Nachsorge bei Darmkrebs

Beschwerden nach der Darmkrebs-Therapie – und wie Sie damit umgehen

Die Heilungschancen einer Darmkrebserkrankung sind sehr gut – besonders, wenn kolorektale Karzinome früh entdeckt werden. Allerdings treten auch nach der erfolgreichen Behandlung oft noch Langzeitfolgen oder Spätfolgen auf. Welche die häufigsten sind und was sich dagegen tun lässt, erfahren Sie hier.

Von Volker Budinger 16.10.2022
Erschöpfung ist eine häufige Tumorfolge | © AdobeStock-382949532
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Gegen viele Krebserkrankungen entwickeln Forschende immer erfolgreichere Behandlungen. So auch gegen Darmkrebs. Die Heilungs- und Überlebenschancen bei Darmkrebs steigen, besonders, wenn Tumore frühzeitig erkannt werden.

Je nach Schwere der Darmkrebserkrankung und je nachdem, ob eine Operation für eine Heilung notwendig war, gibt es aber auch nach der überstandenen Operation noch Folgen.

Eine regelmäßige Nachsorge wichtig, um mögliche Rezidive entdecken und behandeln zu können. In bis zu 40 Prozent der Fälle kommt es zu neuen Tumoren. Zum anderen klagen viele Patient:innen auch noch zehn Jahre nach einer erfolgreichen Darmkrebsbehandlung über Folgen des Tumors oder der Behandlung.

Was sind die Folgen von Darmkrebs?

Eine nach fast allen Arten von Tumoren häufige Folge ist die tumorassoziierte Fatigue. Rund die Hälfte aller Erkrankten berichtet auch Jahre nach einer Tumorerkrankung noch von einer übermäßigen Abgeschlagenheit, ständiger Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und mangelnder Erholung.

Die genauen Ursachen sind noch weitgehend unklar, hängen aber wahrscheinlich mit den körperlichen und psychischen Auswirkungen sowohl der Krebserkrankung als auch der verschiedenen Therapieformen wie etwa der Chemotherapie zusammen. Viele Betroffene zeigen diese Fatigue akut recht unmittelbar nach oder während der Erkrankung und Therapie, weniger Betroffene entwickeln sie chronisch und lang anhaltend noch Jahre später.

Bewährt haben sich dagegen etwa regelmäßiger Sport und Bewegung, Achtsamkeits- und Entspannungsübungen sowie Ernährungsberatung. Auch psychosoziale Unterstützung durch auf Psychoonkologie spezialisierte Psychotherapeut:innen hilft.

Eher ganz konkret mit Darmkrebs verbundene Folgen betreffen etwa

  • die Ernährung
  • den Umgang mit einem künstlichen Darmausgang
  • Partnerschaft und Sexualität
  • (Stuhl-)Inkontinenz
  • seelische Folgen

In all diesen Bereichen steht allerdings niemand alleine da, es gibt bereits viel Erfahrung und Rat anderer Betroffener aus Selbsthilfegruppen oder von Expert:innen.

Was ist bei der Ernährung zu beachten?

So raten etwa die Expert:innen des Deutschen Krebsforschungszentrums beim Thema Ernährung nach einer Darmkrebsbehandlung vor allem erst einmal zu Geduld. Viele Betroffene klagen auch nach der Behandlung noch über Probleme bei der Verdauung und sind unsicher, wie sie sich ernähren sollen.

Nach einer Operation dauert es oft eine Weile, bis der Darm wieder normal funktioniert. Auch nach einer Chemotherapie können Probleme bestehen. In vielen Fällen legen sich die Probleme wieder und die Darmfunktion normalisiert sich. Statt auf besondere Diäten oder besonders gesundes Essen zu achten, ist es wichtig, mit Geduld herauszufinden, welche Ernährung nach Darmkrebs individuell guttut und was eher zu Problemen wie Verstopfung, Durchfall oder Blähungen führt.

Abgesehen davon, dass eine ausgewogene Ernährung grundsätzlich wichtig ist, sind bestimmte Diäten oder ein Verzehr bestimmter Lebensmittel nicht geeignet, um etwa einem Darmkrebs-Rückfall vorzubeugen. Eine besondere Rolle spielt die Ernährung aber, wenn nach einer Darmkrebs-Operation vorübergehend oder dauerhaft ein künstlicher Darmausgang gelegt wurde — ein sogenanntes Stoma.

