Was tut man(n) nicht alles für seinen Porsche? Nur das beste Motorenöl darf es sein und auch bei den Reifen wird nicht gespart, will man(n) doch schnittig und sicher in die Kurve. Kratzige Waschanlagenbürsten dürfen nicht in Reichweite von Lack und Chrom gelangen, nur einfühlsame Handwäsche ist gut genug. Das Auto wird gehegt und gepflegt – ein ganz normaler Auto-Alltag eben. Wie aber sieht es mit der eigenen Gesundheit aus, speziell mit der Prostata, dem häufigsten Krebs-Ort des Mannes? Hier ein paar handfeste und dabei wissenschaftlich nachgewiesene Medizin-Tipps, wie Mann nicht nur den Porsche, sondern auch die Prostata tunen kann.
Mit Wampe auf der Startrampe?
„Ach, so ein kleiner Bauch hat doch Charakter und lässt einen Mann gemütlicher erscheinen“, erklären Männer, die von ihrem Hausarzt auf ihren ganz und gar nicht kleinen Bauch angesprochen werden. Und freut sich nicht jede Mutter, „wenn‘s dem Bub schmeckt“? Der Weltkrebsbericht 2014 widerspricht nach Auswertung einer stattlichen Datenmenge: Wer mehr Wampe vor sich herschiebt, startet eher Richtung Prostatakrebs durch als aufs Siegertreppchen. Schuld daran ist nicht allein die reine Wampe, sondern auch die Ursachen, die zu diesem großen Bauch führen.
Und die Länge macht doch viel aus
Nein, es geht nicht um das, woran Sie jetzt vielleicht gedacht haben. Es geht um die stetig größer werdenden Menschen. Der Weltkrebsbericht konnte das erhöhte Größenwachstum als weiteren Risikofaktor für Prostatakrebs aufdecken, denn: Diejenigen Menschen werden größer, die sich vermehrt von tierischen Fetten und tierischem Eiweiß ernähren. Das erhöht im Körper einen Wachstumsfaktor, den Insulin-stimulierenden IGF-1. Wer also die Wampe regelmäßig mit Wurst, Fleisch, Käse, Milch, Eis etc. nährt, kurbelt damit auch das Wachstum von Krebszellen an.
Europa versinkt in Milch, die Prostata auch
Den gleichen Zusammenhang zeigt auch die sehr groß angelegte europäisch-internationale Studie EPIC, durchgeführt in 11 europäischen Ländern über 10 Jahre lang mit insgesamt über einer halben Million untersuchter Menschen: Wenn oft und regelmäßig Milch verzehrt wird (also auch in Form von Käse, dort sogar um ein Vielfaches konzentrierter), steigt die Gefahr, an Prostatakrebs zu erkranken fast um ein Viertel. Was würden Sie sagen, wenn Sie ein Benzin tanken, das um ein Viertel mehr Kolbenfresser produziert? Würden Sie nicht auch sofort anderes Benzin tanken? Eine der zahlreichen Milch-Alternativen hat ein um sage und schreibe 70 % verringertes Prostatakrebs-Risiko aufgezeigt: die „Milch“ aus der Sojabohne, d. h. eine pflanzliche Milch. Das Gleiche gilt übrigens für Brustkrebs.
Auf den Sprit kommt es an
Ein Porsche fährt nicht mit Leitungswasser und auch nicht mit Normalbenzin. Wer wirklich sportlich fit durchs Leben kurven will, braucht Superbrennstoff. Bei der Prostata ist das nicht anders. Wer dem eigenen Körper nur Junk Food wie Pizza, Pommes, Burger, Döner, Billigwurst oder Billigkäse serviert, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Motor verschlackt, es zu Ablagerungen kommt (Blutgefäße, Herzinfarkt), aber auch zur Verrußung der Zellen, zu kranken Zellen, zu Krebs. Was sich so locker liest und auf den ersten Blick unspektakulär anhört, ist mittels vieler und großer wissenschaftlicher Untersuchungen bestätigt worden.
