Prostatakrebs Früherkennung

Früherkennung von Prostatakrebs: Welche Untersuchungen gibt es?

Tastuntersuchung, PSA-Test oder beides? Es gibt verschiedene Früherkennungsuntersuchungen für Prostatakrebs. Wie sie funktionieren und wann sie sinnvoll sind.

Von Julia Brandt 06.12.2023 · 10:01 Uhr
Ein Arzt bereitet eine Tastuntersuchung vor. | © AdobeStock_465201616
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Früh erkannt, früh gebannt: Die Heilungschancen bei Prostatakrebs stehen besser, wenn er früh erkannt wird. Außerdem lässt sich Prostatakrebs meist schonender entfernen, wenn er in einem frühen Stadium festgestellt wird. Daher gibt es ein gesetzliches Früherkennungsprogramm für Männer ab einem Alter von 45 Jahren sowie weitere Prostatakrebs-Screening-Methoden.

Allerdings bringt ein Prostatakrebs-Screening nicht ausschließlich Vorteile. Denn: In einigen Fällen hätte der Prostatakrebs nicht unbedingt behandelt werden müssen – die Therapie-Nebenwirkungen überwiegen dann den Effekt. Informationen über die Vor- und Nachteile der Prostatakrebs-Früherkennung sind deshalb wichtig.

Welche Leistungen beinhaltet die Prostatakrebs-Früherkennung? 

Es gibt zwei wichtige Säulen, die bei der Prostatakrebs-Früherkennung eine Rolle spielen: die Tastuntersuchung und ein Test, der das sogenannte Prostata-spezifische Antigen (PSA) im Blut misst – den sogenannten PSA-Test. Aber: Nur die Tastuntersuchung ist Teil der gesetzlichen Früherkennung von Prostatakrebs und wird für Männer ab 45 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Tastuntersuchung 

Bei der Tastuntersuchung tastet der Arzt oder die Ärztin die Prostata über den Enddarm ab. Dabei liegt der Patient auf der Seite und der Arzt oder die Ärztin führt einen Finger in den Enddarm ein. Von dort aus fühlt er/sie, ob die Prostata Unregelmäßigkeiten aufweist, zum Beispiel eine Verhärtung oder einen Knoten.

Diese Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Im Rahmen der Untersuchung erfragt die untersuchende Person außerdem, ob es Erkrankungen in der Familie gibt, überprüft, ob die Geschlechtsorgane Auffälligkeiten zeigen, und tastet die Lymphknoten in der Leiste ab.

Was bringt die Tastuntersuchung der Prostata? 

Die Tastuntersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs ist schnell, einfach durchzuführen und – obwohl sie von manchen Männern als unangenehm empfunden wird – eine verhältnismäßig unkomplizierte und nicht-invasive Untersuchungsmethode.

Mit ihr ist es oft möglich, auch Prostata-Tumoren zu ertasten, die noch keine Beschwerden bereiten. Allerdings wird nur jeder dritte Prostata-Tumor im Rahmen der Tastuntersuchung erkannt. Umgekehrt zeigt sich, dass etwa einer von vier mutmaßlichen Tumor-Befunden falscher Alarm war.

PSA-Test 

Bei dem sogenannten PSA-Test wird der Spiegel eines bestimmten Eiweißes im Blut gemessen, das ausschließlich in der Prostata gebildet wird: das prostataspezifische Antigen (PSA). Dessen Konzentration ist bei Prostatakrebs meist deutlich erhöht gegenüber dem Wert bei einem gesunden Mann.

Ein hoher PSA-Wert kann also ein Frühwarnzeichen für Prostatakrebs sein. Entscheidend ist jedoch nicht so sehr die PSA-Konzentration bei einer einmaligen Messung, sondern auch, wie sie sich im Lauf der Jahre entwickelt. Daher wird der PSA-Wert abhängig von seiner ursprünglichen Konzentration im Blut in regelmäßigen Abständen kontrolliert:

Ist er niedriger als 1 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml), wird er erst wieder in vier Jahren getestet. Bei einem Wert zwischen 1 und 2 ng/ml ist eine erneute Blutabnahme in zwei Jahren sinnvoll. Beträgt der Wert mehr als 2 Nanogramm pro Milliliter, erfolgt in der Regel eine jährliche Kontrolle.

Was bringt der PSA-Test? 

Mit dem PSA-Test können bösartige Veränderungen der Prostata aufgespürt werden, bevor sie sich klinisch bemerkbar machen. Daher kommt er bei der Früherkennung von Prostatakrebs zum Einsatz. Es gibt Hinweise darauf, dass der PSA-Test die Sterblichkeit bei Prostatakrebs möglicherweise senkt – diese sind jedoch nicht eindeutig.

