Neue Empfehlungen

S3-Leitlinienupdate bringt wichtige Änderungen bei Lungenkrebs

Die aktualisierte S3-Leitlinie zu Lungenkrebs bringt wichtige Neuerungen. Wenn Sie selbst von Lungenkrebs betroffen sind, können die Empfehlungen dabei helfen, Ihre Behandlungsmöglichkeiten besser zu verstehen und gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam abzuwägen.

Von Redaktion 18.08.2026 · 15:57 Uhr
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Eine S3-Leitlinie gehört zu den wissenschaftlich am besten abgesicherten medizinischen Handlungsempfehlungen in Deutschland, etwa für Lungenkrebs. Ärztinnen und Ärzte können sich daran orientieren, wenn sie gemeinsam mit Ihnen entscheiden, welche Untersuchungen und Behandlungen infrage kommen.

Wichtig dabei: Eine Leitlinie gibt Empfehlungen, aber sie entscheidet nicht über Ihre persönliche Behandlung. Denn auch Ihre individuelle Situation, Ihre Wünsche und mögliche Begleiterkrankungen spielen eine wichtige Rolle. Was sich bei Lungenkrebs geändert hat:

Neue Empfehlungen bei fortgeschrittenem Lungenkrebs

Beim kleinzelligen Lungenkrebs ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose häufig bereits fortgeschritten. Eine solche Diagnose und die vielen anschließenden Therapieentscheidungen können für Betroffene und Angehörige belastend sein. Umso wichtiger ist es, zu wissen, welche Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen.

In einem fortgeschrittenen Stadium geht es vor allem darum, die Erkrankung möglichst lange zurückzudrängen, das Leben zu verlängern und Beschwerden zu lindern. Die aktualisierte Leitlinie empfiehlt hierfür eine Kombination aus Chemotherapie und einem sogenannten PD-1-Antikörper. Dabei handelt es sich um eine Form der Immuntherapie: Vereinfacht gesagt soll sie das körpereigene Immunsystem dabei unterstützen, Krebszellen besser zu erkennen und anzugreifen. Nach Angaben der Leitlinienautor hat sich diese Kombination als neuer Standard etabliert und zeigt Vorteile sowohl bei der Zeit ohne Fortschreiten der Erkrankung als auch beim Gesamtüberleben.

Auch wenn der Krebs nach einer Behandlung zurückkehrt oder weiter fortschreitet, wurden die Empfehlungen angepasst. Für Sie bedeutet das: Ihr Behandlungsteam kann auf aktuelle wissenschaftliche Empfehlungen zurückgreifen und prüfen, welche weitere Therapie in Ihrer persönlichen Situation sinnvoll sein könnte.

Kommt eine Operation für mich infrage?

Gerade die Frage nach einer Operation beschäftigt viele Menschen mit Lungenkrebs. Beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom soll nun noch systematischer geprüft werden, ob eine Operation möglich und sinnvoll ist.

Ärztinnen und Ärzte betrachten mehrere Fragen: Kann der Tumor vollständig entfernt werden? Ist Ihr Körper belastbar genug für den Eingriff? Und bietet die Operation aus medizinischer Sicht einen ausreichenden Vorteil?

Eine wichtige Neuerung betrifft ältere Patient:innen: Das Alter allein soll kein Grund sein, eine Operation auszuschließen. Stattdessen sollen Fachleute verschiedener Disziplinen im sogenannten Tumorboard die Chancen und Risiken gemeinsam beurteilen. Auch Ihre persönliche Situation und Ihre Wünsche sollen dabei berücksichtigt werden.

Wenn sich ein Tumor operieren lässt, kann außerdem eine Immunchemotherapie vor der Operation eine größere Rolle spielen. Auch schonendere, minimalinvasive Operationsverfahren werden in der Leitlinie genauer berücksichtigt. Das Ziel bleibt dabei immer, die Erkrankung möglichst wirksam zu behandeln und gleichzeitig die Belastung für Sie so gering wie möglich zu halten.

Hilfe bei Beschwerden: Was interventionelle Therapien leisten

Nicht jede Behandlung richtet sich ausschließlich gegen den Tumor selbst. Manchmal steht zunächst im Vordergrund, belastende Beschwerden zu lindern und den Alltag wieder etwas leichter zu machen.

Hier können sogenannte interventionelle Verfahren helfen. Sie kommen beispielsweise infrage, wenn ein Tumor die Atemwege verengt oder Blutungen verursacht. Je nach Situation können Ärztinnen und Ärzte Atemwege wieder öffnen, Blutungen behandeln oder Tumorgewebe gezielt vor Ort entfernen.

Solche Eingriffe können Beschwerden wie Atemnot lindern und in manchen Fällen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass weitere Krebstherapien möglich werden.

Was Sie aus der neuen Leitlinie mitnehmen können

Die aktualisierte Leitlinie zeigt vor allem eines: Die Behandlung von Lungenkrebs wird immer stärker auf die einzelne Person zugeschnitten. Welche Therapie für Sie infrage kommt, hängt unter anderem von der Art und dem Stadium des Tumors, Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und Ihren persönlichen Bedürfnissen ab.

Eine Leitlinie kann das persönliche Gespräch mit Ihren Ärztinnen und Ärzten deshalb nicht ersetzen. Sie kann Ihnen aber helfen, gezielter nachzufragen. Wenn Sie von Lungenkrebs betroffen sind, können beispielsweise diese Fragen für das nächste Gespräch hilfreich sein:

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten kommen bei meiner Form von Lungenkrebs infrage?
  • Ist eine Immuntherapie oder Immunchemotherapie für mich eine Möglichkeit?
  • Könnte mein Tumor operiert werden – und welche Chancen und Risiken hätte das für mich?
  • Wurde mein Fall in einem interdisziplinären Tumorboard besprochen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, Beschwerden wie Atemnot gezielt zu lindern?

Scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, wenn Sie medizinische Begriffe oder eine Empfehlung nicht verstehen. Sie dürfen sich erklären lassen, welche Möglichkeiten Sie haben und warum Ihr Behandlungsteam eine bestimmte Therapie empfiehlt.

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