Ein gastrointestinaler Stromatumor, kurz GIST, ist eine seltene Krebserkrankung des Magen-Darm-Trakts. Am häufigsten entsteht dieser Tumor im Magen, seltener im Dünndarm. Manche GIST wachsen langsam, andere können sich schneller ausbreiten. Wie sich die Erkrankung entwickelt und welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Eigenschaften des Tumors ab [1] [2].
In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 1 bis 2 von 100.000 Menschen an einem GIST. Meist sind ältere Menschen betroffen. Die Ursache bleibt in den meisten Fällen unbekannt. Bekannte Risikofaktoren gibt es nicht, und nur sehr selten ist die Erkrankung erblich bedingt [1] [2].
GIST ist nicht gleich Magenkrebs
Obwohl ein GIST häufig im Magen entsteht, unterscheidet er sich deutlich von gewöhnlichem Magenkrebs [1] [2].
Der klassische Magenkrebs entwickelt sich aus Zellen der Magenschleimhaut. Ein GIST entsteht dagegen in tieferen Schichten der Magenwand. Ausgangspunkt sind vermutlich sogenannte Cajal-Zellen oder deren Vorläufer. Diese Zellen helfen normalerweise dabei, die natürlichen Bewegungen des Magen-Darm-Trakts zu steuern [1] [2].
Dieser Unterschied ist entscheidend für die Behandlung. Denn eine klassische Chemotherapie wirkt bei GIST meist nicht ausreichend. Stattdessen gibt es spezielle Medikamente, die gezielt das Wachstum der Tumorzellen bremsen können [1] [2].
Erste Anzeichen bleiben oft unbemerkt
Ein GIST verursacht anfangs häufig keine Beschwerden. Besonders kleine Tumoren bleiben deshalb oft lange unentdeckt. Manchmal fallen sie zufällig bei einer Magenspiegelung oder einer Computertomografie (CT) auf, die aus einem anderen Grund durchgeführt wird [1] [2].
Wächst der Tumor, können unterschiedliche Beschwerden auftreten. Dazu gehören [1] [2]:
- Druckgefühl, Völlegefühl oder ungewöhnlich frühe Sättigung
- Schmerzen oder unklare Beschwerden im Oberbauch
- Übelkeit
- Müdigkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit
- ein zunehmender Bauchumfang
- Blutarmut durch unbemerkte Blutungen im Magen-Darm-Trakt
- schwarzer Stuhl oder Bluterbrechen als mögliche Zeichen einer Blutung
Diese Beschwerden können auch andere, häufig harmlosere Ursachen haben. Halten sie länger an oder nehmen sie zu, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.
Wichtig: Schwarzer Stuhl, Bluterbrechen, starke Schmerzen, Schwindel oder Kreislaufprobleme können auf eine ernsthafte Blutung hinweisen. Holen Sie in solchen Fällen sofort medizinische Hilfe [1] [2].
Von der Untersuchung zur sicheren Diagnose
Besteht der Verdacht auf einen GIST im Magen, sind mehrere Untersuchungen notwendig. Sie sollen zeigen, ob tatsächlich ein GIST vorliegt, wie groß der Tumor ist und ob er sich bereits ausgebreitet hat [1] [2].
Magenspiegelung und Ultraschall
Bei einer Magenspiegelung betrachten Ärztinnen und Ärzte die Magenwand von innen. Da ein GIST meist unter der Schleimhaut wächst, ist häufig nur eine Vorwölbung zu erkennen. Die Schleimhaut selbst kann dabei völlig unauffällig aussehen [1] [2].
Eine besondere Ultraschalluntersuchung, die sogenannte Endosonografie, liefert genauere Bilder. Dabei wird ein kleiner Ultraschallkopf über ein Untersuchungsgerät in den Magen eingeführt. So lässt sich erkennen, aus welcher Schicht der Magenwand der Tumor stammt und wie groß er ist [1] [2].
Computertomografie zur Beurteilung der Ausbreitung
Eine Computertomografie (CT) liefert detaillierte Bilder aus dem Körperinneren. Damit können Ärztinnen und Ärzte erkennen, wie groß der Tumor ist und ob er sich auf andere Organe ausgebreitet hat. Das Verfahren ist schmerzfrei [1] [2].
Bei der CT werden Röntgenstrahlen eingesetzt. Dadurch entsteht eine gewisse Strahlenbelastung, die höher ist als bei einer gewöhnlichen Röntgenaufnahme. Die Untersuchung wird deshalb nur durchgeführt, wenn der medizinische Nutzen die möglichen Risiken überwiegt. Bei GIST liefert sie wichtige Informationen für die Behandlungsplanung und die spätere Nachsorge. In manchen Fällen kann auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) infrage kommen, die ohne Röntgenstrahlen auskommt [1] [2].
Gewebeuntersuchung zur Bestätigung
Um einen GIST sicher zu erkennen, wird Tumorgewebe im Labor untersucht. Eine Gewebeprobe vor der Operation ist allerdings nicht immer notwendig. Sie ist besonders wichtig, wenn der Tumor zunächst mit Medikamenten verkleinert werden soll oder eine Operation vorerst nicht möglich ist [1] [2].
