Der Begriff „Magenkrebs“ wird häufig für alle bösartigen Tumoren im Magen verwendet. Medizinisch gibt es jedoch wichtige Unterschiede. Manche Tumoren entstehen direkt im Magen, andere sind Absiedlungen einer Krebserkrankung aus einem anderen Organ [1].
Weitere Tumorarten im Magen
Zu den seltenen Tumorarten im Magen gehören [1]:
- Gastrointestinale Stromatumoren (GIST): Diese Tumoren entstehen aus bestimmten Zellen im Gewebe der Magen-Darm-Wand. Sie kommen besonders häufig im Magen vor. Bestimmte Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen können für die Behandlung wichtig sein [2].
- MALT-Lymphome und andere Lymphome: Diese Tumoren gehen von Zellen des körpereigenen Abwehrsystems aus. MALT-Lymphome entstehen häufig im Magen und können mit einer Infektion durch das Bakterium Helicobacter pylori zusammenhängen. Bei bestimmten MALT-Lymphomen kann eine Behandlung mit Antibiotika dazu führen, dass sich der Tumor zurückbildet [3].
- Neuroendokrine Tumoren (NET) und neuroendokrine Karzinome (NEC): Sie entstehen aus spezialisierten Zellen, die unter anderem Hormone bilden können. Manche dieser Tumoren wachsen langsam, andere deutlich schneller. Wie sie behandelt werden, hängt von ihrer genauen Art und ihrem Verhalten ab [4].
- Seltene Weichteilsarkome: Diese Tumoren können beispielsweise aus Muskel-, Nerven- oder Bindegewebe entstehen. Sie unterscheiden sich in ihren Eigenschaften und Behandlungsmöglichkeiten von anderen Magentumoren [1].
- Metastasen: Dabei handelt es sich um Absiedlungen einer Krebserkrankung, die ursprünglich in einem anderen Organ entstanden ist. Die Behandlung richtet sich deshalb meist nach der ursprünglichen Krebsart [1].
Die genaue Diagnose macht den Unterschied
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, um welche Tumorart es sich handelt. Denn seltene Magentumoren können sich sehr unterschiedlich entwickeln und auf verschiedene Therapien ansprechen [1].
Bei einem GIST können beispielsweise Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen darüber entscheiden, ob bestimmte Medikamente wirken [2]. Bei einem MALT-Lymphom kann dagegen eine bakterielle Infektion eine wichtige Rolle spielen [3]. Und bei neuroendokrinen Tumoren kommt es unter anderem darauf an, wie schnell die Tumorzellen wachsen [4].
Je genauer die Diagnose ist, desto gezielter lässt sich die Behandlung planen. Dabei kann auch ein sogenanntes Tumorboard helfen: Hier beraten Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen gemeinsam über die passende Therapie [1].
Was die Gewebeprobe verrät
Um herauszufinden, um welche Tumorart es sich handelt, untersucht eine Fachärztin oder ein Facharzt für Pathologie eine Gewebeprobe. Diese wird meist bei einer Magenspiegelung oder während einer Operation entnommen [2].
Unter dem Mikroskop lässt sich erkennen, aus welchen Zellen der Tumor besteht und wie sie aussehen. Manchmal sind zusätzliche Untersuchungen nötig. Mit speziellen Färbungen können beispielsweise bestimmte Eiweiße in den Tumorzellen sichtbar gemacht werden. Das hilft, verschiedene Tumorarten voneinander zu unterscheiden [2].
In manchen Fällen wird auch das Erbgut der Tumorzellen untersucht. Solche Tests können Hinweise darauf geben, wie sich der Tumor voraussichtlich verhält und welche Medikamente infrage kommen [2].
Auch die Lage und Ausbreitung des Tumors sind wichtig. Dafür können weitere Untersuchungen nötig sein, etwa bildgebende Verfahren oder eine besondere Ultraschalluntersuchung von innen, die sogenannte Endosonografie [1] [2].
Wenn der Befund noch unklar ist
Nicht immer lässt sich eine Tumorart sofort eindeutig bestimmen. Das kann verunsichern, bedeutet aber nicht automatisch, dass etwas übersehen wurde oder keine Behandlung möglich ist. Manchmal enthält die erste Gewebeprobe zu wenig Material. In anderen Fällen sind die Zellen schwer einzuordnen oder es werden zusätzliche Untersuchungen benötigt. Liegt ein Tumor beispielsweise tiefer in der Magenwand, reicht eine gewöhnliche Gewebeprobe aus der Schleimhaut möglicherweise nicht aus. Dann kann eine gezielte Entnahme mithilfe einer Endosonografie sinnvoll sein [2].
