Prostatakarzinom

Prostatakrebs – das Wichtigste im Überblick

Bei Prostatakrebs (dem Prostatakarzinom) verändern sich Zellen in der Prostata, einer Drüse. Die Erkrankung tritt eher im fortgeschrittenen Lebensalter auf. Dank moderner Möglichkeiten zur Behandlung ist die Prognose meist recht gut.

Von Michael van den Heuvel 05.12.2023 · 10:02 Uhr
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Prostatakrebs, auch Prostatakarzinom genannt, tritt ausschließlich beim Mann auf. Es handelt sich um eine bösartige Tumorerkrankung der Prostata. Diese walnussförmige Drüse ist Teil des männlichen Fortpflanzungssystems. Sie befindet sich unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre ringförmig. Aufgabe der Prostata ist vor allem, Flüssigkeit zu produzieren, die Spermien bei der Ejakulation (beim Erguss) transportiert. 

Bei Prostatakrebs beginnen Zellen in der Prostata, sich unkontrolliert zu teilen und zu wachsen. Einzelne Krebszellen können beim Fortschreiten der Erkrankung in andere Teile des Körpers wandern. Dann bildet Prostatakrebs Metastasen (Tochtergeschwulste). Doch so weit muss es nicht kommen – Ärzt:innen gelingt es in vielen Fällen, die Erkrankung erfolgreich zu behandeln.

Welche Beschwerden verursacht Prostatakrebs? 

Wichtig zu wissen: Gerade zu Beginn der Erkrankung haben viele Patienten keine Beschwerden oder allenfalls sehr leichte Symptome. Dazu zählen meist Probleme beim Wasserlassen. 

In fortgeschritteneren Stadien können jedoch verschiedene Symptome auftreten: 

  • Probleme beim Wasserlassen 
  • Schmerzen im Bereich der Prostata, des Damms, des unteren Rückens oder des Beckenbereichs 
  • Blut im Urin oder im Samen 
  • Erektionsprobleme oder schmerzhafte Ejakulationen 

Doch keine Sorge: Beobachten Sie diese Beschwerden bei sich, heißt das nicht zwangsläufig, dass Sie an Prostatakrebs leiden. Zahlreiche harmlose Erkrankungen verursachen ähnliche Symptome, etwa eine benigne Prostatahyperplasie (eine gutartige Vergrößerung der Prostata), eine Prostatitis (eine Entzündung der Prostata), eine Harnwegsinfektion, Harnsteine und viele mehr. Suchen Sie bei den Symptomen aber umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf. 

Prostatakrebs: Wie ist die Häufigkeit – und wie ist die Prognose? 

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Laut Zentrum für Krebsregisterdaten treten pro Jahr 68.579 Neuerkrankungen auf (Stand 2019). Dank moderner Möglichkeiten zur Früherkennung, Diagnose und Therapie ist die Lebenserwartung bei Prostatakrebs in den letzten Jahren gestiegen.  

So liegt die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate mittlerweile bei 89 Prozent. Als relative Zehn-Jahres-Überlebensrate geben Statistiker:innen 88 Prozent an. Das bedeutet: Nach fünf Jahren sind von 100 Männern mit Prostatakrebs elf infolge der Erkrankung gestorben; nach zehn Jahren sind es zwölf. Die Überlebenschancen erweisen sich als umso besser, je früher Ärzt:innen die Erkrankung finden. Wie bei unbehandeltem Prostatakrebs die Lebenserwartung ist, lässt sich nicht sagen. 

Wie schnell entsteht Prostatakrebs? 

Prostatakrebs tritt meist erst im fortgeschrittenen Alter auf. Wichtig zu wissen ist außerdem: Ein Prostatakarzinom entsteht nicht von heute auf morgen. Vielmehr entwickelt sich der Krebs aus Vorstufen. Es kann Jahre dauern, bis es zu Beschwerden führt.  

Dazu ein paar Zahlen:  

  • Ein 35-jähriger Mann hat ein 0,1-prozentiges Risiko, in den nächsten zehn Jahren an Prostatakrebs zu erkranken. Das bedeutet: Von 1.000 Männern dieses Alters erkrankt einer innerhalb von zehn Jahren am Prostatakarzinom.  
  • Das Risiko eines 75-jährigen Mannes liegt bei etwa 6 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Von 1.000 Männern dieses Alters erkranken 60 in diesem Zeitraum an einem Prostatakarzinom.  

Gibt es Vorstufen von Prostatakrebs? 

