Diagnose, Erkrankung und Therapie kosten Sie als Krebspatient:in viel seelische und körperliche Kraft. Vielleicht haben Sie sich vor Ihrer Krebstherapie eingehend mit bekannten Nebenwirkungen wie etwa Haarausfall, Übelkeit oder starker Erschöpfung auseinandergesetzt. Ein Thema, das bisher im Hintergrund stand, rückt zunehmend in den Vordergrund: Ihre Augengesundheit.
Mehr Augenprobleme durch bestimmte Krebstherapien
Moderne Krebstherapien eröffnen erfreulicherweise neue und vielversprechende Chancen im Kampf gegen Krebs. Sie bringen aber auch neue und andere Nebenwirkungen mit sich. Besonders die sogenannten Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (kurz ADC) können spürbare Nebenwirkungen am Auge verursachen.
Wirkstoffe aus der Gruppe der ADC spüren Krebszellen im Körper gezielt auf und attackieren diese. Rund 15 Prozent der Patient:innen, die mit solchen ADC behandelt werden, bekommen Augenbeschwerden. Bei einigen speziellen Medikamenten aus dieser Wirkstoffgruppe – wie beispielsweise Mirvetuximab-Soravtansin, Tisotumab-Vedotin, Enfortumab-Vedotin oder Datopotamab-Deruxtecan – kann der Anteil sogar noch höher sein.
Wenn Sie Veränderungen an den Augen bemerken, empfiehlt es sich, frühzeitig Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt aufzusuchen. Sie können die Beschwerden fachgerecht behandeln, so dass sie fast immer folgenlos abheilen. Eine dauerhafte Erblindung oder andere schwere Spätfolgen sind extrem selten. Lediglich bei etwa zwei Prozent der Erkrankten ist die Belastung für das Auge so hoch, dass die Therapie vorübergehend gestoppt werden muss.
Welche Symptome auftreten und wie die Krebstherapie die Augen beeinflusst
Je nachdem, welches Medikament Sie genau erhalten, können die Beschwerden in Art und Schwere variieren. Manche Krebspatient:innen bemerken schon nach kurzer Zeit erste Veränderungen, bei anderen treten sie erst im weiteren Verlauf der Therapie auf. Das mit Abstand häufigste Problem sind trockene Augen. Sie verspüren ein unangenehmes Reibegefühl, als wenn sich ein kleines Sandkorn unter Ihrem Augenlid befindet. Die Augen können gerötet sein, leicht brennen oder schmerzen. In manchen Fällen kann es auch zu einem vermehrten, wässrigen Tränenfluss kommen.
Ein weiteres mögliches Symptom ist eine erhöhte Lichtempfindlichkeit. Sie haben das Gefühl, dass Tageslicht oder normale Zimmerbeleuchtung stark blenden. Auch Sehstörungen, wie etwa verschwommenes Sehen, können plötzlich auftreten. Wenn Sie im Alltag merken, dass das Lesen der Zeitung, der Blick auf Ihr Smartphone, Fernsehen oder Autofahren zunehmend anstrengender wird, empfiehlt es sich, die Beschwerden augenärztlich abklären zu lassen.
Augenprobleme und -beschwerden als Krebspatient:innen ernst nehmen
Ihr Behandlungsteam wird Ihnen während der Therapie vielleicht spezielle Fragebögen aushändigen, um solche alltäglichen Einschränkungen systematisch zu erfassen und die Therapie besser an Ihre persönlichen Bedürfnisse anzupassen. Nehmen Sie alle Beschwerden und Symptome ernst und besprechen Sie diese zeitnah mit Ihrem Behandlungsteam.
Falls Sie sich fragen, warum ausgerechnet die Augen auf bestimmte Krebstherapien reagieren, so lässt sich das einfach erklären: Das Auge ist ein gut durchblutetes Organ. Es besitzt an seiner Oberfläche, insbesondere an der Hornhaut, spezielle Zellen, die sich – ganz ähnlich wie Krebszellen – relativ schnell teilen. Die neuartigen Antikörper-Wirkstoff-Konjugate gelangen über die Blutbahn und den Tränenfilm direkt an die Augenoberfläche. Dort können sie in die gesunden Zellen der Hornhaut eindringen und sie schädigen.
