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Krebsdiagnose: Wenn die Seele sofort Hilfe braucht

Menschen mit Krebs leiden oft auch psychisch. Doch auf einen Therapieplatz müssen Betroffene in der Regel mehrere Monate warten. Eine Psychoonkologin erklärt, was dann hilft.

Von Redaktion 28.07.2026 · 11:34 Uhr

Eine Krebsdiagnose verändert von einem Moment auf den anderen alles. Noch bevor die erste Behandlung beginnt, ist da oft schon etwas anderes: ein diffuses, lähmendes Gefühl der Bedrohung, das sich nicht greifen lässt. Die Psychoonkologin Gunhild Bachmann, die seit Jahren Menschen mit Krebs begleitet, hat dafür ein treffendes Bild gefunden. Sie spricht von „Monstern unter dem Bett“ – von Gedanken, die so beklemmend sind, dass viele Betroffene sich nicht trauen, ihnen überhaupt zu folgen.

„Aber irgendwann kommen sie hervor, ob man will oder nicht“, sagt Gunhild Bachmann. Genau hier liegt oft das Problem: Wer den eigenen Ängsten ausweicht, wird sie nicht los – im Verborgenen wachsen sie weiter. Unbehandelt, so die Psychoonkologin, werden Ängste in der Regel schlimmer statt besser. Umso wichtiger sei es, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen.

Erschwerend kommt hinzu, dass ausgerechnet das engste Umfeld die seelische Belastung oft ungewollt verstärkt. Familie und Freunde wollen helfen, trösten, Mut machen – und merken nicht, dass sie damit manchmal das Gegenteil erreichen. „Spätestens wenn Ängste beginnen, das Denken zu bestimmen, der Alltag nicht mehr zu bewältigen ist und der Schlaf leidet, ist es höchste Zeit, sich psychoonkologische Unterstützung zu suchen“, sagt Bachmann. Aber am besten lässt man es erst gar nicht so weit kommen. Psychologische Unterstützung kann in allen Phasen einer Krebserkrankung sinnvoll sein – auch wenn die Betroffenen noch keine psychische Belastung spüren.

Tabu-Themen, die kaum jemand ausspricht

Eine Krebserkrankung bringt Fragen mit sich, die sich nur schwer aussprechen lassen – schon gar nicht gegenüber den Menschen, die einem am nächsten stehen. Die Angst vor dem Sterben. Veränderungen in der Partnerschaft. Scham, Libidoverlust, das beklemmende Gefühl, sich im eigenen Körper fremd zu werden. „Das sind Gedanken, die für viele ganz schrecklich sind. Über die man eigentlich weder sprechen noch nachdenken will“, sagt Bachmann.

Genau hier setzt die Psychoonkologie an: Sie schafft einen geschützten Raum für all das, wofür es im Familien- oder Freundeskreis keinen passenden Rahmen gibt – einen Raum, in dem diese Gedanken hinterfragt und neu eingeordnet werden dürfen. Nicht immer gebe es eine Lösung, so Bachmann, aber die Gewissheit, dass es okay ist, diese Gefühle zu haben, dass man nicht verrücktspielt, entlaste die Betroffenen enorm.

Im Alltag begegnen Betroffene dagegen oft gut gemeinten Ratschlägen wie: „Das wird schon wieder, du musst nur positiv bleiben.“ Eine nachvollziehbare Reaktion von Angehörigen, die sich selbst überfordert fühlen. Doch der Effekt ist häufig fatal: Betroffene fühlen sich übergangen und verstummen. Dieser Rückzug ist der Nährboden für soziale Isolation – und kann langfristig zu depressiven Symptomen führen. Wen das treffen kann? Grundsätzlich jeden.

Wie häufig ist psychische Belastung bei Krebs?

Seelische Belastung ist bei einer Krebserkrankung kein Ausnahmefall, sondern die Regel. „Ich kenne persönlich keine Person, die durch eine Krebserkrankung nicht belastet ist“, sagt Bachmann. Aus ihrer Erfahrung leiden mindestens 6 von 10 Betroffenen erheblich unter der psychischen Belastung. Auch die medizinische Leitlinie bestätigt das hohe Risiko: Etwa ein Drittel der Krebskranken entwickelt laut Studien eine behandlungsbedürftige psychische Störung.

Am häufigsten treten Angststörungen, Depressionen und Anpassungsstörungen auf. Welche Ängste konkret im Vordergrund stehen, hängt dabei weniger von der Krebsform ab als von der Lebenssituation. Ein junger Mann mit Hodenkrebs sorgt sich womöglich um seine Zeugungsfähigkeit. Eine Frau Mitte 50 mit Brustkrebs beschäftigen dagegen eher Fragen nach Leistungsfähigkeit und der eigenen Rolle.

