Fortgeschrittener Darmkrebs

Welche Therapien setzen Ärzt:innen bei fortgeschrittenem Dickdarmkrebs ein?

Sie leiden an Dickdarmkrebs? Auch bei fortgeschrittenen Stadien stehen heute verschiedene wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. In ausgewählten Fällen kann sogar noch eine Heilung erreicht werden, etwa wenn Metastasen vollständig entfernt werden können. Ist dies nicht möglich, helfen palliative Therapien dabei, Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität zu erhalten und die Lebenszeit zu verlängern. 

Von Katarina Flanagan 29.06.2026 · 09:02 Uhr
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Der Dickdarmkrebs ist weit fortgeschritten: Stadium IV. Das bedeutet, dass sich bereits Metastasen – sogenannte Tochtertumoren – in anderen Organen gebildet haben. Häufig betrifft dies die Leber, gefolgt von der Lunge, dem Bauchfell oder anderen Organen. Dennoch bedeutet Stadium IV nicht automatisch, dass eine Heilung ausgeschlossen ist. Bei einigen Betroffenen lassen sich die Metastasen vollständig entfernen oder durch andere lokale Verfahren beseitigen. Ist dies jedoch nicht möglich, sprechen Ärztinnen und Ärzte von einer nicht mehr kurativ, also nicht mehr heilbar, behandelbaren Erkrankung [1] [2]

Eine solche Diagnose verändert die Lebensperspektive oft schlagartig und löst zunächst Angst und Verunsicherung aus. Niemand kann die individuelle Lebenserwartung bei metastasiertem Darmkrebs exakt vorhersagen. Die moderne Krebsmedizin bietet jedoch zahlreiche Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern und die verbleibende Lebenszeit so lebenswert wie möglich zu gestalten. Palliativmedizin und Psychoonkologie haben sich darauf spezialisiert, Betroffene und ihre Angehörigen dabei zu unterstützen [1] [2]

Wie die Palliativbehandlung abläuft

Oberstes Ziel der palliativen Behandlung bei Darmkrebs ist es, die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern – möglichst lange und in all ihren Facetten. Körperliche, seelische, soziale und spirituelle Aspekte spielen dabei gleichermaßen eine Rolle. Entsprechend den aktuellen Leitlinien prüfen die behandelnden Teams alle medizinischen Möglichkeiten, die Beschwerden lindern und den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können [1] [2]

Wichtig ist dabei: Palliativmedizin beginnt heute nicht erst im Endstadium einer Erkrankung. Sie kann bereits frühzeitig ergänzend zur Krebstherapie eingesetzt werden und Betroffene über lange Zeit begleiten [1] [2]

Welche Strategie im Einzelfall am sinnvollsten ist, entscheidet ein interdisziplinäres Team gemeinsam mit den Patienten. Bei einem Kolonkarzinom im Stadium IV spielen insbesondere die Darmfunktion, die Durchgängigkeit des Darms sowie Lage und Ausdehnung der Metastasen eine wichtige Rolle [1] [2]

Eine Krebstherapie kann weiterhin sinnvoll sein

Auch wenn Darmkrebs und seine Metastasen nicht mehr vollständig entfernt werden können, kann eine Tumortherapie weiterhin sinnvoll sein. Zwar gehen Chemotherapien und andere Krebsbehandlungen häufig mit Nebenwirkungen einher, gleichzeitig können sie das Tumorwachstum bremsen, Beschwerden lindern und die Lebenszeit verlängern. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Erkrankung rasch fortschreitet oder die Tumoren Beschwerden verursachen [1] [2]

OPs bei fortgeschrittenem Darmkrebs

In manchen Fällen können operative Eingriffe das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. So lassen sich einzelne Metastasen in der Leber oder Lunge manchmal entfernen oder durch lokale Verfahren wie Ablation behandeln. Selbst wenn dadurch keine Heilung mehr möglich ist, kann dies die Krankheitskontrolle verbessern [1] [2]

Auch systemische Therapien spielen eine wichtige Rolle. Wiederholte Chemotherapiezyklen können Tumorwachstum und Metastasen über längere Zeit kontrollieren. Zahlreiche Studien zeigen, dass eine palliative Chemotherapie die Überlebenszeit bei metastasiertem Darmkrebs verlängern kann [1] [2]

Arzneimittel bei fortgeschrittenem Darmkrebs

Zusätzlich zur Chemotherapie kommen heute verschiedene zielgerichtete Medikamente zum Einsatz. Angiogenese-Hemmer bremsen die Bildung neuer Blutgefäße, die der Tumor für sein Wachstum benötigt. Wachstumsrezeptor-Blocker, sogenannte EGFR-Antikörper, hemmen bestimmte Wachstumssignale der Krebszellen. Allerdings wirken diese Medikamente nur bei Tumoren ohne bestimmte genetische Veränderungen, insbesondere bei sogenannten RAS-Wildtyp-Tumoren [1] [2]

