Ein Hautkrebs-Screening wird umgangssprachlich häufig als „Hautkrebsvorsorge“ bezeichnet. Fachlich ist dieser Begriff jedoch nicht ganz korrekt. Das Ziel der Früherkennungsuntersuchung besteht nicht darin, die Entstehung von Hautkrebs vollständig zu verhindern. Stattdessen sollen bösartige Veränderungen der Haut in einem möglichst frühen Stadium erkannt werden. Wird eine Erkrankung rechtzeitig entdeckt, lässt sie sich meist gut und wirksam behandeln [1].
Bei dem Termin sucht die Ärztin oder der Arzt gezielt nach Vorstufen und Anzeichen verschiedener Hautkrebsarten. Dazu gehören der helle Hautkrebs – insbesondere das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom – sowie der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom. Diese Hautkrebsarten kommen wesentlich häufiger vor als andere Formen der Erkrankung. Eine regelmäßige Teilnahme am Hautkrebs-Screening kann deshalb dazu beitragen, Hautkrebs frühzeitig zu erkennen und die Behandlungschancen deutlich zu verbessern [1].
Wer zahlt das Hautkrebs-Screening und wie oft darf ich daran teilnehmen?
In Deutschland ist das Hautkrebs-Screening ein fester Bestandteil des gesetzlichen Programms zur Krebsfrüherkennung. Gesetzlich versicherte Erwachsene ab 35 Jahren haben alle zwei Jahre Anspruch auf diese kostenfreie ärztliche Untersuchung. Die Abrechnung erfolgt unkompliziert über Ihre elektronische Gesundheitskarte [2].
Einige gesetzliche Krankenkassen bieten das Hautkrebs-Screening außerdem als freiwillige Zusatzleistung bereits für Versicherte unter 35 Jahren an. Es lohnt sich daher, direkt bei Ihrer Krankenkasse nachzufragen, welche Regelungen für Sie gelten [2].
Falls Sie privat versichert sind, übernehmen die meisten privaten Krankenversicherungen die Kosten in einem ähnlichen Umfang wie die gesetzlichen Krankenkassen. Da die Leistungen jedoch von Ihrem persönlichen Tarif abhängen, sollten Sie die Kostenübernahme vor dem Termin kurz bei Ihrer Versicherung prüfen [2].
Wie bereite ich mich auf die Untersuchung vor?
Für das Hautkrebs-Screening ist keine aufwendige Vorbereitung notwendig. Wichtig ist jedoch, dass die untersuchende Person Ihre Haut möglichst unverdeckt und in ihrem natürlichen Zustand betrachten kann [1].
Verzichten Sie deshalb am Tag der Untersuchung möglichst auf Make-up. Schminke kann kleine Hautveränderungen im Gesicht verdecken und dadurch die Beurteilung erschweren [1].
Entfernen Sie außerdem vor dem Termin den Nagellack an Ihren Finger- und Fußnägeln. Der Grund: Schwarzer Hautkrebs kann in seltenen Fällen auch unter einem Nagel entstehen. Unter einer Lackschicht könnten entsprechende Veränderungen leichter übersehen werden [1].
Vermeiden Sie möglichst auch aufwendige Frisuren oder Haargel. So kann die Ärztin oder der Arzt Ihre Kopfhaut leichter und gründlicher untersuchen [1].
Muss man sich für den Check vollständig ausziehen?
Die Vorstellung, sich vor einer Ärztin oder einem Arzt ausziehen zu müssen, löst bei vielen Menschen Unbehagen aus. Vielleicht empfinden auch Sie Scham oder fühlen sich in dieser Situation verletzlich. Solche Gefühle sind völlig normal und nachvollziehbar. Sie sollten Sie jedoch nach Möglichkeit nicht davon abhalten, an dieser wichtigen Untersuchung teilzunehmen [1].
Für ein gründliches Hautkrebs-Screening muss die gesamte Haut betrachtet werden. Bösartige Hautveränderungen können nämlich auch an Körperstellen entstehen, die nur selten oder gar nicht der Sonne ausgesetzt sind [1].
Beim Ganzkörpercheck werden Sie deshalb zunächst gebeten, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen. Damit tatsächlich alle Hautbereiche untersucht werden können, kann es erforderlich sein, dass Sie die Unterwäsche für einen kurzen Moment ebenfalls ablegen oder zur Seite schieben [1].