Auffälliger Befund: Wie geht es weiter? 

Wer zum Prostatakrebs-Screening geht, hofft natürlich, dass alles in Ordnung ist – in den meisten Fällen ist das auch so. Falls ein Befund auffällig ist, wird der Arzt oder die Ärztin diesen näher abklären. Ein auffälliger Befund liegt vor, wenn mindestens eines dieser Kriterien zutrifft: 

  • Der PSA-Wert liegt bei der ersten Früherkennungsuntersuchung bereits über 4 ng/ml. 
  • Der PSA-Wert steigt im Lauf mehrerer Testungen auffällig an. 
  • Der Arzt oder die Ärztin spürt bei der Tastuntersuchung einen Knoten oder eine Verhärtung in der Prostata.

In diesen Fällen wird der Krebsverdacht durch eine Gewebeprobe (Biopsie) weiter abgeklärt. Hierbei entnimmt der Arzt oder die Ärztin über den Enddarm mit einer dünnen Hohlnadel an verschiedenen Stellen etwas Gewebe aus der Prostata.

Mithilfe eines Ultraschall-Geräts kann er/sie sehen, in welchen Bereich der Prostata die Nadel sticht. Die Biopsie wird dann im Labor untersucht. Dort stellt sich heraus, ob es sich tatsächlich um Krebszellen handelt und die Diagnose „Prostatakrebs“ gestellt werden kann.

Soll ich zur Prostatakrebs-Früherkennung gehen? 

Vieles spricht dafür, das Prostatakrebs-Screening in Anspruch zu nehmen. Früherkennungsuntersuchungen haben jedoch auch mögliche Nachteile.

Denn: Nicht immer ist Prostatakrebs behandlungsbedürftig. Tumoren in der Prostata treten verstärkt bei älteren Männern auf und wachsen in den meisten Fällen langsam, sodass sie oft gar keine Beschwerden bereiten und das Leben der Betroffenen unentdeckt nicht beeinträchtigt hätten.

Durch die Früherkennungsuntersuchungen werden auch diese Tumoren oft erkannt – und behandelt, da im Einzelfall kaum vorherzusagen ist, wie sich die Erkrankung weiterentwickelt. Prostatakrebs-Therapien wie eine Operation oder eine Strahlentherapie haben Nebenwirkungen, die die Betroffenen vorübergehend oder auch langfristig stark einschränken können.

Diese Nebenwirkungen müssten die Krebspatienten in solchen Fällen in Kauf nehmen, obwohl der Prostatakrebs an sich nicht lebensbedrohlich wäre.

Risikofaktoren 

Ob das Prostatakrebs-Screening sinnvoll ist, hängt auch von den Risikofaktoren jedes Einzelnen ab. Ein wichtiger Risikofaktor für Prostatakrebs ist das Alter: Im Durchschnitt sind Männer 69 Jahre alt, wenn sie an Prostatakrebs erkranken. Bei Männern unter 40 Jahren kommt diese Krebsart beinahe gar nicht vor.

Auch die Familiengeschichte gibt einen Anhalt für die Wahrscheinlichkeit von Prostatakrebs. Männer, deren Vater und/oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt waren, haben ein erhöhtes Risiko, auch ein Prostatakarzinom zu entwickeln.

Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass auch Faktoren wie Fettleibigkeit, Ernährung sowie entzündliche Erkrankungen der Prostata Krebs in diesem Organ begünstigen könnten.

Prostatakrebs-Früherkennung: Was empfehlen Expert:innen? 

Fachleute empfehlen Ärzt:innen, Männer ab einem Alter von 45 Jahren über die Vor- und Nachteile der Früherkennungsuntersuchungen bei Prostatakrebs aufzuklären, sodass diese eine informierte, individuelle Entscheidung treffen können.

Wenn Sie sich für die Früherkennungsuntersuchung entscheiden, ist der PSA-Test die erste Wahl, auch wenn dieser nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird.  

Die Tastuntersuchung ist eine sinnvolle Ergänzung. Beide Methoden zusammen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Prostatakrebs zu entdecken. Bildgebende Verfahren, wie zum Beispiel eine Ultraschall-Untersuchung, werden nicht zur Früherkennung von Prostatakrebs empfohlen.

Zusammenfassung Die Früherkennung von Prostatakrebs stützt sich auf zwei wichtige Grundpfeiler: die Tastuntersuchung und den PSA-Test. Männer ab 45 Jahren sollten sich informieren und überlegen, ob sie an dem Früherkennungs-Screening teilnehmen. Wer sich dafür entscheidet, setzt am besten auf eine Kombination aus PSA-Test und Tastuntersuchung.

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