, ob sie nachweislich schwere Krankheitsverläufe oder Todesfälle verhindert und ob ihr Nutzen die möglichen Schäden überwiegt [2].

Wann sollten Sie Beschwerden abklären lassen?

Auch wenn es kein allgemeines Screening gibt, sollten neu auftretende oder anhaltende Beschwerden ärztlich abgeklärt werden. Dann geht es nicht um Früherkennung bei einer beschwerdefreien Person, sondern um die gezielte Abklärung von Symptomen. Mögliche Beschwerden sind [1][2][3][4]:

  • neu auftretende oder anhaltende Schmerzen im Bauch oder Becken,
  • ein Druck-, Spannungs- oder Völlegefühl im Bauch,
  • häufige oder ungewöhnlich starke Blähungen,
  • eine Zunahme des Bauchumfangs,
  • ein ungewöhnlich schnelles Sättigungsgefühl,
  • Veränderungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang,
  • eine ungewollte Gewichtsabnahme,
  • ungewohnte Erschöpfung oder ein deutlicher Leistungsabfall. 

Diese Beschwerden sind unspezifisch. Sie haben häufig andere, gutartige Ursachen. Lassen Sie sie dennoch ärztlich abklären, wenn sie neu auftreten, ungewöhnlich stark sind, häufiger werden oder nicht wieder verschwinden [1][2][3][4].

Verlassen Sie sich bei bestehenden Beschwerden nicht auf einen früheren unauffälligen Ultraschall oder einen normalen CA-125-Wert. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, welche Untersuchungen in Ihrer Situation sinnvoll sind [1][2][3][4].

Wer übernimmt die Kosten?

Für gesetzlich Versicherte gibt es keinen Anspruch auf ein allgemeines Screening auf Eierstockkrebs. Ein transvaginaler Ultraschall oder eine CA-125-Bestimmung allein zur Früherkennung bei Frauen ohne Beschwerden und ohne konkreten Krankheitsverdacht gehören nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung [2].

Werden solche Untersuchungen ohne medizinischen Anlass angeboten, handelt es sich um eine Selbstzahlerleistung. Vor der Untersuchung muss die Praxis Sie verständlich über den erwartbaren Nutzen, mögliche Nachteile und die entstehenden Kosten informieren. Außerdem ist eine schriftliche Vereinbarung erforderlich [2].

Bestehen Beschwerden, ein auffälliger Untersuchungsbefund oder andere medizinische Gründe, kann ein Ultraschall Teil der notwendigen Diagnostik sein. In diesem Fall handelt es sich nicht um eine IGeL. Welche Untersuchungen medizinisch erforderlich sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt [2].

Bei privaten Krankenversicherungen hängt die Erstattung vom jeweiligen Tarif und von der medizinischen Begründung ab. Eine mögliche Kostenübernahme sagt jedoch noch nichts darüber aus, ob eine Untersuchung tatsächlich einen gesundheitlichen Nutzen bietet [2].

Welche Fragen helfen im Arztgespräch? 

Wenn Ihnen ein Ultraschall oder ein CA-125-Test als IGeL angeboten wird, dürfen und sollten Sie nachfragen. Sie müssen sich nicht sofort entscheiden. Gute Entscheidungen brauchen verständliche Informationen und ausreichend Bedenkzeit [2].

Folgende Fragen können Ihnen dabei helfen[1][2][3][4]

  • Welchen konkreten Nutzen kann die Untersuchung in meiner persönlichen Situation haben?
  • Gibt es bei mir Beschwerden oder Risikofaktoren, die eine Untersuchung medizinisch begründen?
  • Wie zuverlässig ist das Ergebnis bei Frauen ohne Beschwerden?
  • Kann ein unauffälliges Ergebnis Eierstockkrebs sicher ausschließen?
  • Wie häufig kommt es zu auffälligen Befunden, obwohl kein Krebs vorliegt?
  • Was geschieht, wenn die Untersuchung eine Auffälligkeit zeigt?
  • Welche weiteren Untersuchungen oder Eingriffe könnten folgen?
  • Welche Risiken haben diese Folgeuntersuchungen?
  • Warum gehört die Untersuchung nicht zur regulären Krebsfrüherkennung?
  • Welche Kosten entstehen insgesamt – einschließlich möglicher Labor- und Folgekosten?
  • Kann ich mir Bedenkzeit nehmen oder eine weitere ärztliche Meinung einholen?
Zusammenfassung Für Frauen ohne Beschwerden gibt es derzeit kein allgemeines Screening auf Eierstockkrebs, das nachweislich die Sterblichkeit senkt. Weder ein unauffälliger transvaginaler Ultraschall noch ein normaler CA-125-Wert können Eierstockkrebs sicher ausschließen; gleichzeitig können auffällige Befunde Fehlalarme sein und zu Sorgen, weiteren Untersuchungen oder unnötigen Eingriffen führen. Bei neu auftretenden, zunehmenden oder anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung wichtig.

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