Ab dem 45. Lebensjahr haben Männer in Deutschland Anspruch auf eine jährliche Früherkennungsuntersuchung der Prostata. Ziel ist es, mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen – idealerweise noch bevor Beschwerden auftreten. Viele Männer fühlen sich vor diesem Termin unsicher, weil sie nicht genau wissen, was sie erwartet [1].
Es ist völlig normal, dass dieses Thema unangenehm erscheint. Umso wichtiger ist es, offen darüber zu sprechen. Die Prostatakrebs-Früherkennung kann dazu beitragen, Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen und dadurch die Heilungschancen zu verbessern. Nehmen Sie sich Zeit, sich über Ihre Möglichkeiten zu informieren. So können Sie eine gut abgewogene Entscheidung treffen, die zu Ihrer persönlichen Situation und Ihren Bedürfnissen passt [2].
Wie läuft die jährliche Tastuntersuchung ab?
Die gesetzliche Früherkennung konzentriert sich vor allem auf die sogenannte Tastuntersuchung. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Vorsorge und kann einen Teil der Prostatatumoren erkennen. Kleinere oder ungünstig gelegene Tumoren bleiben jedoch häufig unentdeckt. Eine besondere Vorbereitung auf die Untersuchung ist in der Regel nicht erforderlich [2] [3].
Zu Beginn führt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine kurze Anamnese durch. Dabei werden Ihre Krankengeschichte, mögliche familiäre Vorbelastungen sowie aktuelle Beschwerden besprochen. Anschließend erfolgt die Untersuchung der äußeren Geschlechtsorgane [2] [3].
Im nächsten Schritt tastet die Ärztin oder der Arzt die Prostata über den Enddarm mit dem Finger ab. Diese Untersuchung wird digital-rektale Untersuchung (DRU) genannt [2] [3].
Dieser Teil der Untersuchung dauert nur wenige Sekunden. Die meisten Männer empfinden ihn als unangenehm, Schmerzen treten jedoch nur selten auf. Die Tastuntersuchung ist eine bewährte Methode. Sie kann jedoch vor allem Tumoren erkennen, die an einer gut tastbaren Stelle liegen und bereits eine gewisse Größe erreicht haben [2] [3].
Der PSA-Test zur Prostatakrebs-Früherkennung
Zusätzlich zur Tastuntersuchung wird in vielen Arztpraxen der PSA-Bluttest als ergänzende Leistung angeboten. Der Test misst die Konzentration des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hinweisen. Allerdings können auch harmlose Ursachen wie eine Entzündung oder eine gutartige Vergrößerung der Prostata zu erhöhten Werten führen [2] [3] [4].
Der PSA-Test kann Prostatakrebs häufig früher erkennen als die Tastuntersuchung. Dadurch lässt sich bei einem Teil der Männer das Risiko senken, an Prostatakrebs zu sterben. Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko sogenannter Überdiagnosen. Das bedeutet, dass Tumoren entdeckt werden, die ohne Untersuchung vermutlich zu Lebzeiten niemals Beschwerden verursacht hätten. Dies kann weitere Untersuchungen oder Behandlungen nach sich ziehen, die möglicherweise gar nicht notwendig gewesen wären [2] [3] [4].
Vor allem Behandlungen wie Operationen oder Bestrahlungen können mit schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden sein. Dazu gehören unter anderem Harninkontinenz und Erektionsstörungen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Vor- und Nachteile des PSA-Tests gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sorgfältig abzuwägen. Dieses Vorgehen wird als Shared Decision Making bezeichnet – eine gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen Patient und medizinischem Fachpersonal [2] [3] [4].
Entscheidungshilfe: Vor- und Nachteile des PSA-Tests
Um Ihnen die Entscheidung für oder gegen den PSA-Test zu erleichtern, finden Sie hier die wichtigsten Argumente im Überblick [2] [3] [4]:
- Der PSA-Test kann Prostatakrebs in einem sehr frühen und häufig noch gut behandelbaren Stadium erkennen.
- Ein unauffälliger PSA-Wert kann beruhigend sein, auch wenn er Prostatakrebs nicht mit letzter Sicherheit ausschließt.
- Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet nicht automatisch, dass Prostatakrebs vorliegt. Häufig sind weitere Untersuchungen notwendig. Heute wird in vielen Fällen zunächst eine multiparametrische Magnetresonanztomografie (MRT) der Prostata durchgeführt. Erst wenn dabei ein auffälliger Befund festgestellt wird, empfiehlt sich häufig eine Gewebeprobe (Biopsie).
- Der PSA-Test kann zu Überdiagnosen führen. Dadurch besteht das Risiko unnötiger Behandlungen, die die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen können.
Fragen, die Sie vor einem PSA-Test stellen sollten
Ein gutes Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt kann Ihnen die Entscheidung erleichtern. Diese Fragen können dabei hilfreich sein [2] [3] [4]:
- Wie hoch ist mein persönliches Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken?
- Welche Konsequenzen hätte ein erhöhter PSA-Wert für mich ganz konkret?
- Wie häufig sollte der PSA-Test in meinem Alter wiederholt werden?
- Welche Alternativen gibt es zu einer sofortigen Gewebeentnahme, wenn mein PSA-Wert erhöht ist?
Wer übernimmt die Kosten?
Die Kostenübernahme für Maßnahmen zur Prostatakrebs-Früherkennung ist in Deutschland klar geregelt. Sie unterscheidet sich je nach Art der Krankenversicherung [1].
Für Männer ab 45 Jahren übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die Kosten der jährlichen Tastuntersuchung vollständig [1].
Der PSA-Test zur reinen Früherkennung gehört dagegen nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Er wird als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten und muss dann selbst bezahlt werden. Besteht jedoch bereits ein konkreter Verdacht auf Prostatakrebs oder liegen Beschwerden vor, übernehmen auch die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten des PSA-Tests [2] [5].
Für privat Versicherte gelten häufig andere Regelungen. Viele private Krankenversicherungen (PKV) erstatten die Kosten für den PSA-Test – abhängig vom gewählten Tarif. Es empfiehlt sich daher, die Kostenübernahme vor der Untersuchung direkt bei Ihrer Krankenversicherung zu erfragen. So lassen sich unerwartete Kosten vermeiden [6].