Magenkrebs hat meist nicht nur eine Ursache. Häufig wirken über viele Jahre verschiedene Faktoren zusammen. Dazu gehören anhaltende Entzündungen der Magenschleimhaut, bestimmte Infektionen, Rauchen und Ernährungsgewohnheiten. Nur selten steckt eine erbliche Veranlagung dahinter. Bei vielen Formen von Magenkrebs verändern sich Zellen der Magenschleimhaut über längere Zeit. Daraus können schließlich Krebszellen entstehen [1][3].
Auch wenn bei Ihnen mehrere Risikofaktoren zusammenkommen, bedeutet das nicht, dass Sie deshalb an Magenkrebs erkranken. Umgekehrt kann Magenkrebs auch entstehen, ohne dass Ärzt:innen bekannte Risiken finden [1][3].
Helicobacter pylori: ein wichtiger Risikofaktor
Helicobacter pylori gilt als wichtigster bekannter Risikofaktor für Magenkrebs. Das Bakterium kann sich dauerhaft in der Magenschleimhaut ansiedeln und zu einer chronische Entzündung der Magenschleimhaut führen. Viele Menschen bemerken die Infektion nicht. Bei anderen führt sie beispielsweise zu einer Magenschleimhautentzündung oder einem Magengeschwür [1][3].
Eine Infektion bedeutet jedoch nicht, dass Sie an Magenkrebs erkranken werden. Die meisten Menschen mit Helicobacter pylori entwickelt keinen Magenkrebs. Eine erfolgreiche Behandlung der Infektion kann das Erkrankungsrisiko senken. Dabei wird das Bakterium mit einer Kombination verschiedener Medikamente beseitigt [1][3].
Ob ein Test oder eine Behandlung für Sie sinnvoll ist, können Sie mit Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder einer gastroenterologischen Praxis besprechen. Das kann besonders wichtig sein, wenn bei Ihnen eine chronische Entzündung oder bestimmte Veränderungen der Magenschleimhaut festgestellt wurden oder wenn Eltern, Geschwister oder Kinder an Magenkrebs erkrankt sind [1][3].
Wenn sich die Magenschleimhaut verändert
Bestimmte Veränderungen der Magenschleimhaut können das Risiko für Magenkrebs erhöhen. Bei einer atrophischen Gastritis ist die Schleimhaut über längere Zeit entzündet und bildet sich teilweise zurück. Häufig hängt das mit Helicobacter pylori zusammen. Seltener richtet sich das Immunsystem gegen körpereigenes Magengewebe [1][3].
Eine weitere Veränderung ist die intestinale Metaplasie. Dabei ähneln Zellen der Magenschleimhaut unter dem Mikroskop zunehmend Darmzellen. Wichtig: Eine intestinale Metaplasie ist kein Krebs. Sie kann aber bei der Entstehung bestimmter Formen von Magenkrebs eine Rolle spielen [1][3].
Wenn bei Ihnen eine solche Veränderung festgestellt wurde, beurteilen Ärzt unter anderem, wie ausgeprägt sie ist, ob eine Helicobacter-pylori-Infektion vorliegt und ob es Magenkrebs in Ihrer Familie gibt. Danach richtet sich, ob regelmäßige Magenspiegelungen sinnvoll sind [1][3].
Was Sie selbst unternehmen können
Nicht alle Risikofaktoren lassen sich verändern. So steigt beispielsweise mit zunehmendem Alter das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Andere Faktoren können Sie dagegen zumindest teilweise beeinflussen. Dazu gehören vor allem Rauchen, hoher Alkoholkonsum sowie der häufige Verzehr stark gesalzener Lebensmittel und von verarbeitetem Fleisch. Auch wenig Obst kann mit einem höheren Risiko verbunden sein [1][3].
Um vermeidbare Risiken zu senken, können Sie auf Rauchen verzichten oder sich beim Rauchstopp ärztlich unterstützen lassen, möglichst wenig Alkohol trinken und stark gesalzene Lebensmittel sowie verarbeitetes Fleisch eher selten essen. Ausreichend Obst gehört ebenfalls zu einer ausgewogenen Ernährung. Eine nachgewiesene Helicobacter-pylori-Infektion sollten Sie ärztlich behandeln lassen. Gibt es Magenkrebs in Ihrer Familie, kann es sinnvoll sein, frühzeitig medizinischen Rat einzuholen [1][3].
Auch Stress gilt nicht als direkt nachgewiesene Ursache für Magenkrebs. Er kann sich jedoch indirekt auf die Gesundheit auswirken, etwa wenn dadurch mehr geraucht oder Alkohol getrunken wird [1][3].
