Erwerbsminderung durch Krebs

Erwerbsminderungsrente bei Krebs: Das sollten Sie wissen

In einigen Fällen schaffen es Menschen nach einer Krebserkrankung vorübergehend oder dauerhaft nicht mehr, arbeiten zu gehen. Dann haben sie gegebenenfalls Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente. Unter welchen Umständen wird sie ausgezahlt und wie hoch ist sie?

Von Julia Brandt 15.06.2023 · 14 Uhr
Ein älterer Mann informiert sich am Laptop | © AdobeStock-335750576
Copyright: AdobeStock-335750576

Es gibt viele Möglichkeiten und Hilfen, die Krebskranken nach überstandener Krankheit beim Wiedereinstieg in den Beruf helfen. Ein betriebliches Wiedereingliederungsmanagement zum Beispiel bereitet den Weg zurück in den alten Job.

Falls eine Rückkehr an den vorherigen Arbeitsplatz nicht möglich ist, ist oftmals eine Umschulung eine Alternative, um in einer anderen Tätigkeit weiterzuarbeiten.

Doch manchmal funktioniert auch das nicht. Manche Krebspatient:innen leiden zum Beispiel unter chronischer Müdigkeit, Mediziner:innen nennen dies Fatigue. Sie schaffen es nicht, sich für eine längere Zeit auf einen Job zu konzentrieren.

Falls Sie kaum noch oder gar nicht mehr in der Lage sein sollten, einem Beruf nachzugehen, besteht die Möglichkeit, eine Frührente wegen Ihrer Krebserkrankung zu beantragen. Das ist der umgangssprachliche Begriff, offiziell heißt diese Option Erwerbsminderungsrente. Sie wird zum Beispiel bei Schwerbehinderung durch Krebs gezahlt.

Das verbirgt sich hinter einer Erwerbsminderungsrente

Viele Menschen sind nach ihrer Krebserkrankung noch im erwerbsfähigen Alter, also noch nicht alt genug, um in Rente oder die reguläre Frührente zu gehen – das ist erst kurz vor dem offiziellen Renteneintritt möglich. Wenn sie jedoch aufgrund der Erkrankung nicht mehr arbeiten können, brauchen sie eine andere finanzielle Absicherung. Das soll die Erwerbsminderungsrente nach dem Krebs leisten.

Gesetzlich Rentenversicherte haben einen Anspruch auf eine volle Erwerbsminderungsrente wegen einer Krebserkrankung – wenn sie es nicht mehr schaffen, drei Stunden oder mehr am Tag zu arbeiten. Falls Sie noch ein bisschen arbeiten können, aber deutlich weniger als vor dem Krebs, können Sie einen Teil der Krebsfrührente beantragen. Eine solche teilweise Erwerbsminderung ist möglich, wenn Sie mehr als drei, aber weniger als sechs Stunden täglich arbeiten können.

Um eine Erwerbsminderungsrente nach dem Krebs zu bekommen, müssen Sie nachweisen, dass Sie auf absehbare Zeit nicht mehr oder nicht mehr voll arbeitsfähig sind. Auch eine medizinische oder berufliche Rehabilitation bietet dann keine Aussicht, dass Sie Ihren Lebensunterhalt wieder selbst bestreiten.

Außerdem wird eine Frührente nach Krebs nur gezahlt, wenn Sie vor dem Eintritt der Erwerbsminderung mindestens fünf Jahre lang in der Rentenversicherung versichert waren. Innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Erwerbsminderung müssen Sie zudem mindestens drei Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Das ist zum Beispiel bei angestellten Beschäftigten in der Regel der Fall.

So hoch ist die Erwerbsminderungsrente

Die Erwerbsminderungsrente ist dazu gedacht, das Einkommen zu ersetzen, wenn Sie es aufgrund Ihrer Krebserkrankung nicht mehr schaffen, den Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Wie hoch die Erwerbsminderungsrente ist, wird anhand verschiedener Faktoren individuell berechnet. Grundlage der Berechnung sind:

  • Die persönlichen Entgeltpunkte: Die Basis hierfür ist das Einkommen, das Sie in der Vergangenheit erzielt haben und für das Sie Rentenbeiträge entrichtet haben. Das Einkommen wird ins Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen aller Beitragszahler:innen gesetzt.
  • Der Rentenartfaktor: Er richtet sich danach, ob eine volle oder teilweise Erwerbsminderung vorliegt. Bei einer vollen Erwerbsminderung ist der Rentenartfaktor 1,0.
  • Der aktuelle Rentenwert: Dieser wird jedes Jahr anhand der Lohn- und Rentenentwicklung bestimmt.

