Arzneimitteltherapie

Welche Medikamente bei Leberkrebs helfen können

Wenn eine Operation oder eine örtliche Behandlung nicht möglich ist, können Medikamente das Wachstum von Leberkrebs bremsen und Ihre Beschwerden lindern. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, hängt vor allem von der Krebsart, von Ihrer Leberfunktion und Ihrer persönlichen Situation ab.

Von Redaktion 10.09.2026 · 13:41 Uhr
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Leberkrebs ist nicht gleich Leberkrebs. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden unter anderem zwischen Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom, HCC) und Tumoren der Gallengänge, den Cholangiokarzinomen. Diese Krebsarten werden unterschiedlich behandelt [1] [2].

Eine Behandlung mit Medikamenten kommt vor allem infrage, wenn der Krebs fortgeschritten ist, sich im Körper ausgebreitet hat oder sich durch eine Operation oder eine örtliche Behandlung nicht ausreichend kontrollieren lässt. Ziel ist es, die Erkrankung möglichst lange unter Kontrolle zu halten und gleichzeitig Ihre Lebensqualität bestmöglich zu erhalten [1] [2] [3].

Medikamente wirken im ganzen Körper

Manche Medikamente gegen Krebs wirken nicht nur an einer bestimmten Stelle, sondern im ganzen Körper. Fachleute sprechen dann von einer systemischen Therapie. Die Arzneistoffe verteilen sich über das Blut im Körper. So können sie auch Krebszellen erreichen, die sich außerhalb des ursprünglichen Tumors befinden. Je nach Medikament bekommen Sie die Wirkstoffe als Infusion, Spritze oder Tablette [1] [2]

Bei Leberkrebs gibt es verschiedene Arten von Medikamenten [1] [2].

  • Immuntherapien unterstützen das Immunsystem dabei, Krebszellen besser zu erkennen und anzugreifen.
  • Zielgerichtete Medikamente greifen bestimmte Vorgänge in Krebszellen an, die für deren Wachstum wichtig sind.
  • Chemotherapien spielen vor allem bei Krebs der Gallengänge eine wichtige Rolle.
  • Häufig werden mehrere Wirkstoffe miteinander kombiniert.

Welche Behandlung für Sie am besten geeignet ist, besprechen Fachärztinnen und Fachärzte möglichst gemeinsam in einer sogenannten Tumorkonferenz. Dort beraten verschiedene Spezialistinnen und Spezialisten über die Behandlung. Es geht zum Beispiel um folgende Fragen: Wie weit hat sich der Krebs ausgebreitet? Wie gut arbeitet Ihre Leber? Haben Sie weitere Erkrankungen? Welche Behandlungen haben Sie bereits bekommen? Auch Ihre persönlichen Wünsche und Ziele sind wichtig. Sie sollen deshalb in die Entscheidung über die Behandlung einbezogen werden [1] [2] [3]

Leberzellkrebs (HCC): Welche Medikamente kommen infrage?

Beim fortgeschrittenen Leberzellkrebs haben vor allem Immuntherapien die Behandlungsmöglichkeiten erweitert. Sie können infrage kommen, wenn eine Operation, eine Lebertransplantation oder eine örtliche Behandlung nicht möglich ist oder nicht ausreichend wirkt [1] [2] [3]

Wenn Ihre Leber noch gut arbeitet, können zu Beginn der medikamentösen Behandlung zum Beispiel folgende Wirkstoffkombinationen eingesetzt werden [1] [3]:

  • Atezolizumab plus Bevacizumab
  • Durvalumab plus Tremelimumab
  • Nivolumab plus Ipilimumab

Welche Kombination für Sie am besten geeignet ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen dabei unter anderem Ihre Leberfunktion, mögliche Autoimmun- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Medikamente, die Sie einnehmen [1] [3].

Wie funktioniert eine Immuntherapie?

Viele Immuntherapien beim HCC gehören zu den sogenannten Checkpoint-Hemmern. Der Hintergrund: Unser Immunsystem besitzt natürliche Kontrollmechanismen. Sie verhindern normalerweise, dass die Abwehr zu stark reagiert. Krebszellen können diese „Bremsen“ jedoch nutzen, um sich vor dem Immunsystem zu verstecken. Checkpoint-Hemmer lösen bestimmte dieser „Bremsen“. Dadurch kann das Immunsystem Krebszellen wieder besser erkennen und angreifen [1] [3].