Luxus-Futter, arme Prostata
Wer täglich energiereiches „Luxus“-Futter zu sich nimmt, dessen Gesundheit ist arm dran. Was ist Luxus-Futter? Hier geht es nicht um Kaviar und Champagner, sondern um das, was wir uns erst heutzutage als Massenware großzügig täglich gönnen. Oder anders erläutert: Fragen Sie doch ganz einfach mal eine ältere Tante oder Ihre Oma nach dem Speiseplan ihrer und früherer Generationen. Unter der Woche gab es Gemüsetöpfe mit Gemüse der Saison und viel Kohl, darin lagerfähige Kartoffeln und eingemachte Bohnen. Wenn ein Stück Fleisch oder Speck hineinkam, dann eher wie ein Gewürz, nicht als Hauptbestandteil der Speise. Und fragen Sie auch mal nach der echten handwerklichen Käseherstellung, wie sie vor der Massenherstellung über Generationen gang und gäbe war. Wussten Sie, dass ca. 10 Liter Milch nötig sind, um einen kleinen Camembert herzustellen?
Und dass eine Kuh ungefähr sage und schreibe 10 Kilogramm Sojabohnen fressen muss, bevor sie ein Kilogramm Schnitzel auf den Teller bringt? Eine Kuh von früher (oder eine Demeter- / Biolandkuh von heute) frisst Gras und Heu, das natürliche Futter der Kühe. Das „Heuen“ war für die Bauern eine schweißtreibende Arbeit, um das Überleben der Kühe im Winter zu sichern. Von jedem Liter Milch wurde der Rahm abgeschöpft, mindestens eine Woche gesammelt und dann erst wurde gebuttert und eine Kugel Butter kam auf den Teller. Dauerwurst gab es meist nur von einer Schlachtung pro Jahr. Wer sich diese Zusammenhänge plastisch vor Augen führt, versteht, warum wir heutzutage viel zu viel von den Dingen essen, die eigentlich als gelegentlicher Luxus betrachtet werden sollten. Wer sich von Nahrungsmitteln ernährt, die so viel Energie verdichten, und gleichzeitig kaum noch körperliche Arbeit verrichtet, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er in die Breite wächst und dabei Krebszellen heranzüchtet.
Viren in Rindfleisch und Milch fördern Prostata- und Brustkrebs
Aber dieser Luxus ist eigentlich richtig eklig. Denn ständig werden neue krebserregende Viren in tierischen Lebensmitteln entdeckt. Epidemiologische Studien belegen schon lange, dass der Verzehr von Rindfleisch mit einem stark erhöhten Risiko für Darmkrebs einhergeht. Eine Hypothese, dies zu erklären, ist ein krebsauslösender infektiöser Stoff im Fleisch. Eine Virusfamilie, von der bekannt ist, dass sie krebsauslösend wirkt, sind die weitverbreiteten Polyomaviren [5]. Polyomaviren sind besonders bedenklich, weil sie auch hohe Temperaturen, z. B. beim Kochen, überleben können.
Ein einzelner Burger kann heutzutage das Fleisch von zig Tieren enthalten – ideal für die Ansammlung von Viren. Forscher des berühmten National Cancer Institute der USA fanden in Rinderhackfleisch aus mehreren Supermärkten drei verschiedene Polyomaviren, die Ähnlichkeiten mit anderen, beim Menschen krebserregenden Polyomaviren aufweisen. Ebenso wurden im Rinderhackfleisch bzw. in den Vergleichsprodukten Schweine- und Hühnchenhackfleisch Vertreter weiterer Virusfamilien wie Herpesviren, Adenoviren, Circoviren und Gyroviren gefunden.
Dreifaches Brustkrebsrisiko bei Frauen mit verbreitetem Rinder-Leukämievirus
Der Zusammenhang zwischen Prostatakrebs und hohem Milchkonsum ist sehr gut belegt. Neben den Hormonen und Wachstumsfaktoren in der Milch sind vor Kurzem eine größere Zahl vermutlich neuer Viren in Blut, Fleisch und Milch von Milchkühen entdeckt worden.
Der Zusammenhang von Brustkrebs und Viren wurde in einer Studie belegt. Hier handelt es sich um BLV-Viren aus Rindern (Bovine Leukemia Virus), die stark gehäuft im Brustgewebe von krebskranken Frauen nachgewiesen wurden. Frauen, bei denen das Virus im Brustgewebe nachgewiesen wurde, hatten ein dreimal höheres Risiko für Brustkrebs als Frauen, bei denen das Virus nicht nachgewiesen wurde. Damit übertrifft das Virus andere häufig nachgewiesene Risikofaktoren für Brustkrebs, wie z. B. Fettleibigkeit oder Alkoholkonsum. Das BLV-Virus kommt nicht nur in Rindfleisch, sondern insbesondere auch in Kuhmilch vor. Vor allem bei großen Kuhherden kann durch die Vermischung der Milch in den großen Milchtanks die Durchseuchung bei bis zu 100 % liegen.
