Ein hepatozelluläres Karzinom, kurz HCC, entsteht direkt aus Zellen der Leber. Deshalb wird es auch Leberzellkarzinom oder primärer Leberzellkrebs genannt. Davon zu unterscheiden sind Lebermetastasen: Sie entstehen, wenn sich Krebs aus einem anderen Organ – etwa Darm, Brust oder Lunge – in der Leber ausbreitet. Die Behandlung unterscheidet sich deutlich [1] [3].
Im Überblick: Was das Risiko für Leberkrebs erhöht
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für ein HCC gehören [1] [3]:
- eine Leberzirrhose (siehe unten),
- chronische Infektionen mit Viren (Hepatitis B oder C),
- langjähriger hoher Alkoholkonsum,
- eine Fettlebererkrankung durch Stoffwechselstörungen, zum Beispiel bei Übergewicht oder Typ-2-Diabetes,
- starkes Übergewicht und Typ-2-Diabetes,
- bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Hämochromatose oder Morbus Wilson,
- seltene chronische Lebererkrankungen, etwa einige Autoimmunerkrankungen,
- Rauchen, insbesondere zusammen mit weiteren Risikofaktoren.
Nicht jede Person mit einer chronischen Lebererkrankung entwickelt Leberkrebs. Sie können aber dazu beitragen, Ihre Leber möglichst gut zu schützen: Lassen Sie Ihre Grunderkrankung konsequent behandeln und verzichten Sie bei einer chronischen Lebererkrankung möglichst auf Alkohol. Auch eine Impfung gegen Hepatitis B und die Behandlung einer chronischen Virushepatitis können weitere Leberschäden verhindern oder verringern [1] [3].
HCC betrifft häufig eine bereits erkrankte Leber
In Deutschland erkranken jährlich rund 6.000 Menschen an einem HCC. Etwa drei Viertel der Betroffenen sind Männer. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter [1].
Für die Behandlung zählt nicht nur, wie groß der Tumor ist oder wie weit er sich ausgebreitet hat. Bei vielen Patientinnen und Patienten ist die Leber bereits durch eine andere Erkrankung geschädigt. Deshalb beurteilen Ärztinnen und Ärzte immer beides: das Stadium des Tumors und die Funktion der Leber [1], [2].
Von Leberschäden bis zum Tumor
Bei etwa neun von zehn Betroffenen war die Leber bereits über längere Zeit geschädigt. Wiederkehrende Entzündungen können dazu führen, dass sich vermehrt Bindegewebe bildet. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer Fibrose. Schreitet sie fort, kann eine Leberzirrhose entstehen. Die Leber vernarbt und kann ihre Aufgaben zunehmend schlechter erfüllen [1] [3].
Während die Leber versucht, geschädigte Zellen zu ersetzen, können sich über Jahre Veränderungen im Erbgut der Zellen ansammeln. Daraus können Krebszellen entstehen. Ein HCC tritt aber auch ohne Leberzirrhose auf, zum Beispiel bei einer chronischen Hepatitis-B-Infektion [1] [2].
Regelmäßige Kontrollen können HCC früh entdecken
Für Menschen ohne bekannte Risikofaktoren gibt es keine allgemeine Früherkennungsuntersuchung auf Leberkrebs. Anders ist es bei erhöhtem Risiko. Regelmäßige Kontrollen werden insbesondere bei Leberzirrhose empfohlen. Sie können außerdem bei fortgeschrittener Lebervernarbung, bestimmten chronischen Virushepatitiden oder seltenen erblichen Lebererkrankungen sinnvoll sein [1] [2].
Bei einer Leberzirrhose empfehlen Fachleute in der Regel alle sechs Monate eine Ultraschalluntersuchung der Leber sowie die Bestimmung des Blutwerts AFP, des sogenannten Alpha-Fetoproteins. AFP kann bei einem HCC erhöht sein, reicht allein aber nicht aus, um Leberkrebs sicher festzustellen oder auszuschließen. Welche Kontrollen für Sie sinnvoll sind, besprechen Sie am besten mit Ihren Ärztinnen und Ärzten [1].
