AEG steht für „Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs“. Damit ist eine bestimmte Form von Krebs gemeint, die am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen entsteht. Der Begriff Adenokarzinom bezeichnet einen bösartigen Tumor, der von Zellen mit drüsenartigen Eigenschaften ausgeht [1][2][3].
Für die Behandlung spielt vor allem eine Rolle, wo genau der Tumor liegt und wie weit er sich bereits ausgebreitet hat. Davon hängt unter anderem ab, welche Operation infrage kommt und ob weitere Therapien notwendig sind [1][2][3].
Wo liegt der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen?
Speiseröhre und Magen gehen in einem kleinen Grenzbereich ineinander über. Bei einer Magenspiegelung lässt sich dort meist erkennen, wo die Schleimhaut der Speiseröhre in die Magenschleimhaut übergeht. Diese sichtbare Grenze wird als Z-Linie bezeichnet. Sie entspricht allerdings nicht immer genau der anatomischen Grenze zwischen Speiseröhre und Magen [3].
Verschiedene Faktoren können das Risiko für einen Tumor in diesem Bereich erhöhen. Dazu gehören insbesondere ein chronischer Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (Reflux), starkes Übergewicht und Rauchen. Reflux und Übergewicht spielen vor allem bei Tumoren der unteren Speiseröhre und des Übergangs zum Magen eine Rolle. Für Magenkrebs ist zudem eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori ein wichtiger Risikofaktor. Auch erbliche Faktoren können das Erkrankungsrisiko beeinflussen [1][2][3].
Die genaue Lage macht den Unterschied
Um AEG-Tumoren genau zu beschreiben, nutzen Ärztinnen und Ärzte häufig die sogenannte Siewert-Klassifikation. Sie unterscheidet drei Typen [1][2][3].
- Typ I: Der Mittelpunkt des Tumors liegt etwa 1 bis 5 Zentimeter oberhalb des Übergangs und damit überwiegend in der unteren Speiseröhre.
- Typ II: Der Mittelpunkt liegt etwa 1 Zentimeter oberhalb bis 2 Zentimeter unterhalb des Übergangs. Dieser Tumor sitzt damit unmittelbar im Bereich des Mageneingangs.
- Typ III: Der Mittelpunkt liegt etwa 2 bis 5 Zentimeter unterhalb des Übergangs im oberen Teil des Magens.
Daneben gibt es eine international verwendete Einteilung nach dem sogenannten TNM-System. Das TNM-System beschreibt, wie weit sich eine Krebserkrankung ausgebreitet hat. T steht für die Größe und örtliche Ausdehnung des Tumors, N für den Befall benachbarter Lymphknoten und M dafür, ob sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet haben. Anhand dieser Einteilung lässt sich das Krankheitsstadium bestimmen und die Behandlung planen [1].
Diese Einteilung klingt zunächst sehr technisch. Für Sie ist vor allem wichtig: Nicht der Name der Erkrankung allein bestimmt die Behandlung. Entscheidend sind die genaue Lage und Ausbreitung des Tumors, seine Eigenschaften und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand [1][2][3].
Beschwerden ernst nehmen
Ein AEG-Tumor kann lange Zeit wenig oder keine eindeutigen Beschwerden verursachen. Viele mögliche Symptome kommen zudem auch bei harmloseren Erkrankungen vor. Halten Beschwerden an oder werden sie stärker, sollten Sie sie ärztlich abklären lassen [1][2].
Mögliche Beschwerden sind [1][2]:
- Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Schlucken,
- das Gefühl, dass Essen stecken bleibt,
- Übelkeit oder wiederholtes Erbrechen,
- wenig Appetit oder ein ungewöhnlich frühes Völlegefühl,
- ungewollter Gewichtsverlust,
- Schmerzen im Oberbauch oder Brustbereich,
- starke Müdigkeit, zum Beispiel durch Blutarmut,
- schwarzer, teerartiger Stuhl als mögliches Zeichen einer Blutung.
Bei Bluterbrechen, schwarzem teerartigem Stuhl, Kreislaufproblemen, starken akuten Schmerzen oder einer plötzlichen deutlichen Verschlechterung sollten Sie rasch medizinische Hilfe suchen [1][2][3].
