Muss bei Magenkrebs immer der ganze Magen entfernt werden? Nein, das ist nicht in jedem Fall notwendig. Bei sehr frühen Tumoren kann bereits eine Behandlung im Rahmen einer Magenspiegelung ausreichen. Ist eine Operation erforderlich, lässt sich je nach Lage und Ausbreitung des Tumors manchmal ein Teil des Magens erhalten [1][2].
Welche Behandlung für Sie infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, wie groß der Tumor ist, wie tief er in die Magenwand eingewachsen ist und ob sich Krebszellen bereits ausgebreitet haben. Auch Ihr allgemeiner Gesundheitszustand spielt eine Rolle. Ein Team aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen sollte deshalb gemeinsam mit Ihnen die passende Behandlung planen [1][3].
Sehr früher Magenkrebs: Behandlung ohne Operation
Sehr früher Magenkrebs lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen während einer Magenspiegelung entfernen. Eine größere Bauchoperation ist dann nicht notwendig und der Magen bleibt erhalten [1][3].
Ob diese Behandlung möglich ist, hängt unter anderem davon ab,
- wie groß der Tumor ist und wo er liegt,
- wie tief er in die Magenwand eingewachsen ist,
- welche Eigenschaften die Krebszellen bei der Untersuchung des Gewebes zeigen,
- ob die Oberfläche des Tumors geschädigt oder wund ist,
- wie hoch Ärzt:innen das Risiko für Krebszellen in den Lymphknoten einschätzen [1][3].
Meist kommt die endoskopische Behandlung für Tumoren infrage, die auf die Magenschleimhaut begrenzt sind. Unter genau festgelegten Voraussetzungen können auch Tumoren behandelt werden, die nur sehr wenig in die darunterliegende Gewebeschicht eingewachsen sind [1][3].
Ein häufig eingesetztes Verfahren heißt endoskopische Submukosadissektion, kurz ESD. Dabei entfernt die Ärztin oder der Arzt den Tumor mit speziellen Instrumenten während einer Magenspiegelung. Ziel ist es, ihn möglichst vollständig in einem Stück herauszulösen. So kann das Gewebe anschließend genau untersucht werden [1][3].
Erst diese Untersuchung zeigt zuverlässig, ob die endoskopische Behandlung ausgereicht hat. Finden sich Hinweise darauf, dass der Tumor weiter eingewachsen ist oder ein höheres Risiko für befallene Lymphknoten besteht, kann anschließend doch eine Operation notwendig werden [1][3].
Wenn eine Operation notwendig wird
Lässt sich der Tumor nicht sicher endoskopisch entfernen, ist bei örtlich begrenztem Magenkrebs in der Regel eine Operation notwendig. Das gilt insbesondere, wenn der Krebs tiefer in die Magenwand eingewachsen ist. Mit zunehmender Tiefe steigt auch das Risiko, dass sich Krebszellen in den umliegenden Lymphknoten befinden [1][3].
Vor der Behandlung klärt das Ärzteteam unter anderem: Wie weit hat sich der Tumor ausgebreitet? Sind Lymphknoten betroffen? Gibt es Absiedlungen in anderen Organen? Lässt sich der Krebs vollständig entfernen? Ebenso wichtig sind Ihr allgemeiner Gesundheits- und Ernährungszustand sowie Ihre persönlichen Wünsche [1][2].
Bei örtlich fortgeschrittenem, aber noch operablem Magenkrebs wird die Operation häufig mit einer medikamentösen Behandlung kombiniert. Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt bei bestimmten fortgeschrittenen Tumorstadien eine Chemotherapie vor und nach der Operation. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheidet das Behandlungsteam anhand des Tumorstadiums und Ihrer persönlichen Situation [1][3].
Einen Teil erhalten oder den ganzen Magen entfernen?
Das wichtigste Ziel der Operation ist, den Tumor vollständig zu entfernen. An den Schnitträndern sollen anschließend keine Krebszellen mehr nachweisbar sein. Fachleute sprechen dann von einer R0-Resektion. Wenn das sicher möglich ist, kann ein Teil des Magens erhalten bleiben [1][3].
Wenn ein Teil des Magens erhalten bleibt
Vor allem bei Tumoren im unteren Bereich des Magens ist häufig eine Teilentfernung möglich. Die Ärztin oder der Arzt entfernt den betroffenen Abschnitt und verbindet den verbliebenen Magen so mit dem Darm, dass die Nahrung den Verdauungsweg weiter passieren kann [1][2].
