Symptome wie anhaltende Schmerzen im Oberbauch, ein ungewöhnlich schnelles Völlegefühl, ungewollter Gewichtsverlust oder wiederholtes Erbrechen können viele Ursachen haben. Halten solche Beschwerden an, sollten Sie sie abklären lassen. So geht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt dabei vor [1][2]:
Der erste Schritt: Beschwerden abklären
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch. Dabei geht es um Ihre Beschwerden, um Vorerkrankungen und um Medikamente, aber auch um Krebserkrankungen in Ihrer Familie. Hinzu kommt eine körperliche Untersuchung. Bei anhaltenden oder auffälligen Beschwerden kann eine Überweisung in eine fachärztliche Praxis oder Klinik folgen [1].
Die wichtigste Untersuchung bei Verdacht auf Magenkrebs ist die Magenspiegelung, auch Gastroskopie genannt. Dabei können Ärzt:innen die Schleimhaut von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm direkt betrachten und aus verdächtigen Stellen Gewebeproben entnehmen [1][2].
Magenspiegelung: Das kommt auf Sie zu
Für diese Untersuchung muss Ihr Magen leer sein. Wie lange vorher Sie nichts essen oder trinken dürfen, erfahren Sie von Ihrer Praxis oder Klinik. Bei der Magenspiegelung liegen Sie meist auf der linken Seite. Ein dünner, biegsamer Schlauch mit einer kleinen Kamera wird vorsichtig über den Mund und die Speiseröhre bis in den Magen geführt. So kann die Ärztin oder der Arzt die Schleimhaut genau untersuchen [1].
Die Untersuchung ist in der Regel nicht schmerzhaft, kann aber unangenehm sein. Ein Spray für den Rachen kann den Würgereiz verringern. Sie können auch ein Beruhigungs- oder Schlafmittel erhalten. Wenn Sie ein solches Medikament bekommen, dürfen Sie danach nicht selbst Auto fahren. Klären Sie am besten vorher, ob Sie für den Heimweg eine Begleitperson benötigen [1].
Gewebeproben bringen Klarheit
Fallen bei der Magenspiegelung verdächtige Bereiche auf, entnehmen Ärzt:innen daraus kleine Gewebeproben, sogenannte Biopsien. Davon spüren Sie normalerweise nichts. Die Proben werden anschließend in ein Labor geschickt, vorbereitet und unter dem Mikroskop begutachtet. Erst diese Untersuchung kann zuverlässig zeigen, ob Krebszellen vorhanden sind [1][2].
Meist werden mehrere Proben entnommen. Wie viele nötig sind, hängt unter anderem von der Größe und Art der auffälligen Stelle ab. Genügend Tumorgewebe ist außerdem wichtig, um bestimmte Merkmale des Tumors untersuchen zu können, die später für die Wahl der Behandlung eine Rolle spielen [2].
Ist eine Gewebeprobe unauffällig, obwohl die Schleimhaut verdächtig aussieht, kann eine erneute Probenentnahme sinnvoll sein. Ein zunächst unauffälliges Ergebnis bedeutet in dieser Situation nicht immer, dass die Untersuchungen abgeschlossen sind [1].
Die meisten bösartigen Tumoren des Magens sind sogenannte Adenokarzinome. Sie entstehen aus Zellen des Drüsengewebes der Magenschleimhaut. Es gibt auch seltenere Tumorarten, für die andere Behandlungen infrage kommen können [1][3].
Nach der Diagnose: Wie weit hat sich der Tumor ausgebreitet?
Hat Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Magenkrebs nachgewiesen, folgen weitere Untersuchungen. Vereinfacht gesagt geht es um die Frage: Wie groß und ausgedehnt ist der Tumor, sind Lymphknoten betroffen und hat sich die Erkrankung bereits in andere Bereiche des Körpers ausgebreitet? [1][2].
Diese Informationen sind wichtig, um die Behandlung zu planen. Je nach Befund kommen zum Beispiel eine Operation, Medikamente oder eine Kombination verschiedener Verfahren infrage [1][2].
Für diese Abklärung können verschiedene Untersuchungen eingesetzt werden [1][2][3]:
- Ultraschall von innen (Endosonografie): Dabei sitzt ein kleiner Ultraschallkopf an einem Endoskop. So lässt sich genauer beurteilen, wie tief der Tumor in die Magenwand gewachsen ist. Auch nahe gelegene Lymphknoten können untersucht werden. Ob ein auffälliger Lymphknoten tatsächlich Krebszellen enthält, lässt sich damit allein jedoch nicht immer sicher feststellen.
- Computertomografie (CT): Mithilfe von Schnittbildern von Brustkorb, Bauch und Becken können Ärzt nach auffälligen Lymphknoten und möglichen Tochtergeschwülsten, sogenannten Metastasen, suchen.
- Bauchspiegelung (Laparoskopie): Vor allem bei weiter in die Magenwand eingewachsenen, aber möglicherweise noch operierbaren Tumoren kann eine Bauchspiegelung sinnvoll sein. Dabei können kleine Absiedlungen am Bauchfell entdeckt werden, die auf CT-Bildern möglicherweise nicht zu sehen sind. Zusätzlich kann Flüssigkeit aus der Bauchhöhle beziehungsweise Spülflüssigkeit auf Krebszellen untersucht werden.
