Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hat bei Ihnen ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) diagnostiziert. Wie geht es jetzt weiter? Welche Behandlung speziell für Sie geeignet ist, hängt vom Gesamtbild ab. Ihr Behandlungsteam berücksichtigt dabei unter anderem Größe, Lage und Anzahl der Tumorherde. Auch eine mögliche Ausbreitung außerhalb der Leber, die Funktion Ihrer Leber und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand fließen in die Entscheidung ein [1] [2].
Operation: Den Tumor entfernen
Bei einer Leberteilresektion entfernen Chirurginnen und Chirurgen den Tumor zusammen mit einem Teil der Leber. Ihr Ziel ist, den Krebs vollständig herauszuoperieren. Sind die Voraussetzungen günstig, kann eine solche Operation eine Behandlung mit Aussicht auf Heilung sein [1] [2].
Wichtig ist, dass nach dem Eingriff genügend funktionsfähiges Lebergewebe erhalten bleibt. Bei einer vorgeschädigten oder zirrhotischen Leber kann eine größere Operation belastender sein und das Risiko für ein Leberversagen erhöhen [1] [3].
Bei einer Leberzirrhose prüfen Ärztinnen und Ärzte außerdem, ob der Druck in den Blutgefäßen der Leber erhöht ist. Hinweise darauf können zum Beispiel Bauchwasser, erweiterte Venen in der Speiseröhre oder eine vergrößerte Milz sein. Auch das beeinflusst die Entscheidung, ob eine Operation sicher möglich ist [1].
Je nach Lage und Größe des Tumors kann die Operation offen über einen Bauchschnitt oder minimalinvasiv über kleine Zugänge erfolgen. Zu den möglichen Komplikationen gehören unter anderem Blutungen, Infektionen und eine Verschlechterung der Leberfunktion [1] [3].
Ablation: Kleine Tumoren gezielt zerstören
Bei einer Ablation wird der Tumor nicht herausoperiert, sondern direkt in der Leber zerstört. Ärztinnen und Ärzte führen eine dünne Sonde durch die Haut bis zum Tumor. Dies kontrollieren sie etwa per Ultraschall. Häufig kommen Radiofrequenz- oder Mikrowellenablation zum Einsatz. Beide Verfahren erzeugen Hitze, die Krebszellen zerstört [1] [3].
Eine Ablation eignet sich besonders für kleine HCC-Herde, häufig bis zu einer Größe von etwa drei Zentimetern. Bei geeigneten Tumoren können Ablation und Operation vergleichbare Behandlungsmöglichkeiten sein. Eine Ablation ist insbesondere sinnvoll, wenn eine Operation zu belastend wäre oder der Tumor ungünstig liegt [1] [3].
TACE: Den Tumor über seine Blutversorgung behandeln
Bei der transarteriellen Chemoembolisation, kurz TACE, wird der Tumor über die Blutgefäße behandelt, die ihn versorgen. Ärztinnen und Ärzte führen einen dünnen Katheter bis zu den entsprechenden Leberarterien. Dort werden Medikamente abgegeben und gleichzeitig kleine Gefäße verschlossen. Auf diese Weise soll der Tumor möglichst gezielt geschädigt werden [1] [2].
Eine TACE kommt besonders bei Tumoren infrage, die nicht operiert werden können und noch auf die Leber begrenzt sind. Sie kann auch Teil eines kombinierten Behandlungskonzepts sein [1] [2].
Ob die Behandlung wiederholt wird, hängt davon ab, wie gut der Tumor anspricht und wie sich Ihre Leberfunktion entwickelt. Spätestens nach zwei Behandlungen sollte das Behandlungsteam erneut prüfen, ob eine weitere TACE sinnvoll ist [1] [2].
Nach einer TACE können vorübergehend Fieber, Schmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Diese Beschwerden werden als Postembolisationssyndrom bezeichnet. Sie lassen sich meist gut behandeln [1] [3].
TARE und Bestrahlung: Weitere gezielte Möglichkeiten
Bei der transarteriellen Radioembolisation, kurz TARE, werden winzige radioaktive Partikel über einen Katheter in die Blutgefäße des Tumors eingebracht. Dort geben sie Strahlung ab und sollen das Tumorgewebe gezielt schädigen [1] [2].