Anfangs bleibt Leberkrebs oft unbemerkt
Ein HCC verursacht in frühen Stadien häufig keine eindeutigen Beschwerden. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko können regelmäßige Kontrollen deshalb helfen, einen Tumor zu entdecken, bevor er Beschwerden verursacht [1].
Später können zum Beispiel Müdigkeit, Schwäche, weniger Appetit oder ungewollter Gewichtsverlust auftreten. Auch Druck oder Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit und ein frühes Völlegefühl sind möglich. Gelbe Haut oder Augen sowie ein zunehmender Bauchumfang durch Flüssigkeit im Bauchraum können auf eine eingeschränkte Leberfunktion hinweisen. Diese Beschwerden können viele andere Ursachen haben. Treten sie neu auf oder werden sie deutlich stärker, lassen Sie sie bitte ärztlich abklären [1] [3].
So wird die Diagnose gestellt
Am Anfang stehen meist ein ausführliches Gespräch, eine körperliche Untersuchung, Bluttests und ein Ultraschall der Leber. Blutuntersuchungen zeigen unter anderem, wie gut die Leber arbeitet und ob Hinweise auf Entzündungen oder Probleme mit der Blutgerinnung bestehen [1] [2].
Entdecken Ärztinnen und Ärzte einen auffälligen Bereich in der Leber, folgen meist genauere Untersuchungen mit Kontrastmittel. Dafür kommen eine Magnetresonanztomografie (MRT), eine Computertomografie (CT) oder in bestimmten Fällen ein spezieller Ultraschall mit Kontrastmittel infrage. Ein HCC zeigt dabei häufig ein typisches Muster der Durchblutung [1] [2].
Für die Behandlungsplanung prüfen Ärztinnen und Ärzte außerdem, ob der Tumor auf die Leber begrenzt ist, Blutgefäße betrifft oder sich bereits Absiedlungen außerhalb der Leber gebildet haben. Diese Bestimmung der Tumorausbreitung wird als Staging bezeichnet [1].
Eine Gewebeprobe ist nicht immer nötig
Bei Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose kann ein für HCC typischer Befund in einer hochwertigen Untersuchung mit Kontrastmittel für die Diagnose ausreichen. Eine Gewebeprobe ist dann nicht immer notwendig [1] [2].
Ist der Befund nicht eindeutig oder besteht keine typische Risikosituation, kann eine Biopsie sinnvoll sein. Dabei entnehmen Ärztinnen und Ärzte eine kleine Gewebeprobe, die anschließend im Labor untersucht wird [1] [3].
Die passende Behandlung wird gemeinsam geplant
Die Behandlung eines HCC sollte ein spezialisiertes Team aus verschiedenen Fachrichtungen planen. Die aktuelle Onkopedia-Leitlinie empfiehlt bei Verdacht auf ein HCC außerdem die Vorstellung in einem Zentrum mit Erfahrung in der Lebertransplantation. So lassen sich frühzeitig alle Behandlungsmöglichkeiten prüfen [1]
In einer Tumorkonferenz besprechen Fachärztinnen und Fachärzte gemeinsam, welche Therapie am besten geeignet ist. Dabei zählen nicht nur Tumorstadium und Leberfunktion. Auch Ihre körperliche Verfassung, Ihre Wünsche, Ihre Lebenssituation und Ihre persönlichen Behandlungsziele sollen in die Entscheidung einfließen [2], [3].
Je nach Situation kann die Behandlung darauf abzielen, den Krebs zu heilen. Bei fortgeschrittener Erkrankung geht es häufig darum, das Tumorwachstum möglichst lange zu bremsen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten.
