Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am 17. September 2026 drei neue Krebsmedikamente zur Zulassung empfohlen. Der CHMP prüft unter anderem, ob Nutzen und Risiken eines neuen Medikaments eine Zulassung rechtfertigen. Über die EU-weite Zulassung entscheidet anschließend die Europäische Kommission.
Neue Therapie bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs
Gevalka mit dem Wirkstoff Ensartinib ist für Erwachsene mit fortgeschrittenem, ALK-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) vorgesehen. NSCLC ist die häufigste Gruppe von Lungenkrebs. „ALK-positiv“ bedeutet, dass die Krebszellen eine bestimmte genetische Veränderung aufweisen. Sie kann das Wachstum des Tumors antreiben und gleichzeitig einen gezielten Angriffspunkt für Medikamente bieten.
Ensartinib gehört zu den sogenannten Kinasehemmern. Diese Medikamente blockieren bestimmte Signale, die Krebszellen zum Wachstum benötigen.
In einer Studie verlängerte Ensartinib im Vergleich zum Medikament Crizotinib das sogenannte progressionsfreie Überleben. Damit ist die Zeit gemeint, in der die Erkrankung nicht weiter fortschreitet.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Gevalka gehören Hautausschlag, Juckreiz und Übelkeit. Außerdem können sich bestimmte Leberwerte im Blut verändern. Diese werden während der Behandlung ärztlich kontrolliert.
Zwei neue Ansätze bei Eierstockkrebs
Lifyorli mit dem Wirkstoff Relacorilant soll zusammen mit nab-Paclitaxel, einer besonderen Form des Chemotherapie-Wirkstoffs Paclitaxel, eingesetzt werden. Die Behandlung richtet sich an Erwachsene mit platinresistentem epithelialem Eierstock-, Eileiter- oder primärem Bauchfellkrebs.
Platinresistent bedeutet, dass die Erkrankung während einer platinhaltigen Chemotherapie weiter fortschreitet oder innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums danach erneut auftritt. „Epithelial“ beschreibt dabei den Zelltyp, aus dem der Krebs entstanden ist.
In der Zulassungsstudie verlängerte die Kombination sowohl das progressionsfreie Überleben als auch das Gesamtüberleben. Gesamtüberleben bezeichnet die Zeit, die Patient nach einem festgelegten Ausgangspunkt – beispielsweise dem Beginn einer Studie – leben. Verglichen wurde die Kombination mit einer alleinigen Behandlung mit nab-Paclitaxel. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten unter anderem Blutarmut, Übelkeit, Durchfall und eine verminderte Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen.
Sepalna mit dem Wirkstoff Senaparib ist dagegen als Erhaltungstherapie vorgesehen. Eine Erhaltungstherapie soll den Behandlungserfolg einer vorausgegangenen Therapie möglichst lange stabilisieren und ein erneutes Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern.
Senaparib gehört zu den PARP-Hemmern. Diese Medikamente behindern bestimmte Reparaturmechanismen in Krebszellen. Schäden an deren Erbgut können dadurch schlechter repariert werden, sodass Krebszellen absterben können.
Sepalna ist für bestimmte Patient mit fortgeschrittenem, hochgradigem epithelialem Eierstock-, Eileiter- oder primärem Bauchfellkrebs vorgesehen, deren Tumor auf die erste platinhaltige Chemotherapie vollständig oder teilweise angesprochen hat. In der Studie verlängerte Senaparib gegenüber einem Placebo – einem Scheinmedikament ohne den untersuchten Wirkstoff – das progressionsfreie Überleben. Zu den häufigeren Nebenwirkungen gehören Veränderungen des Blutbildes, Übelkeit und Müdigkeit.
Die nächsten Schritte
Bis ein neu zugelassenes Medikament tatsächlich in Deutschland verfügbar ist, kann etwas Zeit vergehen. Laut verschiedenen Sttaistiken lag die Zeit zwischen EU-Zulassung und Verfügbarkeit neuer Arzneimittel in Deutschland zuletzt bei durchschnittlich 56 Tagen.
Ob eines dieser Medikamente für Ihre Erkrankung infrage kommt, hängt unter anderem von der genauen Krebsart, den Eigenschaften des Tumors und den bisherigen Behandlungen ab. Sie können diese Fragen mit Ihrem behandelnden onkologischen Team besprechen.
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