Die psychische Verfassung ist dabei kein Randthema – sie wirkt auch auf den Behandlungserfolg. „Je mehr Betroffene mit ihren Ängsten, Sorgen und Verstimmungen allein gelassen werden, desto geringer sind die Erfolgschancen der Behandlung“, betont Bachmann. Stark belastete Patientinnen und Patienten erlebten Nebenwirkungen intensiver und brächen Therapien häufiger ab. Wer die Seele stärkt, stärkt nach ihrer Erfahrung also auch die Chancen der Therapie.

Monatelange Wartezeiten: „Lottogewinn“ Therapieplatz

So klar der Bedarf ist – so schwierig ist es, im richtigen Moment Hilfe zu bekommen. „Zeitnah einen Therapieplatz zu ergattern, kommt einem Lottogewinn gleich“, sagt Bachmann. Sie beobachtet Wartezeiten von sechs bis neun Monaten, je nach Region auch länger. Auch bundesweite Erhebungen zeigen Wartezeiten von durchschnittlich rund einem halben Jahr auf einen ambulanten Psychotherapieplatz. Was also tun in der Zwischenzeit?

Bachmann empfiehlt, die Wartezeit aktiv zu überbrücken. Selbsthilfegruppen können eine wertvolle Stütze sein: Das Gefühl, wirklich verstanden zu werden, wirke oft besser als ein hastiges Arztgespräch. Eine weitere Möglichkeit ist das Programm Living Well Plus von Prosoma: Betroffene werden ein ganzes Jahr lang psychoonkologisch begleitet – per Telefon und über ein digitales Programm, und das ohne Wartezeit. Die Kosten werden von zahlreichen gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Psychoonkologie, die sich dem Alltag anpasst

Selbst diejenigen, die die Chance auf einen ambulanten Therapieplatz haben, zögern zuweilen. Denn eine Krebsbehandlung kostet Kraft – ganz buchstäblich. „Fatigue, also eine extreme und anhaltende Erschöpfung, ist eine der größten Belastungen, die mit der Krebsbehandlung einhergeht“, sagt Bachmann. Wer mit seiner Energie haushalten muss, überlegt sich zweimal, ob er eine Stunde zu einer Beratung fährt. Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Schüttelfrost machen den Weg in eine Praxis zusätzlich zur Hürde.

Genau diese Barrieren fallen bei einer telemedizinischen Begleitung weg – sie kommt zu den Betroffenen, statt umgekehrt. Die Kombination mit der App ist ein großer Vorteil, der gerade in den schwersten Stunden zählt: „Ängste kommen gerne nachts“, sagt Bachmann. Dann Übungen auf dem Handy zur Hand zu haben, könne eine große Hilfe sein.

Was ist Living Well Plus?

Living Well Plus ist ein telemedizinisches Begleitprogramm des Unternehmens Prosoma für Menschen mit einer Krebserkrankung. Es schließt die Lücke zwischen Diagnose und einem regulären Therapieplatz – sofort verfügbar und ohne monatelange Wartezeit.

  • Psychologische Begleitung durch erfahrene Psychoonkologinnen und Psxchoonkologen für die Dauer von 12 Monaten
  • Persönliche Telefongespräche kombiniert mit einem digitalen Programm und App-Übungen
  • Unmittelbare Hilfe zu jeder Uhrzeit  – auch nachts, wenn Ängste am stärksten sind
  • Direkt verfügbar, ohne Anfahrt – ideal bei Fatigue und körperlichen Einschränkungen während der Behandlung

Damit ist Living Well Plus ein in Deutschland einzigartiges Angebot: Psychoonkologie, die sich dem Alltag der Betroffenen anpasst und nicht umgekehrt – mit Kostenübernahme durch rund 40 Krankenversicherungen.

Zur Person: Gunhild Bachmann

Gunhild Bachmann (33) ist Psychologin und anerkannte Psychoonkologin. Vor ihrer Spezialisierung auf die Begleitung von Krebspatientinnen und -patienten arbeitete sie unter anderem am Universitätsklinikum Leipzig sowie in Akutpsychiatrien und Rehabilitationseinrichtungen. Seit 2023 ist sie für Prosoma tätig und hat seither mehr als 800 Betroffene und Angehörige telemedizinisch während oder nach einer Krebserkrankung begleitet. Darüber hinaus engagiert sie sich stark im Bereich Krebsvorsorge. Die gebürtige Österreicherin ist verheiratet und lebt in Berlin.

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