Unten herum ansteckend: Fördern Viren Prostatakrebs?
Krankheitserreger kommen häufig über die Harnwege in die Prostata, jedoch lässt die anatomische Nähe zum Mastdarm auch an eine Einwanderung von Darmbakterien denken, insbesondere beim Vorliegen von Schleimhautschäden. Durch die direkte nachbarschaftliche Lage der vergrößerten Prostata zum Dickdarm können auch krebserregende Substanzen, z. B. PAKs aus gegrilltem Fleisch, aus dem Enddarm in die Prostata gelangen und die Entstehung eines Tumors zusätzlich fördern. Gegrilltes Fleisch ist jedoch nicht nur von außen krebserregend, sondern zudem innen häufig noch rot und ungar. Der Weg vom Darm zur Prostata ist nicht weit.
Weißbrot macht Krebszellen froh, Süßigkeiten ebenso
Nicht nur das Übermaß an Wurst, Käse und Fleisch, auch Getreide ist einer der Knackpunkte. Von einer Kollegin hörte ich, dass ihre Oma sich weigerte, dunkles bzw. Vollkornbrot zu essen. Sie verknüpfte damit den Krieg, in dessen Folge es entweder gar kein Brot oder nur das „Kommissbrot“ gab, ein gräuliches, hartes Not-Brot, in Hungerhektik aus ganzen Körnern laienhaft zusammengeschustert, oft noch mit Mäuse-Teilen verunreinigt. Kein Mensch würde dieser Kriegs-traumatisierten alten Frau Weißbrot und Butter wegnehmen.
Wir jedoch leben in Frieden und in Hülle und Fülle, mit zu viel des Guten. Was ist denn nun, medizinisch gesehen, der Unterschied zwischen einem Weißbrot und einem Vollkornbrot? Für Weißbrot (oder Weißmehl generell) werden geschälte Getreidekörner verwendet, von denen nur der stärkehaltige Kern übrig ist. Für Vollkornbrot hingegen wird das Getreide mitsamt der Schale gebacken, teils vorher gemahlen, teils körnig belassen. Die Stärke des Weißmehls ist sehr leicht und schnell verstoffwechselt. Das jagt den Blutzucker schnell hoch und serviert den Krebszellen die Energie auf dem silbernen Tablett. Genauso läuft es beim Zucker, einem Stoff, an den uns die Industrie schon von der Wiege an zu gewöhnen versucht.
Prostatakrebs im weltweiten Vergleich
Alles schön und gut, aber welche Aussagekraft hat Opas Ernährungs- und Lebensweise heute? Ein Blick über den Tellerrand hinweg erweitert den Horizont und liefert Aha-Effekte: So gibt es typische „Milchländer“ wie die Schweiz, Schweden und Norwegen, mit gleichzeitig hohem Konsum an Zucker und Fleischprodukten. Und in diesen „Milch- & Fleischländern“ ist die Zahl der an Prostatakrebs Sterbenden um 27-mal höher als z. B. in asiatischen Ländern, die bis vor Kurzem noch kaum Milchprodukte aßen und nur sehr wenig Fleisch. Dieser Vergleich wird noch untermauert von einer weiteren Beobachtung: Asiaten, die in die USA umsiedeln und dort nicht in „Chinatown“ weiterhin asiatisch leben, sondern den amerikanischen Lebensstil annehmen, nehmen damit auch die höhere Krebs-Sterblichkeitsrate der Amerikaner an.
Auch in Europa gibt es diesbezüglich wissenschaftliche Untersuchungen, die schon erwähnte große EPIC-Studie: Wenn man(n) sich mehr klassisch-mediterran ernährt, mit reichlich Gemüse, Linsen, Nüssen, reichlich Kräutern und Olivenöl statt Butter, reduziert sich das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Sozusagen mit Urlaubsgenuss zu mehr Prostata-Power.