Auch dabei raten Expert:innen zu Geduld. Sowohl die dann individuell richtige Ernährung als auch der Umgang mit dem künstlichen Darmausgang wollen gelernt sein und stellen sich mit der zunehmenden Routine ein. Mit einem künstlichen Darmausgang ist ein gutes, erfülltes und auch langes Leben möglich – ein Stoma hat keine Auswirkung auf die Lebenserwartung.

Was beim täglichen Umgang und der Hygiene zu beachten ist, ist zum Teil ebenfalls abhängig vom Einzelfall. Nach einer entsprechenden Operation bringen speziell geschulte Pflegefachkräfte etwa in einer Reha-Einrichtung Betroffenen dabei alle wichtigen Handgriffe und Regeln bei. Damit ist für von einem künstlichen Darmausgang Betroffene ein weitgehend normales Leben mit Berufstätigkeit, erfüllter Sexualität und Partnerschaft und auch etwa eine Schwangerschaft möglich.

Eine häufige Folge nach der Darmkrebsbehandlung ist Stuhlinkontinenz. Betroffene sollten nicht aus falscher Scham schweigen — auch dabei sind sie nicht die Einzigen. Denn Ärzt:innen wissen Rat. Gute Erfahrungen gibt es mit  Beckenbodentraining, mit dem sich die Schließmuskeln in vielen Fällen wieder unter Kontrolle bringen lassen. In anderen Fällen helfen Medikamente oder auch Spülungen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Darüber hinaus helfen verschiedene Inkontinenzartikel, um auch mit einer bestehenden Stuhlinkontinenz den Alltag weitgehend problemlos zu bewältigen.

Welche Folgen hat Darmkrebs für die Sexualität?

Eine Darmkrebsoperation kann bei Männern und Frauen auch Folgen für die Sexualität haben — wenn etwa Nerven im Lendenbereich betroffen sind. Auch Scham wegen eines künstlichen Darmausgangs oder einer Stuhlinkontinenz sind unter Umständen — subjektive — Hindernisse für Partnerschaft und Sexualität. Auch hier gilt: Geduld und Verständnis helfen. Mit der:dem Partner:in zu reden, öffnet viele Wege — und nicht zuletzt können Expert:innen helfen, vor allem mit den vermeintlichen Makeln des eigenen Körpers selbstbewusst umgehen zu lernen.

Wo, wie in diesem Fall, die körperlichen Folgen auch seelische Folgen hinterlassen – oder wo die Angst vor einer Rückkehr des Krebses das Denken und Handeln dominiert, helfen eigens geschulte Psychotherapeut:innen weiter. Psychoonkologie heißt die Fachrichtung der Psychologie, die sich speziell mit den psychischen Folgen von Krebserkrankungen und deren Behandlung beschäftigt.

Eine gute Ansprechstation, um Hilfe bei den Themen Ernährung nach Darmkrebs, Umgang mit künstlichem Darmausgang, Partnerschaft und Sexualität nach derDarmkrebserkrankung oder bei der Suche nach psychoonkologisch geschulten Therapeut:innen zu finden, ist etwa die Deutsche Ilco. Das ist die “Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs sowie deren Angehörige”. Dort gibt es auch Hilfe bei der Suche nach Gruppen vor Ort.

Was ist von alternativen Therapien zu halten?

Im Zusammenhang mit Krebserkrankungen gibt es eine unüberschaubare Reihe von sogenannten „alternativen” oder „komplementären Therapien”, die zum Teil mit „einfachen Mitteln” große Erfolge versprechen.

Wissenschaftlich gibt es für Methoden wie Homöopathie, Bachblüten, Schüsslersalze keine Belege. Für viele pflanzliche Präparate oder Mittel aus der traditionellen chinesischen Medizin konnten Expert:innen unter anderem in der S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des kolorektalen Karzinoms nach Auswertung zahlreicher Studien keinen therapeutischen Nutzen finden.

Ausdrücklich warnen die Expert:innen auch vor Alternativtherapien, die statt einer Chemotherapie helfen sollen — etwa vor der Einnahme von Aprikosenkernen, kohlehydratarmen Krebs-Diäten oder der „Neuen Germanischen Medizin”.

Zusammenfassung Eine häufige Folge (auch) bei Darmkrebserkrankungen ist die sogenannte tumorassoziierte Fatigue. Unter anderem hilft Sport gegen diese Form der Erschöpfung. Auch für spezifische Folgen von Darmkrebs wie Verdauungsprobleme, Umgehen mit einem künstlichen Darmausgang, Stuhlinkontinenz, Partnerschaft und Sexualität nach Darmkrebs sowie seelische Folgen gibt es etablierte Methoden, damit gut umgehen zu können.

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