Welche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheiden Ärzt:innen individuell. Wichtig sind unter anderem die Lage und Ausbreitung des Tumors, ein möglicher Befall von Lymphknoten oder anderen Organen sowie bestimmte Eigenschaften der Krebszellen. Auch Begleiterkrankungen, Ihre Ernährungssituation und Ihre persönlichen Wünsche werden berücksichtigt [1][2].
Wichtige Informationen zur Therapieplanung
Um die Erkrankung genauer einzuschätzen, sind meist eine Magenspiegelung mit Entnahme einer Gewebeprobe und bildgebende Untersuchungen wie eine Computertomografie (CT) notwendig. Bei einem örtlich fortgeschrittenen Tumor kann zusätzlich eine Bauchspiegelung sinnvoll sein. Sie hilft dabei einzuschätzen, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat und ob eine Operation mit dem Ziel der Heilung möglich ist [1][3].
Die Therapie sollte von Fachleuten verschiedener medizinischer Bereiche gemeinsam geplant werden. In einem sogenannten Tumorboard besprechen beispielsweise Ärztinnen und Ärzte aus Chirurgie, Onkologie, Gastroenterologie, Radiologie und Pathologie die Behandlungsmöglichkeiten. Fragen Sie nach, welches Ziel Ihre Behandlung hat und welche Alternativen es gibt [3].
Heilen oder Beschwerden lindern
Kann der Tumor vollständig entfernt werden und hat er noch nicht in andere Organe gestreut, ist das Ziel meist die Heilung. Häufig werden dafür eine Operation und eine medikamentöse Behandlung miteinander kombiniert [1][3].
Hat der Krebs bereits gestreut oder kann er nicht operiert werden, lässt sich die Erkrankung meist nicht dauerhaft heilen. Die Behandlung soll dann das Tumorwachstum möglichst lange bremsen, Beschwerden lindern und die Lebensqualität erhalten. Auch Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit, Blutungen, Gewichtsverlust oder Schwierigkeiten beim Essen können gezielt behandelt werden [1] [2].
Wenn eine Operation möglich ist
Sehr frühe Tumoren lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen bereits während einer Magenspiegelung entfernen. Das kommt vor allem infrage, wenn der Tumor nur oberflächlich wächst und das Risiko für befallene Lymphknoten sehr gering ist. Nach dem Eingriff wird das entfernte Gewebe genau untersucht. So lässt sich feststellen, ob die Behandlung ausgereicht hat [1][2].
Bei örtlich begrenztem Magenkrebs ist meist eine Operation notwendig. Je nach Lage und Größe des Tumors entfernt die Chirurgin oder der Chirurg einen Teil des Magens oder den gesamten Magen. Dabei werden in der Regel auch umliegende Lymphknoten entfernt [2] [3].
Nach der Operation muss sich der Körper an die veränderte Verdauung gewöhnen. Eine Ernährungsberatung kann dabei helfen, ausreichend Nährstoffe aufzunehmen und einem Gewichtsverlust vorzubeugen. Wurde der gesamte Magen entfernt, ist in der Regel dauerhaft zusätzliches Vitamin B12 notwendig. Die Versorgung wird regelmäßig ärztlich kontrolliert [2].
Medikamente vor und nach der Operation
Bei örtlich fortgeschrittenem, aber operablem Magenkrebs werden häufig Medikamente mit einer Operation kombiniert. Die Behandlung vor und nach der Operation wird als perioperative Therapie bezeichnet. Vor dem Eingriff soll sie den Tumor verkleinern und bereits mögliche, noch nicht sichtbare Krebszellen bekämpfen. Nach der Operation soll sie das Risiko senken, dass die Erkrankung zurückkehrt [1][3].
Häufig kommt dafür eine Kombination verschiedener Chemotherapie-Medikamente zum Einsatz. Bei bestimmten Patientinnen und Patienten kann zusätzlich eine Immuntherapie infrage kommen. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von der individuellen Situation ab [2] [3].
Eine Chemotherapie kann unter anderem Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall, eine erhöhte Infektanfälligkeit oder Nervenschäden verursachen. Viele Nebenwirkungen lassen sich heute vorbeugen oder lindern. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt deshalb frühzeitig über Beschwerden [2] [3].
Biomarker helfen bei der Auswahl der Therapie
Vor allem bei fortgeschrittenem Magenkrebs wird das Tumorgewebe genauer untersucht. Dabei suchen Ärztinnen und Ärzte nach bestimmten Merkmalen der Krebszellen, den sogenannten Biomarkern. Sie können dabei helfen, die Behandlung gezielter auszuwählen. Wichtige Biomarker bei Magenkrebs sind HER2, PD-L1, MSI beziehungsweise dMMR und Claudin 18.2 [1][3].
Ist der Tumor zum Beispiel HER2-positiv, können Medikamente eingesetzt werden, die gezielt an diesem Merkmal ansetzen. PD-L1 sowie MSI-H oder dMMR können Hinweise darauf geben, ob eine Immuntherapie infrage kommt. Dabei wird das körpereigene Abwehrsystem dabei unterstützt, Krebszellen besser zu erkennen und zu bekämpfen [2] [3].
Auch Claudin 18.2 kann für die Wahl der Behandlung wichtig sein. Weisen die Krebszellen dieses Merkmal auf, kann bei bestimmten fortgeschrittenen Tumoren das zielgerichtete Medikament Zolbetuximab zusammen mit einer Chemotherapie eingesetzt werden [3].
Immuntherapien können Nebenwirkungen haben, weil das aktivierte Immunsystem auch gesundes Gewebe angreifen kann. Dadurch können zum Beispiel Entzündungen der Haut, des Darms, der Lunge oder der Leber entstehen. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt deshalb möglichst früh über neue oder ungewöhnliche Beschwerden [2].
Behandlung bei fortgeschrittenem Magenkrebs
Hat der Magenkrebs in andere Organe gestreut, steht meist eine Behandlung mit Medikamenten im Mittelpunkt. Abhängig von den Tumoreigenschaften können Chemotherapie, Immuntherapie und zielgerichtete Medikamente miteinander kombiniert oder nacheinander eingesetzt werden [2] [3].
Eine Operation oder Bestrahlung kann in bestimmten Situationen dennoch helfen, beispielsweise bei Blutungen, starken Schmerzen oder wenn der Tumor die Nahrungsaufnahme behindert. Eine Strahlentherapie gehört beim Magenkrebs zwar nicht zur üblichen Standardbehandlung, kann aber gezielt Beschwerden lindern [2] [3].
Unterstützung während der Behandlung
Zur Krebstherapie gehört mehr als die Behandlung des Tumors. Unterstützende Maßnahmen können beispielsweise bei Schmerzen, Übelkeit, Erschöpfung, Ernährungsproblemen oder psychischer Belastung helfen. Auch Physiotherapie, Bewegung sowie psychoonkologische und soziale Beratung können sinnvoll sein [2] [3].
Palliativmedizin kommt nicht erst am Lebensende zum Einsatz. Sie kann eine Krebstherapie von Anfang an begleiten, wenn Beschwerden bestehen oder besondere Unterstützung benötigt wird. Ziel ist es, Symptome zu lindern und die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen möglichst gut zu erhalten [3].
Auch die Teilnahme an einer klinischen Studie kann infrage kommen. Dort werden neue Behandlungsansätze untersucht. Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über mögliche Vorteile, Risiken und Alternativen informieren. Bei wichtigen Therapieentscheidungen können Sie außerdem eine zweite ärztliche Meinung einholen [1][2].