Leberkrebs ist nicht gleich Leberkrebs. Die häufigste Form ist das hepatozelluläre Karzinom (HCC), auch Leberzellkrebs genannt. Das intrahepatische Cholangiokarzinom (iCCA) entsteht dagegen in den kleinen Gallengängen innerhalb der Leber. Lebermetastasen sind wiederum Absiedlungen eines Krebses, der in einem anderen Organ entstanden ist. Sie werden anders behandelt.
Für Ihren Behandlungsplan sind neben der Tumorart mehrere Fragen wichtig [1] [2]:
- Wie groß ist der Tumor und wie viele Herde gibt es?
- Hat sich der Krebs bereits ausgebreitet?
- Kann der Tumor vollständig entfernt oder direkt in der Leber behandelt werden?
- Wie gut arbeitet Ihre Leber?
- Wie belastbar sind Sie und welche weiteren Erkrankungen haben Sie?
- Was ist Ihnen bei der Behandlung besonders wichtig?
Besonders beim HCC spielt die Leberfunktion eine große Rolle. Viele Betroffene haben gleichzeitig eine Leberzirrhose, bei der gesundes Lebergewebe zunehmend durch Narbengewebe ersetzt wird. Ihr Behandlungsteam muss deshalb nicht nur den Krebs behandeln, sondern auch darauf achten, wie stark die Therapie Ihre Leber belastet [2] [3].
Behandlung mit Aussicht auf Heilung
Ist der Tumor noch auf die Leber begrenzt, kann bei manchen Patientinnen und Patienten eine Behandlung mit dem Ziel der Heilung möglich sein. Beim HCC kommen dafür vor allem eine Operation, eine Lebertransplantation oder die gezielte Zerstörung kleiner Tumoren infrage [1] [2].
Ist der Krebs weiter fortgeschritten oder die Leber bereits stark geschädigt, kann sich das Therapieziel verändern. Dann geht es beispielsweise darum, das Wachstum des Tumors möglichst lange zu bremsen, Beschwerden zu lindern und Ihre Lebensqualität zu erhalten. Auch wenn eine Heilung nicht möglich ist, stehen verschiedene wirksame Behandlungen zur Verfügung [2] [3].
Operation: Den Tumor vollständig entfernen
Bei einer Operation entfernen Chirurginnen und Chirurgen den Tumor und einen Teil des umliegenden Lebergewebes. Dieser Eingriff heißt Leberresektion. Er kommt infrage, wenn sich der Tumor vollständig entfernen lässt und anschließend genügend gesundes, funktionsfähiges Lebergewebe verbleibt [1] [2].
Beim iCCA ist eine vollständige Operation die wichtigste Behandlung mit Aussicht auf Heilung. Auch ein HCC kann durch eine Operation geheilt werden, wenn Lage und Ausdehnung des Tumors sowie die Leberfunktion dies zulassen. Nach dem Eingriff sind regelmäßige Kontrollen wichtig, um einen möglichen Rückfall frühzeitig zu erkennen [1] [2].
Lebertransplantation: Tumor und kranke Leber behandeln
Für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit HCC kann eine Lebertransplantation infrage kommen. Dabei entfernen Ärzt:innen die erkrankte Leber und ersetzen sie durch eine Spenderleber. So werden sowohl der Tumor als auch die zugrunde liegende Lebererkrankung behandelt [1] [3].
Ob eine Transplantation für Sie möglich ist, prüfen spezialisierte Zentren anhand festgelegter Kriterien. Wichtig sind unter anderem Anzahl und Größe der Tumoren sowie Ihr allgemeiner Gesundheitszustand. Hat sich der Krebs in andere Organe ausgebreitet oder ist er deutlich in größere Blutgefäße der Leber eingewachsen, kommt eine Transplantation meist nicht infrage [1] [3].
Während der Wartezeit auf das Spenderorgan kann der Tumor mit anderen Verfahren behandelt werden, um ihn möglichst unter Kontrolle zu halten. Nach einer Transplantation müssen Sie dauerhaft Medikamente einnehmen, die verhindern, dass Ihr Körper die neue Leber abstößt [2].
Ablation: Kleine Tumoren gezielt zerstören
Bei einer Ablation wird der Tumor meist durch Hitze zerstört. Dafür führen Ärztinnen und Ärzte unter Bildkontrolle eine dünne Sonde durch die Haut bis zum Tumor. Häufig kommen Radiofrequenz- oder Mikrowellenablation zum Einsatz. Eine größere Operation ist dafür meist nicht notwendig [1] [2].
Bei kleinen HCC-Herden kann eine Ablation eine Behandlung mit Aussicht auf Heilung sein. Bei Tumoren bis etwa drei Zentimeter können Operation und Ablation je nach Situation vergleichbare Möglichkeiten sein. Eine Ablation ist besonders geeignet, wenn der Tumor für eine Operation ungünstig liegt oder die Leberfunktion eingeschränkt ist [1] [3].