Die Ärztin oder der Arzt untersucht nicht nur gut sichtbare Hautstellen, sondern auch schwer zugängliche oder leicht zu übersehende Körperbereiche. Dazu gehören beispielsweise [1]:
- Kopfhaut, Ohren und Augenbereich
- Lippen, Zahnfleisch und Mundschleimhaut
- Finger- und Fußnägel sowie die Zehenzwischenräume
- äußere Geschlechtsorgane und Afterbereich
- Hautfalten am Körper
Wenn Ihnen die Untersuchung bestimmter Körperbereiche besonders unangenehm ist, sprechen Sie dies offen an. Sie dürfen jederzeit Fragen stellen, Unsicherheiten äußern oder um eine kurze Pause bitten. Die Ärztin oder der Arzt sollte Ihnen erklären, was als Nächstes untersucht wird und warum dies notwendig ist [1].
Manchen Menschen hilft es außerdem, gezielt eine Praxis auszuwählen, in der das Screening von einer Person des eigenen Geschlechts durchgeführt werden kann. Auch diesen Wunsch dürfen Sie bei der Terminvereinbarung ansprechen [1].
Was passiert beim Hautkrebs-Screening genau?
Die gesamte Früherkennungsuntersuchung dauert in der Regel etwa 15 Minuten und ist normalerweise schmerzfrei [1].
Zu Beginn findet ein ärztliches Vorgespräch statt, die sogenannte Anamnese. Dabei werden Sie unter anderem nach Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand, möglichen Hautkrebserkrankungen in Ihrer Familie und früheren Hautveränderungen gefragt. Auch Ihre Gewohnheiten beim Sonnenschutz und mögliche Besuche im Solarium können zur Sprache kommen [1].
Anschließend folgt die körperliche Untersuchung. Eine entsprechend qualifizierte Hautärztin, ein Hautarzt, eine Hausärztin oder ein Hausarzt betrachtet Ihre Haut systematisch von Kopf bis Fuß. Dabei wird nach auffälligen Flecken, Muttermalen, Verfärbungen oder anderen verdächtigen Hautveränderungen gesucht [1].
Nach der Untersuchung folgt ein kurzes Beratungsgespräch. Dabei wird Ihnen das Ergebnis in der Regel direkt mitgeteilt. Falls eine Hautstelle weiter beobachtet oder genauer untersucht werden sollte, bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen das weitere Vorgehen [1].
Sind Dermatoskopie und Fotos eine Kassenleistung?
Um auffällige Muttermale genauer beurteilen zu können, verwenden Ärztinnen und Ärzte häufig eine beleuchtete Speziallupe. Dieses Instrument wird Dermatoskop oder Auflichtmikroskop genannt. Es ermöglicht eine vergrößerte Betrachtung der Haut und ihrer tieferen Strukturen [1].
Wird das Dermatoskop im Rahmen der körperlichen Untersuchung eingesetzt, ist diese Leistung für gesetzlich Versicherte in der Regel kostenfrei. Bei bestimmten Geräten wird vor der Untersuchung eine spezielle Flüssigkeit auf die betreffende Hautstelle aufgetragen. Dies verbessert die Sicht auf die Hautstrukturen und ist normalerweise nicht unangenehm [1].
Viele Praxen bieten darüber hinaus eine Ganzkörperfotografie oder eine sequenzielle digitale Dermatoskopie an. Dabei werden hochauflösende Bilder von Muttermalen oder größeren Hautbereichen gespeichert. Bei späteren Untersuchungen lassen sich diese Aufnahmen miteinander vergleichen. Auf diese Weise können Veränderungen über Monate oder Jahre genauer nachvollzogen werden [1].
Teilweise kommen dabei auch computergestützte Systeme oder künstliche Intelligenz zum Einsatz. Sie sollen die Ärztin oder den Arzt bei der Beurteilung unterstützen. Die medizinische Einschätzung und Diagnose erfolgen jedoch weiterhin durch qualifiziertes Fachpersonal [1].
Die digitale Fotodokumentation ist häufig keine reguläre Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie wird deshalb vielfach als individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL, angeboten und muss selbst bezahlt werden. Bei privat Versicherten hängt die Kostenübernahme vom jeweiligen Tarif ab. Fragen Sie daher am besten vor der Untersuchung nach, welche Kosten entstehen und ob Ihre Versicherung diese übernimmt [1].
Was passiert, wenn ein Muttermal auffällig ist?
Wird beim Hautkrebs-Screening eine verdächtige Hautstelle entdeckt, sollten Sie nicht sofort vom Schlimmsten ausgehen. Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch, dass Sie Hautkrebs haben. Viele Hautveränderungen sind gutartig oder müssen lediglich über einen bestimmten Zeitraum beobachtet werden [1].
Je nach Aussehen und ärztlicher Einschätzung können weitere Untersuchungen, eine Verlaufskontrolle oder eine Gewebeentnahme empfohlen werden. Besteht ein konkreter Verdacht auf Hautkrebs, wird die betreffende Hautveränderung häufig bei einem gesonderten Termin vollständig entfernt. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung[ 1].
