Was passiert eigentlich bei einem Hautscreening? Muss man sich bei der Ganzkörperuntersuchung tatsächlich ganz ausziehen, und was ist, wenn Ärztinnen oder Ärzte dabei etwas Verdächtiges finden? Solche und ähnliche Fragen stellen sich viele Menschen, Sie auch? Ein Blick auf die Details [1].
Wann das Hautscreening sinnvoll ist
Wer in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, hat ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre Anspruch auf eine kostenlose Hautkrebsvorsorgeuntersuchung. Einige Krankenkassen übernehmen die Untersuchung freiwillig bereits für jüngere Versicherte. Es lohnt sich daher, im Zweifel direkt bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen [1] [5] [6].
Die Teilnahme an der Untersuchung ist sinnvoll, denn früh entdeckter Hautkrebs lässt sich in vielen Fällen gut behandeln und häufig vollständig entfernen. Das gilt sowohl für den „weißen Hautkrebs“, also Basalzellkarzinome und Plattenepithelkarzinome – als auch für den „schwarzer Hautkrebs“, das maligne Melanom. Gerade beim Melanom hängen die Heilungschancen stark davon ab, wie früh der Tumor entdeckt wird [1].
Auch wenn es etwa nach einer Selbstuntersuchung einen konkreten Verdacht auf einen Hautkrebs gibt, ist ein Hautkrebsscreening bei Haus- oder Haut:ärztinnen eine wichtige Untersuchung [1].
So läuft das Hautkrebsscreening ab
Schritt 1: Anamnese
Wie bei jeder ärztlichen Untersuchung steht zu Beginn das Gespräch zwischen Ärzt:innen und Patient:innen. Untersuchende stellen Fragen nach dem allgemeinen Gesundheitszustand, nach Krebs-Vorerkrankungen bei den Patient:innen selbst oder in deren engerer Familie, aber auch nach Risikofaktoren durch den Beruf oder den Lebensstil [2] [3].
Beispielsweise haben Menschen, die sich viel unter freiem Himmel aufhalten, ein höheres Risiko für Hautkrebserkrankungen. Auch ein heller Hauttyp, viele Muttermale oder intensive Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Risiko. (Siehe auch Hautkrebs: Das eigene Risiko abschätzen) [2] [3].
Schritt 2: Hautuntersuchung
Anschließend folgt eine Ganzkörperuntersuchung der Haut. Bei dieser standardisierten visuellen Untersuchung wird die gesamte Haut ohne Hilfsmittel blickdiagnostisch untersucht. Sie gilt als die wichtigste anerkannte Methode, um Hautkrebs frühzeitig erkennen beziehungsweise ausschließen zu können [2] [3].
Das heißt, die Untersuchenden betrachten mit ihrem geschulten Auge ohne Hilfsmittel die gesamte Haut eines Menschen auf charakteristische Veränderungen hin, die auf die verschiedenen Arten von Hautkrebs („weißer Hautkrebs“, das sind Plattenepithel- oder Basalzellkarzinome, oder „schwarzer Hautkrebs“, das sind maligne Melanome) hindeuten – oder auf deren mögliche Vorstufen wie etwa die „aktinische Keratose“ [2] [3].
Untersuchung von Muttermalen
Von besonderem Interesse bei einem Hautcheck sind Muttermale (bekannt als Leberfleck, Pigmentfleck oder medizinisch Nävus). Auch diese betrachten Ärzt:innen in der Regel erst einmal ohne weitere Hilfsmittel mit dem bloßen Auge [2] [3].
Zur genaueren Beurteilung verwenden Ärztinnen und Ärzte ein Dermatoskop. Dabei handelt es sich um eine spezielle Lupe mit Beleuchtung, mit der sich Hautstrukturen stark vergrößert betrachten lassen. Die Untersuchenden checken damit Leberflecken und andere verdächtige Stellen [2] [3].
Welche Körperregionen untersucht werden
Das Hautkrebsscreening ist eine Ganzkörperuntersuchung im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Hautkrebs kann an allen Stellen des Körpers und auf jeder Art von Haut entstehen. Daher untersuchen die Ärzt:innen nicht nur die „immer“ sichtbaren Hautstellen, wie die Arme und das Gesicht, sondern auch [2] [3]:
- die Kopfhaut, diese ist naturgemäß den UV-Strahlen der Sonne am meisten ausgesetzt,
- die Außen- und Innenseiten der Arme und Beine sowie die Achseln und Kniekehlen,
- die Füße und die Zwischenräume zwischen den Zehen sowie die Sohlen,
- Finger- und Fußnägel (auch unter den Nägeln ist Hautkrebs möglich),
- aber auch die Mundschleimhäute und die Zunge,
- die Ohren,
- Augen und Augenlider,
- den Intimbereich der äußeren Genitalien
- sowie die Afterregion und den Dammbereich (das ist der Bereich zwischen dem After und den Genitalien).