Von der Magenspiegelung zur genauen Diagnose
Die wichtigste Untersuchung ist die Magenspiegelung. Dabei führt die Ärztin oder der Arzt einen dünnen, biegsamen Schlauch mit einer Kamera über den Mund durch die Speiseröhre bis in den Magen. So lässt sich erkennen, wo der Tumor liegt. Gleichzeitig können kleine Gewebeproben entnommen werden [1][2].
Diese Proben untersuchen Fachärzt:innen anschließend im Labor. Erst dadurch lässt sich zuverlässig feststellen, ob Krebs vorliegt und um welche Tumorart es sich handelt [1][2][3].
Steht die Diagnose fest, folgen Untersuchungen zur Ausbreitung der Erkrankung. Dabei geht es vor allem um drei Fragen: Wie tief ist der Tumor in das umliegende Gewebe eingewachsen? Sind Lymphknoten betroffen? Gibt es Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, in anderen Organen [1][2][3]?
Eine Ultraschalluntersuchung von innen, die sogenannte Endosonografie, kann zeigen, wie tief der Tumor in die Wand eingewachsen ist und ob benachbarte Lymphknoten auffällig sind. Eine Computertomografie (CT) von Brustkorb und Bauchraum liefert weitere Informationen über die Ausbreitung [1][2].
Bei bestimmten weiter fortgeschrittenen Tumoren kann zusätzlich eine Bauchspiegelung sinnvoll sein. Damit lassen sich kleine Tumorabsiedlungen am Bauchfell entdecken, die auf CT-Bildern möglicherweise nicht zu sehen sind [1].
Biomarker helfen bei der Wahl der Therapie
Tumoren unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Größe und Lage. Krebszellen können bestimmte biologische Merkmale tragen, sogenannte Biomarker. Vor allem bei einer nicht operablen oder metastasierten Erkrankung können diese Merkmale helfen, die passende medikamentöse Behandlung auszuwählen [1][2].
Ein Biomarker sagt nicht sicher voraus, wie die Erkrankung verlaufen wird. Er kann aber entscheidend dafür sein, welche Medikamente sich eignen. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt deshalb, welche Biomarker untersucht wurden und was die Ergebnisse für Ihre Behandlung bedeuten [1][2].
Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium
Welche Behandlung für Sie geeignet ist, hängt vor allem davon ab, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat. Auch die genaue Lage des Tumors, seine biologischen Eigenschaften, mögliche Begleiterkrankungen und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand spielen eine Rolle [1][2][3].
Ist der Tumor örtlich begrenzt oder lokal fortgeschritten und operabel, kann die Behandlung auf Heilung ausgerichtet sein. Hat sich die Erkrankung dagegen weit im Körper ausgebreitet, geht es vor allem darum, das Tumorwachstum zu bremsen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten [1][2][3].
Sehr frühe Tumoren können manchmal ohne Operation entfernt werden
Sehr kleine Tumoren, die nur oberflächlich in die Schleimhaut eingewachsen sind, können unter bestimmten Voraussetzungen bei einer Magenspiegelung vollständig entfernt werden. Dafür wird häufig eine sogenannte endoskopische Submukosadissektion, kurz ESD, eingesetzt. Ob dieses Verfahren infrage kommt, hängt unter anderem von Größe, Eindringtiefe und Eigenschaften des Tumors ab [1][2].
Wenn eine Operation möglich ist
Bei operablen AEG-Tumoren ist die Operation meist ein wichtiger Teil der Behandlung. Je nach Lage und Größe des Tumors entfernen Chirurginnen und Chirurgen Teile der Speiseröhre, des Magens und die zugehörigen Lymphknoten [1][2][3].
Welche Operation am besten geeignet ist, hängt vor allem von der Lage und Ausdehnung des Tumors ab. Ziel ist es, den Krebs vollständig zu entfernen und dabei auch die wichtigen umliegenden Lymphknoten zu erfassen [1].