Ein Magenrest kann die Nahrungsaufnahme nach der Operation erleichtern. Trotzdem ist der Magen kleiner als zuvor und die Verdauung verändert sich. Viele Betroffene müssen sich zunächst an kleinere Portionen und an einen anderen Essrhythmus gewöhnen [1][2].
Leben ohne Magen
In bestimmten Fällen muss der gesamte Magen entfernt werden. Das kann beispielsweise notwendig sein, wenn sich der Tumor aufgrund seiner Lage oder Ausdehnung mit einer Teilentfernung nicht sicher vollständig komplett lässt. Die vollständige Entfernung des Magens heißt Gastrektomie [1][3].
Anschließend verbindet die Ärztin oder der Arzt die Speiseröhre mit dem Dünndarm. Der Verdauungsweg bleibt erhalten. Allerdings fehlen die Speicher- und Mischfunktionen des Magens. Der Körper braucht Zeit, um sich darauf einzustellen. Viele Menschen können nach dieser Anpassungsphase wieder selbstständig essen und ihren Alltag weitgehend normal gestalten [2].
Warum bei der Operation auch Lymphknoten entfernt werden
Bei einer Magenkrebsoperation werden in der Regel auch Lymphknoten rund um den Magen und entlang wichtiger Blutgefäße entfernt. Der Grund: Darin können sich bereits Krebszellen befinden, obwohl dies auf CT- oder anderen Aufnahmen nicht zu erkennen ist [1][3].
Die Untersuchung der entnommenen Lymphknoten zeigt, ob und wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat. Das ist wichtig für die weitere Behandlung [1][3].
Bei einer Operation mit dem Ziel der Heilung wird in der Regel eine sogenannte D2-Lymphknotenentfernung vorgenommen. Dabei entfernt die Ärztin oder der Arzt bestimmte Gruppen von Lymphknoten rund um den Magen und entlang der versorgenden Blutgefäße [1][3].
Was Sie vorab über den Eingriff wissen sollten
Eine Magenoperation ist ein größerer Eingriff unter Vollnarkose. Je nach Tumor und nach persönlicher Situation kann offen über einen Bauchschnitt oder mit einer sogenannten Schlüsselloch-Operation über mehrere kleinere Schnitte operiert werden [1][2].
Wie bei jeder größeren Operation sind Komplikationen möglich. Dazu gehören Blutungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen. Auch die neu geschaffenen Verbindungen im Verdauungstrakt können undicht werden. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer Anastomoseninsuffizienz. Nach der Operation können außerdem Verdauungsbeschwerden, Gewichtsverlust und Nährstoffmängel auftreten [2].
Wie hoch Ihr persönliches Risiko ist, hängt unter anderem vom Umfang der Operation, möglichen Vorerkrankungen und Ihrem Ernährungszustand ab [1][3].
Magenkrebs sollte möglichst in einem Zentrum behandelt werden, das viel Erfahrung mit dieser Erkrankung und mit den entsprechenden Operationen hat. Fragen Sie vor dem Eingriff ruhig nach der Erfahrung des Zentrums und nach Angeboten zur Ernährungsberatung, Rehabilitation und psychoonkologischen Unterstützung [1][3].
Essen nach der Operation
Nach der Operation wird die Ernährung schrittweise wieder aufgebaut. Wenn medizinisch nichts dagegenspricht, kann die Nahrungsaufnahme über den Mund oder die Versorgung über den Darm häufig schon innerhalb der ersten 24 Stunden beginnen [1][2].
Ist es zunächst nicht möglich, ausreichend Nahrung auf normalem Weg aufzunehmen, kann vorübergehend eine zusätzliche künstliche Ernährung notwendig sein. Diese erfolgt möglichst über den Verdauungstrakt, beispielsweise mithilfe einer Ernährungssonde. Reicht das nicht aus oder ist es nicht möglich, können Nährstoffe auch direkt über eine Vene zugeführt werden [1][2].