Je nach Situation können auch sichtbare Schleimhäute betrachtet werden, etwa im Mundbereich – dies gehört jedoch nicht in jedem Fall zur Standarduntersuchung [2] [3].
Für das Screening bittet die Ärztin oder der Arzt die Patientinnen und Patienten in der Regel, sich vollständig zu entkleiden. Häufig geschieht das jedoch schrittweise, etwa zuerst für den Oberkörper und anschließend für den Unterkörper [2] [3].
Wie Ärzt:innen in der Praxis vorgehen
Abgesehen von einer möglichen Wartezeit sollten Sie mindestens eine Viertelstunde für die Hautuntersuchung einplanen. Der Untersuchende wird dabei den ganzen Körper ohne Hilfsmittel (beziehungsweise insbesondere Muttermale mit dem Dermatoskop) anschauen – abgesehen von einem Spatel, den er benutzen wird, um sich Ihre Zunge und Mundschleimhäute anzuschauen [1].
Mit einem weiteren Spatel scheitelt er die Haare, um sich die Kopfhaut genau anzusehen. Einziges weiteres Hilfsmittel ist eine gute Beleuchtung des Raumes oder auch eine helle Lampe. Nach der Untersuchung besprechen die Ärzt:innen mit Ihnen die Befunde. Eventuell findet dann auch eine Probenentnahme an verdächtigen Stellen statt (siehe unten) [1].
So sollten Sie sich vorbereiten
Die Haus- oder Hautärzt:innen möchten bei der Untersuchung den gesamten Körper betrachten können, ohne dass irgendetwas verdeckt ist. Das bedeutet nicht nur, sich bei der Hautuntersuchung ganz auszuziehen, sondern auch auf einige Dinge zu verzichten. Das sind etwa [1]:
- Nagellack auf Fingernägeln und Fußzehen, da auch unter den Nägeln Hautkrebs möglich ist
- Körperschmuck wie Ohrringe oder Piercings, die nicht schnell vor Ort entfernt werden können. Sie können Hautveränderungen verdecken.
- Make-up – dies überdeckt möglicherweise Hautveränderungen
- aufwendige, nicht leicht lösbare Frisuren, da auch die Kopfhaut inspiziert wird
Was geschieht, wenn es verdächtige Stellen gibt?
Ein Großteil verdächtiger Stellen – medizinisch Läsionen – entpuppt sich bei der Hautuntersuchung als harmlos – spätestens bei der genaueren Untersuchung mit einem Dermatoskop [1].
Besteht die Verdachtsdiagnose allerdings fort, werden Allgemeinmediziner, also Hausärzt:innen, die Patient:innen in der Regel zu Hautärzt:innen überweisen. Diese nehmen von verdächtigen Stellen unter Umständen eine Probe – eine sogenannte Biopsie, die in einem spezialisierten Labor untersucht wird [1].
Verdacht auf weißen Hautkrebs
Das gilt besonders bei Verdachtsfällen für weißen Hautkrebs: Bei Verdacht auf Basalzellkarzinome oder Plattenepithelkarzinome erfolgt häufig eine chirurgische Entfernung der auffälligen Stelle [4].
Nur bei fortgeschrittenen oder besonders komplizierten Fällen werden zusätzlich Fachärztinnen bzw. Fachärzte für Krebs (Onkologie) in die Behandlung einbezogen [4].
Verdacht auf schwarzen Hautkrebs
Besteht der Verdacht auf ein malignes Melanom, entfernen Hautärztinnen und Hautärzte meist das gesamte Muttermal mit einem kleinen Sicherheitsrand von wenigen Millimetern. Das entnommene Gewebe wird anschließend histologisch untersucht [3].
Sollte sich der Verdacht bestätigen, richtet sich die weitere Behandlung nach der Dicke und Ausbreitung des Tumors [3].
Weitere Hautscreening-Methoden
Außer der Blickdiagnose und der Dermatoskopie gibt es noch weitere Screeningmethoden. Das sind etwa die sequenzielle digitale Dermatoskopie, bei der die Daten digital gespeichert werden für spätere Vergleiche einer Entwicklung. Weitere Methoden sind etwa die konfokale Laserscanningmikroskopie, die elektrische Impedanzspektroskopie oder die Multiphotonenlasertomografie – allesamt feinere Diagnostikmethoden, um insbesondere Verdachtsfälle für maligne Melanome genauer untersuchen zu können [3].
Diese Verfahren sind jedoch in der Regel keine Standardbestandteile des gesetzlichen Hautkrebsscreenings, sondern werden vor allem in spezialisierten dermatologischen Praxen eingesetzt [3].