Die Ergebnisse sollten anschließend in einer Tumorkonferenz besprochen werden. Dort beraten Ärzt:innen verschiedener Fachrichtungen gemeinsam, welche Behandlung in Ihrer persönlichen Situation geeignet ist [2][3].
TNM: Drei Buchstaben beschreiben die Ausbreitung
In Arztbriefen und in Befunden begegnet Ihnen möglicherweise die Abkürzung TNM. Dahinter steckt ein international verwendetes System, mit dem die Ausbreitung einer Krebserkrankung beschrieben wird [1][2]:
- T – Tumor: Wie tief ist der Tumor in die Magenwand oder angrenzende Strukturen gewachsen?
- N – Lymphknoten (nodes): Sind nahe gelegene Lymphknoten betroffen und wenn ja, wie viele?
- M – Metastasen: Gibt es Tochtergeschwülste in anderen Körperregionen, zum Beispiel in der Leber, Lunge oder am Bauchfell?
Daraus ergibt sich zusammen mit weiteren Kriterien das Tumorstadium [1][2]:
- Stadium 0: sehr frühe Form, auf die oberste Schleimhautschicht begrenzt.
- Stadium I: früher Magenkrebs mit begrenzter Ausbreitung.
- Stadium II: der Tumor ist weiter fortgeschritten und/oder Lymphknoten sind betroffen.
- Stadium III: lokal weit fortgeschrittener Tumor, häufig mit stärkerem Lymphknotenbefall.
- Stadium IV: es liegen Fernmetastasen vor, der Krebs hat sich also in weiter entfernte Bereiche des Körpers ausgebreitet.
Manchmal lässt sich das genaue Stadium erst nach einer Operation endgültig bestimmen, wenn das entfernte Gewebe ausführlich untersucht wurde [1].
Was der Blick unter das Mikroskop verrät
Neben der Ausbreitung untersuchen Ärzt:innen auch die Eigenschaften der Krebszellen. Dazu gehört das sogenannte Grading. Es beschreibt, wie stark sich die Tumorzellen von gesundem Gewebe unterscheiden [1][3].
Das Grading allein sagt jedoch nicht voraus, wie die Erkrankung bei Ihnen verlaufen wird. Für die Behandlungsplanung betrachten Ärzt:innen immer das Gesamtbild – darunter Tumorstadium, Art des Tumors, weitere Tumormerkmale und Ihren allgemeinen Gesundheitszustand [1][3].
Bei Adenokarzinomen, dem häufigsten Magenkrebs, kann außerdem das Wachstumsmuster beschrieben werden, zum Beispiel als intestinaler oder diffuser Typ. Beim diffusen Typ wachsen die Krebszellen eher verstreut in der Magenwand. Auch sogenannte Siegelringzellen können im Befund erwähnt werden. Solche Angaben helfen dabei, den Tumor genauer zu beschreiben [1][3].
Biomarker: Merkmale des Tumors können die Therapie beeinflussen
Tumorzellen können bestimmte biologische Merkmale aufweisen, sogenannte Biomarker. Das sind zum Beispiel bestimmte Eiweiße auf der Oberfläche der Krebszellen oder Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen sein. Sie werden meist direkt im Tumorgewebe untersucht. Biomarker können Ärzt:innen dabei helfen, den Tumor genauer zu beschreiben und Unterschiede zwischen Krebszellen und normalen Zellen zu erkennen [1][3].
Einige Biomarker geben Hinweise darauf, ob bestimmte Medikamente gezielt gegen Eigenschaften des Tumors wirken können. Sie können deshalb bei der Auswahl der Behandlung eine wichtige Rolle spielen. Tumormarker im Blut sind davon zu unterscheiden: Sie sind nicht zuverlässig genug, um Magenkrebs erstmals festzustellen [1][3].
Welche Biomarker untersucht werden und welche Behandlung daraus folgt, hängt nicht von einem einzelnen Wert ab. Entscheidend sind unter anderem das Stadium der Erkrankung, die Eigenschaften des Tumors, mögliche Begleiterkrankungen und Ihre persönlichen Behandlungsziele [2][3].
Gut vorbereitet ins Arztgespräch
Befunde und medizinische Begriffe können gerade nach einer Krebsdiagnose schwer zu überblicken sein. Sie müssen nicht alles sofort verstehen oder sich jedes Detail merken. Schreiben Sie wichtige Fragen vorher auf und nehmen Sie, wenn Sie möchten, eine vertraute Person zum Gespräch mit. Diese Fragen können Ihnen als Orientierung dienen [1]:
- Welches Tumorstadium wurde bei mir festgestellt?
- Sind Lymphknoten oder andere Organe betroffen?
- Welche Biomarker wurden bei meinem Tumor untersucht?
- Was bedeuten die Ergebnisse für meine Behandlung?
- Welches Ziel hat die vorgeschlagene Behandlung?
- Wurde mein Fall in einer Tumorkonferenz besprochen?
- Kann ich eine Kopie meiner Befunde bekommen?