Prostatakrebs bildet sich mit teils langem zeitlichem Vorlauf. Ein Prostatakarzinom entsteht über Vorstufen, also veränderte Zellen, die noch keine Krebszellen sind. Dazu gehören:  

  • Prostatische intraepitheliale Neoplasie (PIN): Veränderungen von Zellen der inneren Schicht des Prostatagangs (Epithels). Ärzt:innen unterschieden zwischen einer niedriggradigen (LGPIN) und einer hochgradigen Form (HGPIN). Dabei gilt die LGPIN als vergleichsweise harmlos; die HGPIN steht mit einem höheren Risiko für Prostatakrebs in Verbindung.  
  • Atypische kleindrüsige Proliferation (AAH): Hier kommt es bei Zellen zu Veränderungen. Das Muster kann von Ärzt:innen aber nicht eindeutig als gutartig oder bösartig eingestuft werden. In diesem Fall werden regelmäßige Folgeuntersuchungen empfohlen.  

Wichtig: Weder eine PIN noch eine AAH führen zwangsläufig zu Prostatakrebs. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berät Sie individuell zu weiteren Maßnahmen wie Folgeuntersuchungen.  

Welche Arten von Prostatakrebs gibt es? 

Prostatakrebs ist in der Regel ein Adenokarzinom. Das bedeutet, der Krebs entwickelt sich aus Drüsenzellen der Prostata. Diese Zellen produzieren normalerweise das Prostatasekret. Die wichtigsten Arten von Prostatakrebs:  

  • Das azinäre Adenokarzinom ist die häufigste Form von Prostatakrebs. Es geht von Drüsenzellen aus, welche die Prostata auskleiden. 
  • Das duktale Adenokarzinom tritt auf, wenn sich Krebszellen in den Drüsengängen der Prostata entwickeln. Diese Form von Prostatakrebs ist seltener, aber aggressiver als azinärer Prostatakrebs.  
  • Das Plattenepithelkarzinom entwickelt sich aus Epithelzellen der Prostata. Es neigt dazu, aggressiver zu sein. 
  • Das kleinzellige Prostatakarzinom besteht aus kleinen runden Zellen. Hier handelt es sich um eine seltene und aggressive Form von Prostatakrebs, die sich aus neuroendokrinen (hormonbildenden) Zellen entwickelt. 

Wie behandeln Ärzt:innen Prostatakrebs? 

Welche Therapie bei Ihnen die bestmöglichen Ergebnisse liefert, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen. Wichtige Faktoren sind das Stadium der Krebserkrankung, das Alter des Patienten, sein Gesundheitszustand und persönliche Wünsche.  

Zu den wichtigsten Ansätzen gehören:  

  • Aktive Überwachung: Bei niedriggradigem Prostatakrebs, der sich langsam entwickelt und nicht aggressiv ist, kann die Ärztin bzw. der Arzt empfehlen, die Krankheit aktiv zu überwachen, anstatt sofort mit einer aktiven Behandlung zu beginnen. Die Therapie beginnt, sobald der Krebs weiter voranschreitet. 
  • Die Entfernung der Prostata durch eine Operation (Prostatektomie) ist eine häufige Behandlungsoption, insbesondere bei lokal begrenztem Prostatakrebs. Es gibt verschiedene chirurgische Techniken. 
  • Die Strahlentherapie nutzt hochenergetische Strahlen, um Krebszellen abzutöten oder um ihr Wachstum zu hemmen. Es gibt verschiedene Formen der Strahlentherapie, darunter die externe Strahlentherapie und die Brachytherapie (interne Strahlentherapie). 
  • Die Hormontherapie wird verwendet, um das Wachstum von Prostatakrebszellen zu verlangsamen oder zu stoppen, indem die Produktion von Testosteron unterdrückt wird. Dies erreichen Ärzt:innen in der Regel durch Medikamente. 
  • In einigen Fällen, vor allem bei fortgeschrittenem Prostatakrebs, kann eine Chemotherapie sinnvoll sein, um Krebszellen abzutöten. 
  • Die Immuntherapie regt das Immunsystem des Körpers an, Krebszellen zu bekämpfen. 
  • Bei zielgerichteten Therapien blockieren Medikamente spezifische Moleküle, die das Tumorwachstum fördern, gezielt in Krebszellen. 

Wo finden Männer mit Prostatakrebs Hilfe? 

Bei unklaren Beschwerden, wie Beschwerden beim Wasserlassen, sind Hausärzt:innen bzw. Urolog:innen die erste Adresse. Sie werden bei Bedarf weitere Fachärzt:innen aus der Onkologie (Krebsmedizin), aus der Chirurgie oder aus anderen Fachrichtungen mit einbeziehen. Unterstützung finden Männer mit Prostatakrebs auch beim Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) oder bei der Urologischen Stiftung Gesundheit

Zusammenfassung Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Mit steigendem Lebensalter erhöht sich das Risiko eines Prostatakarzinoms. Zu Beginn verursacht diese Krebsart kaum Beschwerden. In vielen Fällen ist die Prognose gut; heute gibt es – je nach Stadium – eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten. Nicht immer ist eine Therapie erforderlich.

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