Sicher durch die Behandlung

Krebstherapie und Zusatzpräparate: So vermeiden Sie riskante Wechselwirkungen

Viele Krebspatient:innen hoffen, ihre Behandlung mit Vitaminen, Pflanzenextrakten oder „natürlichen“ Präparaten zu unterstützen. Doch manche Mittel können die Krebstherapie abschwächen oder Nebenwirkungen verstärken. Erfahren Sie, worauf Sie achten sollten.

Von Redaktion 11.06.2026 · 12:01 Uhr
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Viele Patientinnen und Patienten möchten während einer Krebserkrankung selbst aktiv etwas für ihre Gesundheit tun. Häufig kommen dann Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen, Mineralstoffen oder pflanzlichen Inhaltsstoffen ins Spiel. „Natürlich“ bedeutet aber nicht automatisch harmlos: Auch solche Produkte können die Wirkung Ihrer Krebsmedikamente beeinflussen – im positiven wie im negativen Sinn.

Medikamente werden im Körper aufgenommen, verstoffwechselt und wieder ausgeschieden. Dazu gehören auch Chemotherapien, Tabletten gegen Krebs, Immuntherapien und Antihormontherapien. Treffen diese Wirkstoffe auf weitere Substanzen, können sie sich gegenseitig beeinflussen. Die Krebstherapie kann dann schwächer wirken oder Nebenwirkungen können zunehmen.

Risiko: Grapefruit, Johanniskraut und Grüntee-Extrakt

Bestimmte Lebensmittel und Pflanzenprodukte sind für relevante Wechselwirkungen bekannt. Grapefruit, aber auch Pomelo und Bitterorange, hemmen ein wichtiges Enzym (CYP3A4), das viele Medikamente abbaut. Dadurch steigen die Wirkstoffspiegel im Blut, was Nebenwirkungen verstärken und im Extremfall Therapieabbrüche nötig machen kann. Fachleute empfehlen deshalb, Grapefruitprodukte während einer Krebstherapie konsequent zu meiden.

Johanniskraut wirkt genau andersherum: Es beschleunigt den Abbau verschiedener Medikamente, darunter auch einige Krebsmedikamente wie Tamoxifen. Dadurch kann die Behandlung weniger wirksam werden. Johanniskraut findet sich nicht nur in Tabletten, sondern auch in Tees und „natürlichen“ Stimmungsaufhellern – prüfen Sie daher die Zusammensetzung sorgfältig oder fragen Sie Ihre Ärzt:in bzw. Apotheker:in.

Auch hochdosierte Grüntee-Extrakte können problematisch sein. Für das Krebsmedikament Bortezomib wurde gezeigt, dass Grüntee-Inhaltsstoffe seine Wirkung deutlich abschwächen können. Je „stärker“ ein pflanzliches Produkt beworben wird, desto eher sollten Sie an mögliche Wechselwirkungen denken.

Antioxidantien, Pflanzenextrakte und Tabletten-Therapien

Antioxidantien wie Vitamin A, Beta-Carotin, Vitamin E, hochdosiertes Vitamin C, Selen oder bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe können in hohen Dosen in Konflikt mit Chemo- oder Strahlentherapien geraten. Einige dieser Therapien nutzen gezielt oxidative Prozesse, um Tumorzellen zu schädigen. Hochdosierte Antioxidantien können diese Wirkung möglicherweise abschwächen. Dagegen gelten Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, wie sie natürlicherweise in Obst und Gemüse vorkommen, in üblichen Mengen als unbedenklich.

Besonders aufmerksam sollten Sie bei Krebsmedikamenten in Tabletten- oder Kapselform sein. Diese müssen zunächst den Magen-Darm-Trakt durchlaufen. Einnahmehinweise wie „nüchtern“ oder „zu einer Mahlzeit“ sind wichtig, weil sie die Aufnahme beeinflussen. Auch Mittel gegen Sodbrennen, die den pH-Wert im Magen verändern, können die Aufnahme mancher Krebsmedikamente verändern.

Ein weiteres Thema sind hochdosierte Pflanzenextrakte wie Ginkgo, Kurkuma-Konzentrate oder Grüntee-Extrakte. Sie können Enzyme und Transportproteine im Körper hemmen oder anregen und so die Wirkung Ihrer Krebsmedikamente verändern. Klassische Kräutertees in üblichen Mengen sind in der Regel weniger problematisch, trotzdem lohnt sich bei Unsicherheit immer ein Gespräch mit Fachleuten.

Qualität, Sicherheit und gute Entscheidungen

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und unterliegen weniger strengen Kontrollen. Achten Sie deshalb auf Produkte mit Prüf- oder Qualitätssiegeln, die Auskunft über Reinheit und Wirkstoffgehalt geben. Eine aufwendig gestaltete Verpackung sagt nichts über die tatsächliche Qualität aus. Fragen Sie sich vor dem Kauf: Brauche ich das wirklich? Gibt es einen belegten Nutzen? Könnte es meine Therapie beeinflussen?

Besprechen Sie alle Zusatzprodukte immer offen mit Ihrem Behandlungsteam und lassen Sie im Zweifel in einer onkologischen Schwerpunkt-Apotheke einen Wechselwirkungs-Check durchführen. So können Sie aktiv mithelfen, Ihre Therapie möglichst wirksam und sicher zu gestalten.

Weitere Informationen finden Sie auf DasKrebsportal.de.

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