Im Labor suchen Fachleute nach typischen Merkmalen der Tumorzellen. Dazu gehören bestimmte Eiweiße mit den Bezeichnungen KIT/CD117 und DOG1. Sie helfen dabei, einen GIST von anderen Tumorarten zu unterscheiden [1] [2].
Da GIST selten sind, ist es sinnvoll, die Befunde in einem spezialisierten Zentrum beurteilen zu lassen. Dort haben die Behandlungsteams besondere Erfahrung mit dieser Erkrankung [1] [2].
Die Operation als wichtigste Behandlung
Falls sich ein GIST vollständig entfernen lässt, ist eine Operation meist die wichtigste Behandlung. Ziel ist es, den Tumor vollständig herauszunehmen, ohne ihn dabei zu verletzen. Das ist besonders wichtig, weil ein Aufreißen des Tumors das Risiko erhöht, dass die Erkrankung später zurückkehrt [1] [2].
Bei einem GIST im Magen muss häufig nicht der gesamte Magen entfernt werden. Oft genügt es, nur den betroffenen Bereich herauszunehmen. Auch die umliegenden Lymphknoten müssen normalerweise nicht vorsorglich entfernt werden, da GIST nur selten dorthin streuen [1] [2].
Ist ein GIST im Magen kleiner als zwei Zentimeter, kann es in bestimmten Fällen sinnvoll sein, ihn zunächst regelmäßig zu kontrollieren, statt sofort zu operieren. Entscheidend sind dabei unter anderem die Größe, die Lage, das Wachstum und mögliche Beschwerden. Gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam wird besprochen, welches Vorgehen in Ihrer Situation am besten geeignet ist [1] [2].
Zielgerichtete Medikamente gegen das Tumorwachstum
Nicht immer reicht eine Operation allein aus. Manchmal ist es sinnvoll, den Tumor zunächst zu verkleinern oder nach der Operation das Rückfallrisiko zu senken. Auch bei einer fortgeschrittenen Erkrankung können Medikamente helfen, das Tumorwachstum zu bremsen [1] [2].
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Wirkstoff Imatinib. Er gehört zu einer Gruppe von Medikamenten, die Tyrosinkinasehemmer genannt werden. Sie blockieren bestimmte Wachstumssignale in den Tumorzellen. Ob Imatinib geeignet ist, hängt wesentlich von den genetischen Eigenschaften des Tumors ab [1] [2].
Besteht nach einer Operation ein hohes Rückfallrisiko und spricht der Tumor auf Imatinib an, wird das Medikament üblicherweise drei Jahre lang eingenommen. Bei einem niedrigen Rückfallrisiko ist eine solche vorbeugende Behandlung meist nicht notwendig [1] [2].
Wenn Imatinib nicht oder nicht mehr ausreichend wirkt, stehen weitere zielgerichtete Medikamente zur Verfügung. Das Behandlungsteam entscheidet anhand der Tumoreigenschaften und der bisherigen Behandlung über die nächsten Schritte [1] [2].
Nach der Behandlung bleibt die Nachsorge wichtig
Auch wenn der GIST vollständig entfernt werden konnte, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig. Denn bei manchen Betroffenen kann die Erkrankung nach einiger Zeit zurückkehren [1] [2].
Das individuelle Rückfallrisiko hängt unter anderem von der Größe, der Lage und bestimmten Eigenschaften des Tumors ab. Danach richtet sich auch, wie häufig Kontrolluntersuchungen notwendig sind [1] [2].
Zur Nachsorge gehören vor allem bildgebende Untersuchungen, beispielsweise eine CT. In den ersten fünf Jahren finden diese je nach Risiko häufig alle drei bis sechs Monate statt. Später reichen meist jährliche Kontrollen. Bei kleinen Tumoren mit niedrigem Rückfallrisiko können die Abstände größer sein [1] [2].
Ihr Behandlungsteam erstellt dafür einen individuellen Nachsorgeplan. So behalten Sie gemeinsam im Blick, ob die Erkrankung weiterhin unter Kontrolle ist [1] [2].
Gut informiert und begleitet im Alltag
Die Diagnose GIST kann viele Fragen und Sorgen auslösen. Neben der medizinischen Behandlung ist es deshalb wichtig, dass Sie Ihre Befunde verstehen und wissen, an wen Sie sich wenden können [1] [2].
Es kann helfen, vor einem Arzttermin die wichtigsten Themen zu notieren. Dazu gehören beispielsweise Ihr persönliches Rückfallrisiko, die genetischen Eigenschaften Ihres Tumors, die geplante Behandlung und mögliche Nebenwirkungen. Auch Beschwerden, bei denen Sie sofort ärztlichen Rat suchen sollten, gehören in dieses Gespräch [1] [2].
Sie müssen mit Ihren Fragen und Sorgen nicht allein bleiben. Psychoonkologische Dienste, Krebsberatungsstellen und die Landeskrebsgesellschaften bieten Unterstützung für Betroffene und Angehörige. Auch das INFONETZ KREBS hilft bei medizinischen, persönlichen und sozialrechtlichen Fragen [1] [2].