In bestimmten Situationen können solche zielgerichteten Medikamente auch ohne gleichzeitige Chemotherapie eingesetzt werden, etwa wenn eine Chemotherapie nicht vertragen wird. Häufig werden sie jedoch mit einer Chemotherapie kombiniert [1] [2]

Eine immer größere Rolle spielt zudem die Molekulardiagnostik. Veränderungen in Genen wie KRAS, NRAS oder BRAF sowie Störungen des DNA-Reparatursystems können darüber entscheiden, welche Therapien wirksam sind und welche nicht [1] [2]

Bei Dickdarmkrebs des Kolons spielt die Strahlentherapie dagegen meist nur eine untergeordnete Rolle. Anders ist dies beim Enddarmkrebs (Rektumkarzinom), bei dem Bestrahlung und kombinierte Radio-Chemotherapie häufig Bestandteil der Behandlung sind [1] [2]

Kriterien für die Therapieentscheidung

Die grundlegenden Kriterien für die Wahl der Behandlung sind[1] [2]:

  • der allgemeine Gesundheitszustand und die Belastbarkeit des Patienten,
  • die molekularen Eigenschaften des Tumors,
  • der bisherige Krankheitsverlauf,
  • das Ansprechen auf frühere Therapien,
  • mögliche Nebenwirkungen bereits durchgeführter Behandlungen,
  • die persönlichen Wünsche und Ziele des Patienten.

Beschwerden lindern und das Leben erleichtern

Fortgeschrittener Darmkrebs kann zahlreiche Beschwerden verursachen – von belastenden Symptomen bis hin zu akuten Komplikationen. Ein zentraler Schwerpunkt der palliativen Versorgung besteht darin, diese Beschwerden möglichst wirksam zu behandeln [1] [2]

  • Droht beispielsweise ein Darmverschluss (Ileus), können operative Eingriffe oder in bestimmten Fällen lokale Verfahren wie Lasertherapie helfen. Auch Blutungen lassen sich häufig kontrollieren.
  • Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung können meist wirksam medikamentös behandelt werden.
  • Tritt Atemnot auf, gehören niedrig dosierte Opioide wie Morphin zu den wirksamsten Behandlungen in der Palliativmedizin. Sie können das belastende Gefühl der Luftnot deutlich lindern.
  • Tumorschmerzen lassen sich heute in der großen Mehrzahl der Fälle wirksam behandeln. Dabei kommen je nach Schmerzstärke unterschiedliche Medikamente zum Einsatz – von klassischen Schmerzmitteln über schwächere Opioide bis hin zu starken Opioiden. Auch eine Strahlentherapie kann beispielsweise bei schmerzhaften Knochenmetastasen hilfreich sein.
  • Bei Blutarmut und tumorbedingter Fatigue können Bluttransfusionen, eine Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen sowie individuell angepasstes körperliches Training zur Verbesserung der Beschwerden beitragen.

Ambulante und stationäre Palliativversorgung

Die palliativmedizinische Versorgung begleitet Betroffene so lange, wie medizinische, pflegerische oder psychosoziale Unterstützung erforderlich ist. Sie kann auf einer Palliativstation, in einem Pflegeheim oder ambulant zu Hause erfolgen. Für die Betreuung in der häuslichen Umgebung stehen spezialisierte ambulante Palliativversorgungsteams (SAPV) und regionale Palliative-Care-Teams zur Verfügung [1] [2]

Beratung bieten neben den behandelnden Ärztinnen und Ärzten auch Kliniksozialdienste, Krebsberatungsstellen und Krankenkassen. Darüber hinaus informieren zahlreiche Organisationen im Internet über Palliativmedizin und Hospizangebote [1] [2]

Mit der Psychoonkologie seelische Beschwerden mildern

Eine schwere Krebserkrankung belastet nicht nur den Körper, sondern oft auch die Psyche. Angst, Sorgen, depressive Verstimmungen oder existenzielle Fragen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Gleichzeitig wirken sich psychische Belastungen häufig auf das körperliche Wohlbefinden aus [1] [2]

Deshalb achten die Teams in der Krebs- und Palliativmedizin gezielt auf die psychische Gesundheit ihrer Patienten. Speziell ausgebildete Psychoonkologen unterstützen dabei, mit Ängsten, Belastungen und Unsicherheiten umzugehen. Sie helfen außerdem bei familiären Konflikten, sozialen Problemen oder schwierigen Gesprächen mit Angehörigen. Je nach Situation kommen psychotherapeutische Gespräche, Entspannungsverfahren oder auch Medikamente zum Einsatz [1] [2]

Zusammenfassung Mit der Diagnose Dickdarmkrebs im Endstadium werden Sie nicht allein gelassen. Im Gegenteil: Die medizinischen und pflegerischen Kräfte konzentrieren sich von nun an darauf, Belastungen und Leiden zu verringern. Das Ziel: die verbleibende Zeit lebenswert erhalten. Vieles, was Seele, Geist und Körper stärken kann, ist Teil der Palliativversorgung und der Psychoonkologie. Das erleichtert Ihnen und Ihren Angehörigen diese letzte Phase erheblich.

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