Manchmal wird eine Veränderung der Leber zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. In anderen Fällen suchen Ärztinnen und Ärzte gezielt danach – etwa bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für Leberkrebs oder aufgrund bestimmter Beschwerden [1] [3].
Ein Knoten oder eine andere auffällige Veränderung in der Leber bedeutet zunächst nur, dass bei der Untersuchung etwas Ungewöhnliches festgestellt wurde. Viele solcher Veränderungen sind gutartig oder haben andere Ursachen als Krebs. So geht Ihr Behandlungsteam bei der Abklärung vor [1] [3].
Wichtige Informationen im Arztgespräch
Zu Beginn fragt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach bekannten Vorerkrankungen, Medikamenten, Beschwerden und möglichen Risikofaktoren. Dazu gehören beispielsweise eine Leberzirrhose, eine chronische Hepatitis B oder C, eine Fettlebererkrankung, Diabetes und hoher Alkoholkonsum. Außerdem erfolgt eine körperliche Untersuchung [2] [3].
Blutwerte liefern weitere Hinweise
Blutuntersuchungen geben vor allem Aufschluss darüber, wie gut Ihre Leber arbeitet. Das ist wichtig, denn bei Leberkrebs spielen nicht nur Größe und Lage eines Tumors eine Rolle [1] [3]:
- AST (GOT) und ALT (GPT),
- Gamma-GT und alkalische Phosphatase,
- Bilirubin,
- Albumin,
- Blutgerinnung,
- ein großes Blutbild.
Sind einzelne Leberwerte erhöht, bedeutet das nicht automatisch Krebs. Auch Entzündungen, eine Fettleber, Erkrankungen der Gallenwege, bestimmte Medikamente oder eine Leberzirrhose können die Werte verändern [1] [3].
AFP: Ein Hinweis, aber kein Krebsnachweis
Bei der Abklärung eines möglichen hepatozellulären Karzinoms, der häufigsten Form von Leberkrebs, kann zusätzlich das Eiweiß Alpha-Fetoprotein (AFP) im Blut bestimmt werden. Ein erhöhter Wert liefert weitere Hinweise auf dei Erkrankung. Bei einem bereits bekannten HCC kann AFP außerdem helfen, den Krankheitsverlauf zu beobachten [2] [3].
Für sich allein kann der Wert Leberkrebs jedoch weder nachweisen noch ausschließen. Auch ein normaler AFP-Wert gibt keine vollständige Entwarnung. Gerade ein frühes HCC geht teilweise mit normalen AFP-Werten einher. Umgekehrt kann AFP bei chronischen Lebererkrankungen erhöht sein, obwohl kein Krebs vorliegt. Ärztinnen und Ärzte beurteilen den Wert deshalb immer zusammen mit den Ergebnissen anderer Untersuchungen [2] [3].
Ultraschall: Der Blick auf die Leber
Ultraschall ist häufig die erste bildgebende Untersuchung. Sie ist schmerzfrei, kommt ohne Röntgenstrahlung aus und kann Knoten oder andere auffällige Bereiche in der Leber sichtbar machen [1] [2] [3].
Bei Menschen, für die aufgrund ihres persönlichen Risikos eine Früherkennung empfohlen wird, erfolgt in der Regel alle sechs Monate eine Ultraschalluntersuchung. Dazu gehören insbesondere Menschen mit einer Leberzirrhose im Stadium Child-Pugh A oder B sowie Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose, die für eine Lebertransplantation gelistet sind. Die Stadien Child-Pugh A und B bedeuten, dass eine geschädigte Leber ihre Aufgaben noch relativ gut (A) oder bereits eingeschränkt (B) erfüllen kann. Welche Früherkennung für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihrer Lebererkrankung und Ihrem persönlichen Risiko ab [1] [2] [3].
Ein auffälliger Ultraschallbefund ist noch keine Krebsdiagnose. Vor allem sehr kleine Veränderungen lassen sich manchmal zunächst nicht eindeutig einordnen. Bei unklaren Herden unter einem Zentimeter empfehlen Expertinnen udn Experten Kontrollen in Abständen von etwa drei Monaten mit einer geeigneten kontrastmittelverstärkten Bildgebung [1].
Dazu gehört der kontrastmittelverstärkte Ultraschall (CEUS). Sie erhalten über eine Vene ein Kontrastmittel. Kontrastmittel sind Substanzen, die bestimmte Organe, Blutgefäße oder Veränderungen im Gewebe auf den Bildern besser sichtbar machen.So können Ärztinnen und Ärzte genauer beurteilen, wie die auffällige Stelle durchblutet wird. Das kann beispielsweise hilfreich sein, wenn ein Befund noch unklar ist oder eine MRT nicht möglich ist [1] [2] [3].