Früherkennung: Für wen Untersuchungen sinnvoll sein können
In Deutschland gibt es für die allgemeine Bevölkerung kein gesetzliches Früherkennungsprogramm für Magenkrebs. Menschen ohne Beschwerden oder besondere Risiken erhalten deshalb nicht routinemäßig eine Magenspiegelung zur Früherkennung [1][3].
Bei einem erhöhten Risiko kann eine gezielte Überwachung sinnvoll sein. Das betrifft zum Beispiel Menschen mit bestimmten Veränderungen der Magenschleimhaut oder einer auffälligen Familiengeschichte. Ärzt:innen können dann prüfen, ob ein Test auf Helicobacter pylori, regelmäßige Magenspiegelungen oder eine Untersuchung in einem spezialisierten Zentrum sinnvoll sind [1][3].
Magenkrebs ist nur selten erblich
Die meisten Magenkrebserkrankungen werden nicht vererbt. Nur etwa 1 bis 3 von 100 Erkrankungen lassen sich auf eine klar erkennbare erbliche Veranlagung zurückführen [2][3].
Dabei wird nicht der Krebs selbst vererbt, sondern eine Veränderung im Erbgut, die das Erkrankungsrisiko erhöhen kann. Wer eine solche Genveränderung trägt, erkrankt deshalb nicht zwangsläufig. Bei vielen erblichen Krebssyndromen kann die Veränderung mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an ein Kind weitergegeben werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an Krebs erkrankt [2][3].
Wenn Magenkrebs häufiger in der Familie vorkommt
Sind mehrere Angehörige an Magenkrebs erkrankt, kann das eigene Risiko erhöht sein. Besonders relevant sind Erkrankungen bei Eltern, Geschwistern oder Kindern. Mehrere Fälle in einer Familie bedeuten jedoch nicht automatisch, dass eine erbliche Genveränderung vorliegt [1][2].
Familien teilen neben ihren Genen häufig auch Lebensgewohnheiten und Umweltfaktoren. Dazu können ähnliche Ernährungsgewohnheiten, Rauchen oder eine Helicobacter-pylori-Infektion gehören. Deshalb kann Magenkrebs in einer Familie häufiger auftreten, ohne dass sich eine bestimmte erbliche Veränderung nachweisen lässt [1][2].
Eine seltene erbliche Form von Magenkrebs
Das hereditäre diffuse Magenkarzinom ist eine seltene erbliche Form von Magenkrebs. Dabei können sehr kleine Krebsherde verteilt in der Magenwand wachsen. Das kann dazu führen, dass sie bei einer Magenspiegelung schwer zu erkennen sind [1][3].
Wird eine solche Genveränderung nachgewiesen, sollte die weitere Betreuung in einem erfahrenen Zentrum geplant werden. Je nach persönlicher Situation können regelmäßige Untersuchungen oder in bestimmten Fällen eine vorbeugende Entfernung des Magens infrage kommen. Eine solche Entscheidung sollte ausführlich mit spezialisierten Ärzt besprochen werden. Auch eine genetische und psychosoziale Beratung kann dabei unterstützen [2][3].
Wann eine genetische Beratung wichtig ist
Eine genetische Beratung kann Ihnen helfen, Erkrankungen in Ihrer Familie einzuordnen und zu klären, ob ein Gentest sinnvoll sein könnte. Die Beratung ist freiwillig und verpflichtet Sie nicht dazu, anschließend einen Gentest durchführen zu lassen [2].
Besonders sinnvoll kann eine Beratung sein, wenn mehrere nahe Angehörige an Magenkrebs erkrankt sind, ein diffuser Magenkrebs bereits in vergleichsweise jungem Alter aufgetreten ist oder in einer Familie sowohl diffuser Magenkrebs als auch lobulärer Brustkrebs vorkommen. Auch mehrere unterschiedliche Krebserkrankungen in vergleichsweise jungem Alter können Anlass für eine genauere Abklärung sein. Ob ein Gentest empfohlen wird, beurteilen Fachleute anhand festgelegter Kriterien und Ihrer Familiengeschichte [1][3].
In der Beratung wird häufig ein Familienstammbaum erstellt. Wenn möglich, untersuchen Fachleute zunächst ein Familienmitglied, das bereits an Krebs erkrankt ist. So lässt sich häufig besser beurteilen, ob eine gefundene Genveränderung tatsächlich mit den Krebserkrankungen in der Familie zusammenhängt [1][3].
Ob Sie einen Gentest durchführen lassen und ob Sie das Ergebnis erfahren möchten, entscheiden Sie selbst. Wird eine bereits bekannte familiäre Genveränderung bei Ihnen nicht gefunden, kann das entlasten. Ein unklarer Befund bedeutet dagegen nicht automatisch, dass eine erbliche Krebsveranlagung besteht [2].