Prostata will ihr Fett weg
Aber ab und zu mal zum Asiaten oder Italiener essen gehen – das macht Spaß, aber es hilft der Prostata nicht. Möglichst reine Pflanzenkost schützt und hilft am wirkungsvollsten auch bei einem bereits diagnostizierten Prostatakrebs. Denn zahlreiche klinische Studien zeigen, dass sich hier eine Änderung der Ernährungsweise und des Lebensstils richtig lohnt. So zeigte Prof. Dean Ornish, dass eine fettarme, rein pflanzliche Ernährung (sowie Bewegungs- und Entspannungsmaßnahmen) krebsfördernde Gene bei Prostatakrebspatienten ausschaltet und das Fortschreiten der Erkrankung für mindestens zwei Jahre aufhalten kann – so lange lief die Studie. „Fettarm“ bedeutet bei Ornish eine erhebliche Einschränkung der Fettaufnahme auf 10 Prozent der aufgenommenen Kalorien. Sehr fettarm ist bei Prostatakrebs aufgrund der besonderen Genetik wichtig. Daher schadet auch eine sogenannte ketogene Krebsdiät bei Prostatakrebs mehr, als sie nützt.
Supersprit für die Prostata
Egal wohin wir schauen, ob nach Asien, in die USA oder nach Europa – es gibt mehrere wirklich große Untersuchungen, die den Männern zeigen, wie sie ihre Prostata tunen können: Der Superkraftstoff für die Prostata heißt Gemüse. Besonders gegarte Tomatenprodukte (ohne Zuckerzusatz) wie in Soßen oder Suppen, aber auch in gutem Ketchup (eben ohne Zucker), liefern den Wirkstoff Lykopin. Zudem ist heimischer Kohl ein absolutes Muss. Von Brokkoli über Romanesco bis hin zu Kohlrabi und Grünkohl gibt es viele Varianten.
Vor allem Brokkolisamen und -sprossen liefern die besonderen Antikrebs-Wirkstoffe Glucosinolate und Sulforaphan. Aber auch alles Rot- und Orangefarbene wirkt antikrebs-aktiv mit seinen Karotinoiden, die nicht nur in Karotten, sondern auch in Kürbis, Aprikosen und Süßkartoffeln vorkommen.
Viel Trinken spült die Blase und damit auch etwas die Prostata durch. Grüntee und Kaffee reduzieren das Prostatakrebsrisiko deutlich, aber ohne Zucker und Milch sollte es sein. Einige der am besten antikrebs-aktiven Wirkstoffe sind Polyphenole. Sie finden sich in vielen Obst- und Gemüsesorten, allen voran im Granatapfel. Hier weiß die Küche, wie die Wirkung für uns Menschen noch verstärkt werden kann – durch eine spezielle Zubereitungsform, die Fermentation. Wird der Granatapfel fermentiert, so werden die Wirkstoffe besser vom Darm aufgenommen und können besser wirken.
So paradiesisch, wie ein Porsche auf der Straße liegt, so paradiesisch sind Granatäpfel für die Prostata - also ran an diese Powerfrucht, um voller Power und schnittig durchs Leben zu kurven, statt mit viel Fleisch, Wurst, Käse und Zucker im Gepäck viel zu früh aus der Kurve zu fliegen.
PS: Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs. Die Tumorbiologie, d. h. „Haustierkrebs“ oder „Raubtierkrebs“, entscheidet über die Prognose, also darüber, ob Mann mit dem Prostatakrebs oder am Prostatakrebs stirbt. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig um seine Prostatagesundheit zu kümmern. Der PSA-Test wurde oft zum Schaden von Patienten und Krankenkassen missbraucht – inzwischen wird vom PSA-Test in der Vorsorge zu Unrecht oft abgeraten. Dabei würde der sinnvolle Umgang damit Leben retten und Leiden vermindern.
Was man tun kann, um Prostatakrebs vorzubeugen und durch Änderungen von Ernährung und Lebensstil begleitend zu therapieren, wird von Herrn Dr. med. L. M. Jacob in seinem Buch „Prostatakrebs-Kompass – Prävention und komplementäre Therapie mit der richtigen Ernährungs- und Lebensweise“, auf der Basis von ca. 1.000 zitierten Studien thematisiert.
Krebs: Gemeinsam sind wir stark (Christel Schoen, Hg.)
Taschenbuch: 380 Seiten
Größe: 17 x 3 x 22 cm oder als E-Book für alle Lesegeräte
Verlag: Books on Demand, Auflage 2 (27. Januar 2020)
Sprache: Deutsch
ISBN 9783750451490
Schnelle Lieferung: https://buchshop.bod.de
Buch (Print): 19,60 € inkl. MwSt. / Portofrei
E-Book: 11,99 € inkl. MwSt. (sofort verfügbar als Download)