TACE und TARE können auch eingesetzt werden, um einen Tumor während der Wartezeit auf eine Lebertransplantation unter Kontrolle zu halten. Beim sogenannten Downstaging soll der Tumor so weit zurückgedrängt werden, dass anschließend erneut eine Behandlung mit Heilungsziel – insbesondere eine Lebertransplantation – geprüft werden kann [1] [2].
In bestimmten Situationen kommt auch eine hochpräzise Bestrahlung infrage. Sie wird so geplant, dass der Tumor möglichst genau getroffen und das gesunde Lebergewebe weitgehend geschont wird [1] [2].
Lebertransplantation: Tumor und kranke Leber ersetzen
Für ausgewählte Patientinnen und Patienten ist auch eine Lebertransplantation eine Behandlung mit Aussicht auf Heilung. Dabei wird die erkrankte Leber entfernt und durch eine Spenderleber ersetzt [1] [3].
Ob eine Transplantation infrage kommt, prüfen Expert:innen in einem spezialisierten Zentrum. Als wichtige Orientierung gelten die sogenannten Mailand-Kriterien: ein einzelner Tumor bis fünf Zentimeter oder bis zu drei Tumoren mit jeweils höchstens drei Zentimetern Durchmesser [1] [3].
Eine Transplantation kann auch bei operierbaren Tumoren sinnvoll sein, wenn die zugrunde liegende Lebererkrankung gegen eine Teilentfernung spricht. Hat sich der Krebs dagegen außerhalb der Leber ausgebreitet oder ist er in größere Lebergefäße eingewachsen, kommt eine Transplantation in der Regel nicht infrage [1] [3].
Während der Wartezeit können zum Beispiel Ablation, TACE oder TARE eingesetzt werden, um den Tumor möglichst unter Kontrolle zu halten. Welche Behandlung dafür am besten geeignet ist, sollte gemeinsam mit dem Transplantationszentrum entschieden werden [1] [3].
Nach der Transplantation müssen Sie dauerhaft Medikamente einnehmen, die verhindern, dass Ihr Körper die neue Leber abstößt. Diese Behandlung erhöht unter anderem das Infektionsrisiko. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen im Transplantationszentrum wichtig [1] [3].
Nach der Behandlung: Regelmäßige Kontrollen geben Sicherheit
Nach Operation, Ablation, TACE oder TARE prüft Ihr Behandlungsteam regelmäßig, wie gut die Therapie gewirkt hat und wie sich Ihre Leber erholt. Dafür kommen verscheidene bildgebende Verfahren zum Einsatz [1].
Nach einer Ablation oder Operation erfolgt die erste bildgebende Kontrolle meist innerhalb von vier bis zwölf Wochen. Nach einer TACE wird nach jedem Behandlungszyklus kontrolliert. Bei einer TARE richtet sich der Zeitpunkt nach dem jeweiligen Behandlungskonzept [1].
Im ersten Jahr finden Kontrollen häufig etwa alle drei Monate statt, im zweiten Jahr meist alle drei bis sechs Monate. Besteht weiterhin ein erhöhtes Risiko für ein HCC, sind auch danach regelmäßige Untersuchungen wichtig [1].
Nach einem Eingriff sollten Sie sich bei starken oder zunehmenden Beschwerden, Fieber, Atemnot, Gelbsucht oder einer deutlichen Verschlechterung Ihres Allgemeinzustands rasch an Ihr Behandlungsteam wenden. Welche Warnzeichen nach Ihrer Behandlung besonders wichtig sind, erklärt Ihnen das Team vor der Entlassung [1].
Gut vorbereitet ins Behandlungsgespräch
Es kann helfen, wichtige Fragen schon vor Ihrem Termin aufzuschreiben. Fragen Sie zum Beispiel nach dem Ziel der Behandlung, möglichen Alternativen und Nebenwirkungen. Wichtig ist auch zu wissen, wann der Behandlungserfolg kontrolliert wird und an wen Sie sich bei Beschwerden wenden können [1].
Wenn für Sie eine Operation oder Transplantation infrage kommen könnte, können Sie außerdem fragen, ob Ihr Fall in einem erfahrenen Zentrum mit Anbindung an ein Lebertransplantationszentrum besprochen wurde [1].