Wie gut eine Immuntherapie wirkt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bei manchen Menschen spricht der Krebs gut darauf an. Bei anderen wirkt die Behandlung weniger gut oder gar nicht. Da eine Immuntherapie das Immunsystem aktiviert, kann sich die Abwehr auch gegen gesundes Gewebe richten. Solche Nebenwirkungen können zum Beispiel Haut, Darm, Lunge, Schilddrüse oder Leber betreffen. Manche dieser Reaktionen können schwer verlaufen. Informieren Sie deshalb Ihr Behandlungsteam möglichst früh über neue Beschwerden – auch wenn diese zunächst harmlos erscheinen [1].

Zielgerichtete Medikamente beim HCC

Zielgerichtete Medikamente greifen bestimmte Vorgänge an, die der Tumor zum Wachsen braucht. Sie können zum Beispiel die Bildung neuer Blutgefäße hemmen, die den Tumor mit Blut versorgen. Zu diesen Medikamenten gehören unter anderem sogenannte Tyrosinkinase-Hemmer [1].

Je nachdem, welche Behandlung Sie bereits bekommen haben und wie gut Ihre Leber arbeitet, können beispielsweise folgende Medikamente infrage kommen [1] [3]:

  • Sorafenib
  • Lenvatinib
  • Regorafenib
  • Cabozantinib

Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch Ramucirumab eingesetzt werden. Welche Behandlung möglich ist, hängt stark davon ab, welche Medikamente Sie zuvor erhalten haben. Nicht jeder Wirkstoff kann nach jeder anderen Therapie eingesetzt werden [1] [3].

Zielgerichtete Medikamente können Nebenwirkungen haben. Dazu gehören zum Beispiel Bluthochdruck, Durchfall, Müdigkeit, Gewichtsverlust oder Hautprobleme an Händen und Füßen. Viele Beschwerden lassen sich lindern. Dabei können unterstützende Medikamente, eine angepasste Dosis oder eine Behandlungspause helfen. Setzen Sie Ihre Krebsmedikamente jedoch nicht selbstständig ab. Sprechen Sie vorher immer mit Ihrem Behandlungsteam [1] [3]

Krebs der Gallengänge: Die Chemotherapie bleibt wichtig

Ein Cholangiokarzinom ist ein Krebs der Gallengänge. Entsteht der Tumor in den Gallengängen innerhalb der Leber, sprechen Fachleute von einem intrahepatischen Cholangiokarzinom, kurz iCCA. Kann der Tumor nicht operiert werden oder hat er sich bereits ausgebreitet, ist eine Behandlung mit Medikamenten besonders wichtig. Anders als beim Leberzellkrebs spielt die Chemotherapie bei Krebs der Gallengänge weiterhin eine zentrale Rolle [2] [3]

Bei einem fortgeschrittenen Cholangiokarzinom werden zu Beginn der Behandlung häufig die Chemotherapeutika Gemcitabin und Cisplatin mit der Immuntherapie Durvalumab kombiniert. Auch Pembrolizumab kann zusammen mit Gemcitabin und Cisplatin eingesetzt werden [1] [2] [3]

Nach einer vollständigen Operation eines biliären Karzinoms kann für sechs Monate eine Chemotherapie mit Capecitabin angeboten werden. Diese Behandlung soll das Risiko verringern, dass der Krebs zurückkehrt. Fachleute sprechen von einer adjuvanten Behandlung [2]

Warum wird der Tumor genauer untersucht?

Bei einem Cholangiokarzinom sollte das Tumorgewebe möglichst früh molekular untersucht werden. Dabei fahnden Ärztinnen und Ärzte nach bestimmten Veränderungen im Erbgut der Krebszellen. Einige dieser Veränderungen können eine Art Angriffspunkt für Medikamente darstellen [2] [3]

Wird eine passende Veränderung gefunden, können spezielle zielgerichtete Medikamente oder Immuntherapien infrage kommen. Welche Behandlung für Sie möglich ist, hängt von der gefundenen Veränderung, der Krebsart und Ihren bisherigen Behandlungen ab. Nicht bei allen Patientinnen und Patienten findet die Untersuchung eine Veränderung, für die es bereits ein passendes Medikament gibt. Trotzdem kann die Untersuchung helfen, mögliche Behandlungen nicht zu übersehen  [2]

Wichtig zu wissen: Eine Veränderung in den Tumorzellen bedeutet nicht automatisch, dass sie vererbt wurde oder auch bei anderen Familienmitgliedern vorkommt  [2].  

