Früherkennung Prostatakarzinom

Prostatakrebs: PSA-Test zur Früherkennung

Zur Früherkennung von Prostatakrebs können Männer einen PSA-Test machen lassen. Vorab sollten sie sich aber ausführlich darüber informieren, wann die Untersuchung sinnvoll ist und welchen Nutzen bzw. welche Risiken es gibt.

Von Kathrin Rothfischer 06.12.2023 · 10:01 Uhr
Eine Blutprobe für den PSA-Test. | © AdobeStock_307042175
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Was ist der PSA-Test?  

Der PSA-Test ist eine Blutuntersuchung, die zur Früherkennung von Prostatakrebs dienen kann. PSA ist die Abkürzung für prostataspezifisches Antigen. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das ausschließlich in der Prostata gebildet wird. Für den PSA-Test nehmen Arzt oder Ärztin dem Patienten etwas Blut aus der Armvene ab. Wie hoch die Konzentration des PSA im Blut ist, ermittelt anschließend ein Labor. Das dauert normalerweise ein paar Tage.  

Krebsgewebe produziert deutlich mehr PSA als gesundes Gewebe. Daher kann ein hoher PSA-Wert auf ein Prostatakarzinom hinweisen. Es gibt aber auch andere, häufigere Ursachen, die zu einer verstärkten PSA-Ausschüttung führen. Dazu gehören zum Beispiel  

  • eine gutartig vergrößerte Prostata (benigne Prostatahyperplasie) oder 
  • eine Entzündung (Prostatitis) sowie möglicherweise 
  • Fahrradfahren,  
  • die Tastuntersuchung,  
  • Geschlechtsverkehr und 
  • unterschiedliche Messmethoden. 

Ein auffälliger PSA-Test ist daher kein eindeutiger Nachweis für Prostatakrebs.  

Hinweis: Manche Menschen sprechen bei einem PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs von einer Vorsorgeuntersuchung. Vorsorge würde aber bedeuten, den Krebs mit gezielten Mitteln zu verhindern, etwa wenn eine Untersuchung eine Krebsvorstufe sichtbar macht und Ärzt:innen diese dann entfernen. Der PSA-Test kann Prostatakrebs nicht verhindern, sondern lediglich einen Hinweis auf einen bereits vorhandenen Tumor geben. 

Früherkennung von Prostatakrebs: Wann ist ein PSA-Test sinnvoll?  

Sinnvoll ist ein PSA-Test auf Prostatakrebs frühestens ab einem Alter von 45 Jahren und bei einer Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren. Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs gehört allerdings nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm. Männer müssen diese Untersuchung selbst bezahlen. Generell empfehlen die medizinischen Leitlinien, einen PSA-Test im Rahmen der Früherkennung von Prostatakrebs immer in Kombination mit einer Tastuntersuchung durchzuführen.  

Einmalig gemessen ist ein PSA-Wert allerdings wenig aussagekräftig. Besser ist es, sich den Verlauf mehrerer PSA-Werte in einem bestimmten Zeitraum anzuschauen. Dazu ist es nötig, den PSA-Test im Rahmen der Früherkennung von Prostatakrebs zu wiederholen. Die Häufigkeit richtet sich nach dem ersten Testergebnis: 

  • PSA-Wert < 1 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml): Kontrolle nach vier Jahren  
  • PSA-Wert zwischen 1 und 2 ng/ml: Kontrolle alle zwei Jahre 
  • PSA-Wert zwischen 2 und 4 ng/ml: jährliche Kontrolle 

PSA-Test zur Prostatakrebs-Früherkennung: Was passiert bei auffälligen Werten? 

Ergibt die Auswertung eines PSA-Tests einen auffälligen Befund, ist das nur ein Hinweis darauf, dass Prostatakrebs vorliegen könnte. Um die Diagnose Prostatakrebs zu stellen oder den Verdacht auszuräumen, sind weitere Untersuchungen nötig. In der Regel entnimmt der Arzt oder die Ärztin dafür zuerst Gewebe aus der Prostata (Biopsie), das im Labor untersucht wird. Nur bei einem von vier Männern wird dann tatsächlich ein Prostatakarzinom nachgewiesen.  