Medikamente vor und nach der Operation
Bei lokal fortgeschrittenen, aber operablen Tumoren erhalten viele Patientinnen und Patienten zusätzlich Medikamente vor und nach der Operation. Fachleute sprechen von einer perioperativen Therapie. Eine wichtige Chemotherapiekombination ist FLOT. Sie besteht aus den Wirkstoffen 5-Fluorouracil, Folinsäure, Oxaliplatin und Docetaxel.
Die Behandlung entwickelt sich jedoch weiter. Aktuelle Empfehlungen berücksichtigen auch die Kombination von FLOT (eine spezielle Chemotherapie) mit der Immuntherapie Durvalumab. Ob ein solches Behandlungskonzept infrage kommt, hängt unter anderem von der genauen Tumorlage, der persönlichen Situation sowie den zum Zeitpunkt der Behandlung geltenden Empfehlungen und Zulassungen ab [2].
Wann eine Bestrahlung infrage kommt
Auch eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie kann bei AEG-Tumoren eine Rolle spielen. Das gilt besonders für Tumoren, die eher der Speiseröhre zugeordnet werden [3].
Kann ein örtlich begrenzter oder lokal fortgeschrittener Tumor nicht operiert werden, ist für manche Patientinnen und Patienten eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie eine Alternative. Ob sie infrage kommt, entscheidet Ihr Behandlungsteam anhand des individuellen Befunds [3].
Behandlung bei Metastasen
Hat der Tumor bereits Tochtergeschwülste in anderen Organen gebildet, kommen vor allem Medikamente zum Einsatz, die im ganzen Körper wirken. Dazu gehören Chemotherapien, Immuntherapien und zielgerichtete Medikamente. Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von verschiedenen Biomarkern ab. Ebenso wichtig sind Ihr Gesundheitszustand, mögliche Begleiterkrankungen und die frühere Therapien [1][2][3].
Gemeinsam die passende Behandlung planen
Die Behandlung eines AEG-Tumors sollte von Fachleuten verschiedener medizinischer Bereiche gemeinsam geplant werden. In einer Tumorkonferenz besprechen zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte aus der Gastroenterologie, der Chirurgie, der Onkologie, der Radiologie, der Pathologie und der Strahlentherapie den Befund und mögliche Behandlungen. Auch die Ernährungsmedizin, die Psychoonkologie, die Schmerztherapie und die Palliativmedizin können Sie frühzeitig unterstützen. Gerade bei einer komplexen Erkrankung ist die Behandlung in einem erfahrenen Zentrum sinnvoll [1][2][3].
Essen und Trinken trotz Schluckbeschwerden
Ein Tumor am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen kann das Essen und Trinken erschweren. Gewichtsverlust und Mangelernährung sollten Sie deshalb früh ansprechen. Eine ausreichende Versorgung mit Energie und Nährstoffen hilft, Ihre Kraft während der Behandlung zu erhalten [2][3].
Im Alltag können folgende Maßnahmen helfen:
- Essen Sie lieber mehrere kleine Mahlzeiten als wenige große.
- Wählen Sie weiche, saftige und energiereiche Speisen, wenn Ihnen das Schlucken schwerfällt.
- Essen Sie langsam und kauen Sie gründlich.
- Trinken Sie in kleinen Schlucken.
- Sprechen Sie Schmerzen, Erbrechen oder weiteren Gewichtsverlust frühzeitig an.
- Fragen Sie nach einer ernährungsmedizinischen Beratung, wenn Sie nicht ausreichend essen oder trinken können.
Stärkere oder zunehmende Schluckbeschwerden sollten Sie immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Ihr Behandlungsteam kann prüfen, welche weiteren Maßnahmen die Nahrungsaufnahme erleichtern und Beschwerden lindern können [1][2][3].
Auch eine psychoonkologische oder palliativmedizinische Begleitung kann hilfreich sein. Die Palliativmedizin ist dabei nicht nur für die letzte Lebensphase gedacht. Sie unterstützt bereits während einer Krebstherapie, um Schmerzen und andere Beschwerden zu lindern und um die Lebensqualität zu verbessern [2].