Die entnommene Hautprobe wird anschließend an ein spezialisiertes Labor geschickt. Dort untersuchen Pathologinnen und Pathologen das Gewebe unter dem Mikroskop. Diese feingewebliche Untersuchung wird auch Histologie genannt [1].
Nur durch diese Untersuchung lässt sich zuverlässig feststellen, ob es sich beispielsweise um ein malignes Melanom, eine Form des hellen Hautkrebses oder um eine harmlose Hautveränderung handelt. Sobald das Ergebnis vorliegt, wird es zeitnah in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen besprochen. Dabei erfahren Sie auch, ob weitere Untersuchungen oder Behandlungen notwendig sind [1].
Gibt es beim Screening auch Fehlalarme und Grenzen?
Wie jede medizinische Untersuchung hat auch das Hautkrebs-Screening Vorteile, Nachteile und gewisse Grenzen. Darüber sollten Sie informiert sein, damit Sie Nutzen und mögliche Belastungen besser einschätzen können [1].
Ein mögliches Risiko sind sogenannte Fehlalarme. Dabei wird eine Hautstelle zunächst als verdächtig eingeschätzt, obwohl sie sich später als gutartig herausstellt. Es kann deshalb vorkommen, dass eine Ärztin oder ein Arzt vorsichtshalber eine Hautveränderung entfernt, die medizinisch betrachtet nicht hätte entfernt werden müssen [1].
Eine weitere mögliche Folge ist die sogenannte Überdiagnostik. Dabei werden sehr kleine bösartige Veränderungen entdeckt und behandelt, die der betroffenen Person im weiteren Leben möglicherweise niemals Beschwerden bereitet hätten. Zum Zeitpunkt der Diagnose lässt sich jedoch oft nicht sicher vorhersagen, welche Veränderung gefährlich werden könnte und welche dauerhaft unauffällig geblieben wäre [1].
Auch ein unauffälliges Untersuchungsergebnis bietet keine hundertprozentige Sicherheit. Einzelne Hautveränderungen können trotz sorgfältiger Untersuchung übersehen werden oder sich erst nach dem Screening entwickeln [1].
Diese Grenzen bedeuten nicht, dass die Untersuchung nutzlos ist. Die zuständigen medizinischen Fachgremien empfehlen das Hautkrebs-Screening, weil Hautkrebs dadurch häufig in einem frühen und gut behandelbaren Stadium erkannt werden kann. Dennoch ist es sinnvoll, sowohl die Vorteile als auch die möglichen Nachteile zu kennen [1].
Wie wichtig ist die Selbstbeobachtung der Haut?
Das Hautkrebs-Screening im Abstand von zwei Jahren ist ein wichtiger Bestandteil der Früherkennung. Es ersetzt jedoch nicht die regelmäßige Beobachtung der eigenen Haut. Schauen Sie sich Ihre Haut deshalb auch zwischen den Untersuchungsterminen aufmerksam an. Achten Sie insbesondere auf neu entstandene Pigmentflecken oder Muttermale. Beobachten Sie außerdem, ob sich bestehende Hautstellen in ihrer Farbe, Form, Größe oder Oberfläche verändern [1].
Bitten Sie bei schwer einsehbaren Körperstellen gegebenenfalls eine vertraute Person um Unterstützung. Auch ein Spiegel oder regelmäßig aufgenommene Fotos können Ihnen dabei helfen, Veränderungen besser wahrzunehmen. Fotos ersetzen jedoch keine ärztliche Untersuchung und sollten lediglich der eigenen Orientierung dienen [1].
Wenn Ihnen eine Hautstelle ungewöhnlich vorkommt, juckt, nässt, schmerzt oder blutet, warten Sie bitte nicht bis zum nächsten regulären Screening-Termin. Lassen Sie die Veränderung zeitnah ärztlich untersuchen. Das gilt auch dann, wenn ein Muttermal plötzlich anders aussieht als zuvor. Die Kosten für eine medizinisch notwendige, anlassbezogene Untersuchung werden unabhängig von Ihrem Alter von der Krankenkasse übernommen [1].
Denken Sie außerdem an einen konsequenten UV-Schutz. Schützen Sie Ihre Haut vor intensiver Sonnenstrahlung, vermeiden Sie Sonnenbrände und verwenden Sie geeignete Sonnenschutzmittel. Auch Kleidung, eine Kopfbedeckung und der Aufenthalt im Schatten tragen dazu bei, die UV-Belastung zu verringern und das Risiko für Hautkrebs zu senken [1].