Normale Werte für PSA, die für alle Männer gültig sind, gibt es nicht. Denn der PSA-Wert ist unter anderem abhängig vom Alter: Je älter ein Mann, desto höher ist er in der Regel. Als auffällige Befunde, bei denen eine Gewebeentnahme zur Früherkennung von Prostatakrebs in der Regel empfohlen wird, gelten aber folgende: 

  • PSA-Wert über 4 ng/ml, den eine zweite Messung nach sechs bis acht Wochen bestätigen muss 
  • Anstieg der PSA-Werte zwischen 0,35 ng/ml und 0,75 ng/ml pro Jahr  

Eine Gewebeentnahme sollte allerdings auch bei einem auffälligen Wert nicht ohne ausführliche ärztliche Beratung erfolgen. Denn nicht immer ist eine Biopsie zwingend erforderlich. 

Stellt das Labor Krebszellen in der Gewebeprobe fest, folgen in der Regel weitere Untersuchungen. Häufig ist der Befund aber negativ. Um auszuschließen, dass ein möglicherweise doch vorhandener Tumor bei der Biopsie nicht getroffen wurde, kann dann zur weiteren Abklärung eine Magnetresonanztomografie zum Einsatz kommen. Finden sich dabei auffällige Bereiche in der Prostata, können daraus gezielt weitere Gewebeproben entnommen werden. 

PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs: Vor- und Nachteile

Ein PSA-Test hat positive und negative Aspekte. Hier eine Übersicht.

Vorteile 

Ein PSA-Test kann Prostatakrebs bereits in einem frühen Stadium sichtbar machen. Das ermöglicht eine schonendere Behandlung, sodass das Risiko für Komplikationen niedrig ist. Zudem sind die Chancen auf eine Heilung in der Regel sehr gut, wenn das Prostatakarzinom früh entdeckt wird und sich noch nicht weiter im Körper ausgebreitet hat. Mit einem PSA-Test nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, dass Männer an Prostatakrebs sterben.  

Nachteile 

Weil der PSA-Test keine Diagnosen liefert, sondern nur recht ungenaue Hinweise, kann er stark verunsichern. Zum Beispiel gibt es relativ häufig falsch positive Ergebnisse. Das heißt: Der PSA-Test ist auffällig und deutet auf einen Prostatakrebs hin – obwohl tatsächlich kein Tumor vorhanden ist. Der betroffene Mann ist beunruhigt und es folgen eigentlich unnötige weitere Untersuchungen, die körperlich und seelisch belastend sein können. 

Mitunter wird infolge eines PSA-Tests ein sehr langsam wachsender Prostatakrebs entdeckt, für den eine Therapie wahrscheinlich nicht nötig gewesen wäre. Weil man in der Praxis nicht sicher sagen kann, wie die Erkrankung sich im Einzelfall entwickelt, muss der Betroffene dann mit der Diagnose leben und eventuell eine Behandlung auf sich nehmen, die Nebenwirkungen haben kann. 

Und: Das Ergebnis eines PSA-Tests kann auch falsch negativ sein. Die Werte sind dabei unauffällig, obwohl ein Prostatakrebs vorliegt. Das Prostatakarzinom bleibt dann unentdeckt und der untersuchte Mann denkt fälschlicherweise, er ist gesund.  

Wie sicher ist der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs? 

Bislang ist trotz mehrerer wissenschaftlicher Studien nicht genau klar, wie groß der Nutzen eines PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs ist. Studien haben ergeben, dass von 1.000 Männern im Alter von 55 bis 69 Jahren innerhalb von 16 Jahren 

  • ohne PSA-Test 9 Männer an Prostatakrebs sterben und 87 Männer die Diagnose Prostatakrebs erhalten 
  • mit PSA-Test 2 Männer weniger an Prostatakrebs sterben und 117 Männer die Diagnose Prostatakrebs erhalten.  

Die ärztlichen Leitlinien empfehlen, sich von einem Arzt oder einer Ärztin ausführlich über Vor- und Nachteile der PSA-gestützten Prostatakrebs-Früherkennung beraten zu lassen. Dabei sollten Männer neben den Ergebnissen aus Studien über Nutzen und Gefahren des Screenings auch Faktoren wie das persönliche Risiko (zum Beispiel eine familiäre Vorbelastung für Prostatakrebs) berücksichtigen sowie die Frage, ob sie eine mögliche Überbehandlung in Kauf nehmen würden. Erst dann sollten sie sich für oder gegen einen PSA-Test entscheiden.  

Zusammenfassung Der PSA-Test ist eine Untersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs, die keine Kassenleistung ist. Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch, dass ein Prostatakarzinom vorliegt. Umgekehrt kann ein Mann trotz eines normalen PSA-Werts Prostatakrebs haben. Fachleute empfehlen daher, sich vor der Entscheidung zur Prostatakrebs-Früherkennung ausführlich über Vor- und Nachteile beraten und ggf. einen PSA-Test zusammen mit einer Tastuntersuchung durchführen zu lassen.

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