Besonders nach einer vollständigen Magenentfernung müssen viele Betroffene ihre Essgewohnheiten anpassen. Häufig werden mehrere kleine Mahlzeiten besser vertragen als wenige große. Wie viele Mahlzeiten sinnvoll sind, ist individuell verschieden. Eine Ernährungsberatung kann Sie dabei unterstützen, ausreichend Kalorien und Eiweiß aufzunehmen und einem ungewollten Gewichtsverlust vorzubeugen [1][2].
Im Alltag kann es helfen,
- langsam zu essen und gründlich zu kauen,
- mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag zu verteilen,
- Getränke eher zwischen den Mahlzeiten zu trinken, wenn Sie Flüssigkeit zum Essen schlecht vertragen,
- auszuprobieren, welche Lebensmittel Ihnen bekommen,
- Gewicht und Blutwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen [1][2].
Vitamin B12 und andere Nährstoffe im Blick behalten
Nach einer vollständigen Magenentfernung muss Vitamin B12 lebenslang zusätzlich zugeführt werden. Denn ohne Magen fehlt der sogenannte Intrinsic Factor, ein Eiweiß, das der Körper benötigt, um Vitamin B12 aus der Nahrung aufzunehmen. Das Vitamin wird meist als Spritze verabreicht, kann aber auch in ausreichend hoher Dosierung als Tablette eingenommen werden. Welche Form für Sie geeignet ist, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1][2].
Auch wenn nur ein Teil des Magens entfernt wurde, kann es zu einem Vitamin-B12-Mangel kommen. Darüber hinaus können nach einer teilweisen oder vollständigen Magenentfernung weitere Nährstoffmängel entstehen, beispielsweise ein Eisenmangel. Deshalb ist es wichtig, die Nährstoffversorgung regelmäßig ärztlich überprüfen zu lassen. Werden Mängel festgestellt, können diese gezielt behandelt werden [1][2].
Wenn das Essen Beschwerden macht
Da die Nahrung nach der Operation schneller in den Dünndarm gelangen kann, können nach dem Essen Beschwerden auftreten. Dazu gehören zum Beispiel Völlegefühl, Durchfall, Schwindel, Herzklopfen oder Kreislaufprobleme. Diese Beschwerden können auf ein sogenanntes Dumping-Syndrom hinweisen [2].
Beim Frühdumping beginnen die Beschwerden meist kurz nach dem Essen. Beim Spätdumping kann es einige Zeit nach der Mahlzeit zu einer Unterzuckerung kommen. Besonders schnell verwertbare Kohlenhydrate können dabei eine Rolle spielen. Kleinere Mahlzeiten und eine angepasste Auswahl von Speisen und Getränken können die Beschwerden häufig lindern [2].
Auch die Fettverdauung kann nach einer Magenentfernung beeinträchtigt sein. Fettige, auffällig übelriechende Stühle, anhaltender Durchfall oder weiterer Gewichtsverlust sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden. Bei Fettstühlen empfehlen Expert:innen Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse, sogenannte Pankreasenzyme [2].
Wieder zu Kräften kommen
Die Erholung nach einer Magenoperation braucht Zeit. Wie lange, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Neben körperlichen Beschwerden können Gewichtsverlust, Erschöpfung oder Sorgen rund ums Essen auch seelisch belastend sein [2].
Sie müssen damit nicht allein zurechtkommen. Ernährungsberatung, Rehabilitation und psychoonkologische Unterstützung können Ihnen helfen, sich auf die Veränderungen einzustellen und im Alltag wieder Sicherheit zu gewinnen. Nach Abschluss der ersten Krebsbehandlung soll Patientinnen und Patienten, die gesundheitlich dafür geeignet sind, eine Anschlussrehabilitation angeboten werden [1][2].
Nachsorge: Gesundheit und Ernährung langfristig begleiten
Nach einer Behandlung mit dem Ziel der Heilung empfehlen Expert:innen eine strukturierte Nachsorge. Dabei geht es nicht nur darum, ein mögliches Wiederauftreten der Erkrankung zu erkennen. Ebenso wichtig sind Ihr Gewicht, Ihre Ernährung, mögliche Mangelerscheinungen, Beschwerden und Ihre Lebensqualität [1].
In den ersten beiden Jahren soll die Nachsorge mindestens alle sechs Monate stattfinden, danach bis zum fünften Jahr jährlich. Welche Untersuchungen notwendig sind, hängt von Ihrer Erkrankung, der vorausgegangenen Behandlung und möglichen Beschwerden ab [1].