Welche Behandlung passt zu Ihnen?

Welche Medikamente für Sie infrage kommen, hängt nicht nur von der Art des Krebses ab. Besonders beim Leberzellkrebs ist entscheidend, wie gut Ihre Leber noch arbeitet [1] [2] [3]

Viele Menschen mit HCC haben gleichzeitig eine Leberzirrhose. Dabei ist gesundes Lebergewebe dauerhaft geschädigt und durch Narbengewebe ersetzt. Dadurch kann die Leber ihre Aufgaben immer schlechter erfüllen. Ist die Leberfunktion stark eingeschränkt, kann eine medikamentöse Behandlung den Körper unter Umständen stärker belasten, als sie hilft [1] [3].

Für die Wahl der Behandlung sind deshalb mehrere Fragen zu beantworten [1] [2] [3]:

  • Welche Art von Krebs haben Sie?
  • Wie weit hat sich der Krebs ausgebreitet?
  • Sind eine Operation oder örtliche Behandlungen möglich?
  • Wie gut arbeitet Ihre Leber?
  • Welche Behandlungen haben Sie bereits erhalten?
  • Haben Sie weitere Erkrankungen oder besondere gesundheitliche Risiken?
  • Was ist Ihnen persönlich bei der Behandlung wichtig? [1], [2], [3].

Wenn eine Behandlung nicht mehr wirkt oder Sie zu stark belastet, prüft Ihr Behandlungsteam andere Möglichkeiten. Dazu können andere Medikamente, unterstützende Maßnahmen oder eine klinische Studie gehören. Welche Behandlung als Nächstes sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, wie Ihre Erkrankung bisher verlaufen ist, welche Nebenwirkungen aufgetreten sind und wie Ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist [1] [2] [3].

Während der Behandlung: Regelmäßige Kontrollen sind wichtig

Während Ihrer Behandlung kontrolliert das Behandlungsteam regelmäßig, wie Sie die Medikamente vertragen und wie sich der Krebs entwickelt. Wichtig sindGespräche, Blutuntersuchungen und bildgebende Untersuchungen wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT), zweier bildgebender Verfahren, die schmerzfreie Einblicke in Ihren Körper ermöglichen. Beim Leberzellkrebs wird außerdem besonders darauf geachtet, wie gut Ihre Leber arbeitet [1] [2] [3].

CT- oder MRT-Aufnahmen können zeigen, ob und wie sich die Tumorherde verändern. Aber nicht nur die Bilder sind wichtig. Ebenso entscheidend ist, wie Sie sich fühlen und wie gut Sie Ihren Alltag bewältigen können [1] [2] [3]

Achten Sie auch zwischen den Kontrollterminen darauf, ob sich etwas verändert. Dazu können zum Beispiel gehören [1] [2] [3]:

  • neue oder stärkere Schmerzen
  • ungewöhnlich starke Erschöpfung
  • weniger Appetit
  • Gewichtsveränderungen
  • Durchfall oder andere Veränderungen des Stuhlgangs
  • Hautprobleme
  • Fieber

Kommen für Sie klinische Studien infrage?

In klinischen Studien untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Medikamente, Kombinationen von Medikamenten oder neue Behandlungsabläufe. Eine Teilnahme kann zum Beispiel infrage kommen, wenn bisherige Behandlungen nicht ausreichend wirken oder nicht gut vertragen werden. Manche Studien stehen auch schon in früheren Phasen der Behandlung offen [1] [2] [3].

Ob Sie an einer Studie teilnehmen möchten, entscheiden Sie selbst. Vorher sollten Sie verständlich darüber informiert werden, was in der Studie untersucht wird, wie sie abläuft und welche möglichen Vorteile und Risiken bestehen. Auch über andere Behandlungsmöglichkeiten sollten Sie informiert werden [1] [2] [3].

Ihr Behandlungsteam oder ein zertifiziertes Krebszentrum kann Ihnen sagen, ob eine passende Studie für Sie verfügbar ist und welche nächsten Schritte zu unternehmen sind [1] [2] [3].

Zusammenfassung Die Behandlung von Leberkrebs richtet sich nach Krebsart, Leberfunktion und persönlicher Gesundheit. Bei fortgeschrittenem Leberzellkrebs kommen vor allem Immuntherapien und zielgerichtete Medikamente zum Einsatz, bei Gallengangskrebs häufig eine Kombination aus Chemo- und Immuntherapie. Tumoruntersuchungen können weitere gezielte Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen.

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