TACE und TARE: Behandlung direkt über die Blutgefäße
Bei diesen Verfahren führen Ärztinnen und Ärzte einen dünnen Katheter über ein Blutgefäß bis zu den Arterien, die den Tumor versorgen. So lässt sich die Behandlung gezielt zum Tumor bringen.
Bei der TACE werden Medikamente direkt in die Nähe des Tumors gegeben und gleichzeitig Blutgefäße verschlossen, die ihn versorgen. Bei der TARE, auch SIRT genannt, gelangen winzige radioaktive Partikel über die Blutgefäße zum Tumor [1] [3].
TACE und TARE kommen vor allem bei bestimmten HCC infrage, die nicht operiert oder durch andere örtliche Verfahren behandelt werden können. Sie helfen auch, einen Tumor während der Wartezeit auf eine Lebertransplantation unter Kontrolle zu halten oder ihn so weit zurückzudrängen, dass eine Transplantation möglich wird [1] [3].
Strahlentherapie: Präzise gegen den Tumor
Auch eine hochpräzise Strahlentherapie kann bei ausgewählten Patientinnen und Patienten infrage kommen. Moderne Verfahren richten die Strahlung möglichst genau auf den Tumor und schonen das umliegende gesunde Lebergewebe. Sie können beispielsweise eine Möglichkeit sein, wenn andere örtliche Behandlungen nicht geeignet sind [1] [3].
Medikamente wirken im ganzen Körper
Hat sich der Krebs weiter ausgebreitet oder lässt er sich nicht ausreichend direkt in der Leber behandeln, können Medikamente eingesetzt werden, die im ganzen Körper wirken. Fachleute sprechen von einer systemischen Therapie. Welche Medikamente infrage kommen, unterscheidet sich deutlich zwischen HCC und iCCA [1].
Medikamente beim HCC
Bei fortgeschrittenem HCC spielen heute vor allem Kombinationen mit Immuntherapien eine wichtige Rolle. Immuntherapien unterstützen das Immunsystem dabei, Krebszellen besser zu erkennen und anzugreifen [3].
Für geeignete Patientinnen und Patienten kommen beispielsweise Atezolizumab plus Bevacizumab, Durvalumab plus Tremelimumab oder Nivolumab plus Ipilimumab infrage. Sind solche Kombinationen nicht geeignet, können unter anderem Lenvatinib oder Sorafenib eingesetzt werden [3].
Welche Behandlung zu Ihnen passt, hängt unter anderem von Ihrer Leberfunktion und möglichen Begleiterkrankungen ab. Auch bestimmte Autoimmunerkrankungen oder ein erhöhtes Blutungsrisiko können die Auswahl beeinflussen. Ihr Behandlungsteam bespricht deshalb Nutzen, Risiken und mögliche Nebenwirkungen mit Ihnen [1] [3].
Medikamente beim iCCA
Beim fortgeschrittenen iCCA wird meist eine Chemotherapie aus Gemcitabin und Cisplatin mit einer Immuntherapie kombiniert. Dafür kommen Durvalumab oder Pembrolizumab infrage. Ist eine Immuntherapie nicht möglich, kann Gemcitabin plus Cisplatin allein eingesetzt werden [1].
Zusätzlich wird bei einem fortgeschrittenen iCCA das Tumorgewebe auf bestimmte Veränderungen untersucht. Finden sich solche Merkmale, können gezielt wirkende Medikamente infrage kommen. Dazu gehören beispielsweise Veränderungen in FGFR2 oder IDH1. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, ob eine solche Untersuchung bei Ihnen bereits erfolgt ist und welche Bedeutung das Ergebnis für Ihre Therapie hat [1].
Schreitet die Erkrankung trotz der ersten Behandlung fort, können je nach bisherigen Therapien, Gesundheitszustand und Eigenschaften des Tumors weitere Medikamente eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise die Chemotherapie FOLFOX oder bei passenden Tumormerkmalen gezielte Therapien [1].
Beschwerden lindern, die Lebensqualität erhalten
Eine gute Behandlung richtet sich nicht nur gegen den Tumor. Ebenso wichtig ist es, Beschwerden und Nebenwirkungen frühzeitig zu lindern. Diese unterstützende Behandlung – auch Supportivtherapie genannt – kann beispielsweise bei Schmerzen, Übelkeit, Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder Bauchwasser helfen [1] [2].
Auch eine palliative Versorgung kann frühzeitig Teil der Behandlung sein und parallel zu einer krebshemmenden Therapie erfolgen. Dabei stehen Ihre Lebensqualität, Ihre Beschwerden und Ihre persönlichen Wünsche im Mittelpunkt. Neben medizinischer und pflegerischer Hilfe können auch psychosoziale und bei Bedarf spirituelle Angebote Sie und Ihre Angehörigen unterstützen [1] [2].