Wenn eine Heilung möglich ist
Bei einem früh entdeckten HCC kommen verschiedene Behandlungen mit dem Ziel einer Heilung infrage [1], [2], [3]:
- Bei einer Operation entfernen Chirurginnen und Chirurgen den Tumor zusammen mit einem Teil der Leber. Voraussetzung ist, dass danach ausreichend gesundes und funktionsfähiges Lebergewebe erhalten bleibt.
- Eine Lebertransplantation ersetzt die erkrankte Leber vollständig und kann damit sowohl den Tumor als auch eine bestehende Leberzirrhose behandeln. Sie kommt jedoch nur für ausgewählte Patientinnen und Patienten infrage. Da Spenderorgane knapp sind, können längere Wartezeiten entstehen.
- Bei einer Ablation wird Tumorgewebe direkt zerstört. Häufig geschieht dies durch Hitze, etwa bei einer Radiofrequenz- oder Mikrowellenablation. Vor allem bei kleinen Tumoren kann dieses Verfahren eine Alternative zu einer Operation sein
Weitere Möglichkeiten, den Tumor zu bremsen
Ist eine Operation, Transplantation oder Ablation nicht möglich, stehen weitere örtliche Verfahren zur Verfügung. Bei einer TACE führen Ärztinnen und Ärzte über einen dünnen Katheter Medikamente und kleine Teilchen direkt in die Blutgefäße des Tumors. Dadurch wird seine Blutversorgung eingeschränkt und das Tumorwachstum gebremst [1] [3].
Je nach Situation können auch radioaktive Teilchen über die Blutgefäße in die Leber eingebracht werden. Dieses Verfahren heißt TARE oder SIRT. Auch eine sehr gezielte Strahlentherapie kann infrage kommen. Welche Methode geeignet ist, hängt unter anderem von Größe, Zahl und Lage der Tumoren, einer Beteiligung von Blutgefäßen und der Leberfunktion ab [1] [3].
Medikamente wirken im ganzen Körper
Bei fortgeschrittenem HCC können Medikamente eingesetzt werden, die im gesamten Körper wirken. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer systemischen Therapie. Sie soll das Tumorwachstum bremsen, Beschwerden lindern und möglichst viel Lebenszeit bei guter Lebensqualität erhalten [1].
Welche Therapie für Sie geeignet ist, hängt unter anderem von Ihrer Leberfunktion, Ihrer körperlichen Verfassung und möglichen Begleiterkrankungen ab. Bei Bevacizumab achten Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel besonders auf ein mögliches Blutungsrisiko, etwa durch erweiterte Venen in Speiseröhre oder Magen [1].
Wenn eine Krebstherapie voraussichtlich mehr belasten als helfen würde, steht die bestmögliche Behandlung von Beschwerden im Mittelpunkt. Auch das ist eine aktive medizinische Versorgung – mit dem Ziel, Lebensqualität und Selbstbestimmung möglichst lange zu erhalten [1].
Auch nach der Behandlung gut begleitet
Nach einer Behandlung sind regelmäßige Kontrollen wichtig, weil ein HCC erneut auftreten kann. Welche Untersuchungen notwendig sind und wie oft sie stattfinden, hängt von Ihrer Behandlung und Ihrer persönlichen Situation ab. Dazu können Ultraschall, CT oder MRT, Blutuntersuchungen und ärztliche Gespräche gehören [1] [3].
Bestehen weiterhin eine Leberzirrhose oder andere Risikofaktoren für ein HCC, sind auch nach der eigentlichen Tumornachsorge regelmäßige Früherkennungskontrollen wichtig. Nach einer Lebertransplantation gelten eigene Nachsorgepläne [1] [3].
Auch im Alltag müssen Sie mit den Belastungen der Erkrankung nicht allein bleiben. Sprechen Sie Schmerzen, Erschöpfung, Appetitprobleme, Ängste, finanzielle Sorgen oder Unterstützungsbedarf zu Hause offen an. Psychoonkologische Beratung, Sozialdienst, Ernährungsberatung, Rehabilitation und bei Bedarf palliative Angebote können Sie und Ihre Angehörigen unterstützen [1] [3].