MRT, CT und Kontrastmittel: Den Befund genauer einordnen
Reicht der Ultraschall für eine sichere Einschätzung nicht aus, kommen weitere bildgebende Verfahren zum Einsatz. Bei einem möglichen HCC in einer Leber mit Zirrhose spielt vor allem die MRT mit Kontrastmittel eine wichtige Rolle. MRT (Magnetresonanztomografie) und CT (Computertomografie) sind Untersuchungen, mit denen detaillierte Bilder aus dem Inneren des Körpers erstellt werden. Sie helfen dabei, Veränderungen in Organen wie der Leber genauer zu erkennen und zu beurteilen [1] [2].
Bei einer CT entstehen die Bilder mithilfe von Röntgenstrahlen. Nach der Gabe eines Kontrastmittels wird die Leber zu verschiedenen Zeitpunkten aufgenommen. Das ist wichtig, weil ein HCC ein typisches Durchblutungsmuster zeigen kann [1].
Die MRT kommt ohne Röntgenstrahlung aus und arbeitet mit Magnetfeldern und Radiowellen. Auch hier können Kontrastmittel helfen, Veränderungen genauer zu beurteilen. Welche Untersuchung für Sie am besten geeignet ist, hängt unter anderem vom Befund, Ihrer Nierenfunktion und möglichen Implantaten ab [1] [2] [3].
Bei Menschen mit Leberzirrhose kann ein HCC unter bestimmten Voraussetzungen bereits anhand der Bildgebung diagnostiziert werden. Dann ist nicht immer eine Gewebeprobe erforderlich. Besteht dagegen der Verdacht auf ein HCC in einer Leber ohne Zirrhose, soll die Diagnose nach der deutschen S3-Leitlinie durch eine Gewebeprobe gesichert werden [1] [2].
Gewebeprobe: Wann sie Klarheit schaffen kann
Bei einer Biopsie entnehmen Ärztinnen und Ärzte eine kleine Gewebeprobe aus der auffälligen Stelle. Fachärztinnen und Fachärzte für Pathologie untersuchen das entnommene Gewebe anschließend unter dem Mikroskop. So lässt sich feststellen, um welche Art von Veränderung es sich handelt [1] [2] [3].
Eine Biopsie kann nötig sein, wenn die Bildgebung keine eindeutige Antwort liefert, wenn ein HCC in einer Leber ohne Zirrhose vermutet wird oder wenn für die Behandlung geklärt werden muss, um welche Tumorart es sich genau handelt [1] [2] [3].
Die Gewebeprobe wird meist durch die Haut entnommen. Ultraschall oder CT helfen dabei, die Nadel gezielt zur verdächtigen Stelle zu führen. Vorher prüft das Behandlungsteam unter anderem Ihr Blutbild und Ihre Blutgerinnung. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt deshalb über blutverdünnende Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und frühere Blutungskomplikationen [1] [3].
Die Einstichstelle wird örtlich betäubt. Anschließend entnehmen Ärztinnen und Ärzte mit einer dünnen Hohlnadel eine Gewebeprobe. Danach bleiben Sie noch eine Zeit lang unter Beobachtung. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen, worauf Sie anschließend achten sollten und wann Sie wieder nach Hause können [3].
Nach der Diagnose: Hat sich der Krebs ausgebreitet?
Erhärtet sich der Krebsverdacht oder steht die Diagnose fest, untersuchen Ärztinnen und Ärzte, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat. Dabei geht es zum Beispiel darum, ob der Tumor auf die Leber begrenzt ist, Blutgefäße betrifft oder sich in andere Organe ausgebreitet hat. Diese Informationen sind wichtig, um für Sie die passende Behandlung zu planen [1] [2] [3].
Beim HCC wird deshalb neben dem Bauchraum in der Regel auch der Brustkorb untersucht. Welche Verfahen bei Ihnen notwendig sind, entscheidet das Behandlungsteam anhand Ihrer Befunde und der geplanten Behandlung [1] [2].
Gut vorbereitet ins Arztgespräch
Auf Untersuchungsergebnisse zu warten, ist belastend. Wenn Ihnen etwas unklar ist, dürfen und sollten Sie nachfragen. Folgende Aspekte können für das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt hilfreich sein [1] [3]:
- Was genau wurde im Ultraschall, CT oder MRT gesehen?
- Lässt sich der Befund bereits eindeutig einordnen?
- Spricht er eher für Leberzellkrebs, Gallengangskrebs, Metastasen oder eine gutartige Veränderung?
- Brauche ich weitere Untersuchungen?
- Warum empfehlen Sie mir eine Gewebeprobe – oder warum nicht?
- Wie gut arbeitet meine Leber?
- Wann liegen die Ergebnisse vor?
- Wird mein Fall in einer gemeinsamen Tumorkonferenz verschiedener Fachrichtungen besprochen?
Zögern Sie nicht, mit Ihrer Ärztin oder mit Ihrem Arzt zu sprechen!