Dies führt dazu, dass sich auf und in der Hornhaut winzige Aufrauhungen und Entzündungen entwickeln können, die medizinische Ursache für Fremdkörpergefühl und verschwommenes Sehen. Doch nicht nur die neuen ADCs, auch die klassische Chemotherapie, zielgerichtete Therapien, Antihormontherapien, Immuntherapien oder eine Strahlentherapie können Augenprobleme verursachen.
Vorbeugung und augenärztliche Begleitung: So schützen Sie Ihr Sehen
Um die Krebstherapie ohne größere Augenprobleme durchzustehen, empfiehlt sich eine begleitende augenärztliche Behandlung. Bei vielen der neuen Therapien ist das sogar ein fester Bestandteil des Therapieplans. Ihr Behandlungsteam wird Sie in diesen Fällen rechtzeitig an eine augenärztliche Fachpraxis überweisen – idealerweise noch bevor die Krebstherapie beginnt.
Sie selbst können im Alltag aktiv dazu beitragen, Ihre Augen zu schützen und aufkommende Beschwerden zu lindern. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die regelmäßige, sorgfältige Augenpflege. Befeuchten Sie Ihre Augen mehrmals täglich mit benetzenden Augentropfen.
Die richtigen Augentropfen anwenden
Achten Sie beim Kauf in der Apotheke darauf, dass die Augentropfen frei von Konservierungsmitteln und Steroiden sind, um das Auge nicht zusätzlich zu reizen. Beginnen Sie mit der Anwendung am besten schon zu Beginn der Krebstherapie und befeuchten Sie die Augen auch nach Abschluss der Krebsbehandlung sicherheitshalber noch einige Wochen weiter.
Darüber hinaus sollten Sie während der Krebstherapie vollständig auf das Tragen von Kontaktlinsen verzichten. Ausnahme: Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt hat Ihnen bestimmte Kontaktlinsen verschrieben, beispielsweise spezielle Verbands-Kontaktlinsen bei Hornhautschäden. Schützen Sie Ihre empfindlichen Augen außerdem vor direktem Sonnenlicht und tragen Sie im Freien konsequent eine Sonnenbrille mit einem guten UV-Schutz.
Sanfte, warme Kompressen gegen Entzündungen der Lidränder
Vor dem Schlafengehen können sanfte, warme Kompressen auf den geschlossenen Augenlidern sehr wohltuend wirken und Entzündungen der Lidränder gezielt entgegenwirken. Achten Sie dabei immer auf eine gute Hygiene und waschen Sie sich vor jeder Berührung der Augen gründlich die Hände.
Sollten Sie bereits Vorerkrankungen an den Augen haben, wie etwa Grauer Star (Katarakt) oder Grüner Star (Glaukom), schließen diese eine moderne Krebstherapie keineswegs aus. Es braucht jedoch eine sorgfältige Kontrolle durch Augenärztin oder Augenarzt. Manchmal müssen Sie verschreibungspflichtige, kortisonhaltige Augentropfen anwenden, um Entzündungen wirksam zu behandeln. Da diese speziellen Tropfen den Augeninnendruck erhöhen können, ist die augenärztliche Begleitung unverzichtbar.
Medikamente gegen stärkere Augenprobleme: Antibiotika und spezielle Kühlung
Falls trotz aller Bemühungen stärkere Augenprobleme auftreten, so können diese durch andere Medikamente behandelt werden. Oftmals helfen beispielsweise antibiotische Augentropfen oder eine spezielle Augenkühlung während der Infusion. Nur in extrem seltenen Ausnahmefällen muss eine Krebstherapie wegen starker Augenbeschwerden vorübergehend unterbrochen oder sogar dauerhaft abgebrochen werden.
Häufiger genügt es schon, wenn das Behandlungsteam die Dosis des Krebsmedikaments kurzzeitig senkt oder einen Behandlungszyklus verschiebt. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass die Krebstherapie auch bei solchen Anpassungen ihre volle Wirksamkeit behält.
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