Diese Fragen können Ihnen im Arztgespräch helfen [2].
- Welche Tumorart wurde bei mir festgestellt?
- Ist die Diagnose bereits sicher?
- Sind weitere Untersuchungen notwendig?
- Wäre eine zweite Beurteilung der Gewebeprobe sinnvoll?
- Wird mein Befund von Fachleuten verschiedener Disziplinen gemeinsam besprochen?
- Wie dringend sind die nächsten Schritte?
Scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstehen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen erklären, welche Untersuchungen in Ihrer Situation sinnvoll sind.
Eine zweite Beurteilung kann Sicherheit geben
Seltene Tumoren sind manchmal schwer zu erkennen und einzuordnen. Deshalb kann es hilfreich sein, die Gewebeprobe von einer besonders erfahrenen Fachärztin oder einem besonders erfahrenen Facharzt für Pathologie erneut untersuchen zu lassen. Das nennt man Referenzpathologie [2].
Eine solche Zweitbeurteilung kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn die Diagnose unklar ist oder großen Einfluss auf die Behandlung hat. Sie bedeutet nicht, dass die erste Untersuchung falsch war. Vielmehr kann zusätzliche Erfahrung helfen, den Befund abzusichern [2].
Oft lässt sich dafür bereits entnommenes Gewebe an ein spezialisiertes Institut schicken. Eine erneute Magenspiegelung ist also nicht generell notwendig. Ob und wann weitere Untersuchungen erfolgen sollten, besprechen Sie am besten mit Ihrem Behandlungsteam [2].
Welche Behandlungen infrage kommen
Für seltene Magentumoren gibt es keine einheitliche Behandlung. Entscheidend sind unter anderem die Tumorart, die Größe, die Lage und die mögliche Ausbreitung. Auch Ihr allgemeiner Gesundheitszustand und Ihre persönlichen Wünsche spielen eine wichtige Rolle [2]:
Je nach Erkrankung kommen unterschiedliche Möglichkeiten infrage [2]:
- Operation oder Entfernung bei einer Magenspiegelung: Manche Tumoren lassen sich auf diese Weise vollständig entfernen.
- Zielgerichtete Medikamente: Sie können bei bestimmten Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen eingesetzt werden, beispielsweise bei einigen GIST.
- Antibiotika: Bei bestimmten MALT-Lymphomen kann die Behandlung einer Infektion mit Helicobacter pylori zur Rückbildung des Tumors führen.
- Weitere medikamentöse Therapien: Je nach Tumorart können etwa Chemotherapie, Antikörpertherapie oder in bestimmten Situationen Immuntherapie sinnvoll sein [3, 4].
- Bestrahlung: Sie kommt bei einzelnen Tumorarten oder zur Linderung von Beschwerden infrage.
- Regelmäßige Kontrollen: Bei manchen kleinen, langsam wachsenden Tumoren kann es sinnvoll sein, zunächst auf eine Behandlung zu verzichten und die Entwicklung engmaschig zu beobachten.
Nicht jede dieser Möglichkeiten eignet sich für jede Tumorart. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, welche Behandlung den größten Nutzen verspricht und welche Nebenwirkungen auftreten können [2].
Wichtig ist auch die Unterstützung im Alltag: Bei Schmerzen, Gewichtsverlust, Ernährungsproblemen oder seelischer Belastung können zusätzliche Angebote helfen. Sprechen Sie Ihr Behandlungsteam darauf an [2].
Gut betreut in spezialisierten Zentren
Bei seltenen Magentumoren kann die Erfahrung spezialisierter Fachleute besonders wertvoll sein. In Krebszentren arbeiten Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen eng zusammen. Dazu gehören beispielsweise die Gastroenterologie, Onkologie, Chirurgie, Pathologie und Radiologie. Auch Ernährungsberatung und psychoonkologische Unterstützung können Teil der Betreuung sein [5][6].
Je nach Tumorart kann ein Zentrum sinnvoll sein, das besonders viel Erfahrung mit Sarkomen, Lymphomen oder neuroendokrinen Tumoren hat [5][6].
Manchmal gibt es außerdem die Möglichkeit, an einer klinischen Studie teilzunehmen. Dabei werden neue Behandlungsverfahren untersucht. Eine Teilnahme ist freiwillig und nicht automatisch die beste Wahl. Lassen Sie sich mögliche Vorteile, Risiken und Alternativen ausführlich erklären [5][6].
Ein spezialisiertes Krebszentrum finden Sie über die OncoMap der Deutschen Krebsgesellschaft. Dort können Sie nach Krebsart, Ort und Umkreis suchen. Auch Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt kann Sie bei der Suche unterstützen oder eine Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum organisieren [5][6].