Ein Beispiel: Wenn Sie 25 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, in den alten Bundesländern leben, voll erwerbsunfähig sind und vor der Erwerbsminderung durchschnittlich gut verdient haben, haben Sie ab dem 1. Juli 2022 einen Anspruch auf 900,50 Euro Erwerbsminderungsrente im Monat. In den neuen Bundesländern wäre es etwas weniger: 888,00 Euro.

Bei jungen Menschen, die erst wenige Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, gibt es eine sogenannte Zurechnungszeit. Sie hebt die Höhe der Erwerbsminderungsrente nach der Krebserkrankung im Verhältnis an.

So viel dürfen Sie zu Ihrer Erwerbsminderungsrente dazuverdienen

Die Erwerbsminderungsrente ersetzt das Einkommen nur teilweise. Manche möchten sich daher etwas dazuverdienen. Und das geht – bis zu einem bestimmten Maß. Wenn Sie die volle Erwerbsminderungsrente bekommen, dürfen Sie durch Nebenjobs bis zu 6.300 Euro im Jahr hinzuverdienen. Außerdem müssen Sie unter einer täglichen Arbeitszeit von drei Stunden bleiben.

Krebskranke, die eine teilweise Erwerbsminderung haben, arbeiten in der Regel auch in Teilzeit – dürfen dies aber auch nur bis zu sechs Stunden täglich, um ihren Rentenanspruch zu behalten. Wie viel Sie durch die Teilzeitarbeit hinzuverdienen dürfen, wird individuell berechnet.

Auszahlungsdauer der Erwerbsminderungsrente bei Krebs

Wie lange eine Erwerbsminderungsrente bei einer Krebserkrankung gezahlt wird, ist unterschiedlich. Grundsätzlich gilt: so lange wie nötig. Bei teilweiser Erwerbsminderung ist der Bezugszeitraum oft individuell befristet und wird dann gegebenenfalls verlängert.

Dahinter steht die Frage, ob sich Ihre Gesundheit doch wieder verbessert, sodass Sie ins Arbeitsleben zurückkehren können. Wenn Sie eine volle Erwerbsminderung haben, beziehen Sie die Frührente bei Krebs in der Regel ohne Befristung.

Es gibt Fälle, in denen es den Patient:innen Jahre nach Eintritt der Erwerbsminderung besser geht und sie in der Lage sind, teilweise oder sogar voll wieder zu arbeiten. Wenn Sie auch dazugehören, versiegt Ihr Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente zum Teil oder auch vollständig. Und damit stehen Ihnen die Tore offen, um wieder ins Berufsleben einzusteigen.

Zusammenfassung Wenn Sie nach Ihrer Krebserkrankung nicht mehr oder nur noch teilweise arbeiten können, haben Sie gegebenenfalls die Möglichkeit, eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen. Sie ersetzt einen Teil des Einkommens und wird so lange gezahlt, wie sie gebraucht wird. Wenn sich Ihr Gesundheitszustand bessert, besteht die Möglichkeit, den Empfang der Erwerbsminderungsrente zu beenden und wieder arbeiten zu gehen.

Artikelempfehlungen

Eine ältere Frau schaut nachdenklich | © AdobeStock-138899879
Zurück ins Leben

Nach der Therapie: Wie bewältige ich den Krebs psychisch?

Die Behandlung ist überstanden und doch fällt die Rückkehr zur Normalität schwer? Kein Wunder, denn die psychische Belastung bleibt auch nach einer Krebserkrankung hoch. Was kann Ihnen jetzt helfen, die Situation und die damit verbundenen Ängste besser zu bewältigen?

von Julia Brandt
Ein älterer Mann steht lächelnd auf einer Brücke. | © AdobeStock_64602766
Leben mit Prostatakrebs

Alltag und Leben meistern mit Prostatakrebs

Beruf, Partnerschaft, Alltag: Das Leben mit Prostatakrebs bedeutet in vielen Bereichen eine Umstellung. Ein aktiver Lebensstil und Unterstützung von außen können dabei helfen, diese zu meistern.

von Julia Brandt
Ein älterer Mann betrachtet ein Smartphone | © GettyImages-992023136
App für Krebspatient*Innen

Hilfe beim Umgang mit Krebs. Ein Artikel von gesund.de

Neben der Erkrankung an sich ist auch die Behandlung für Betroffene herausfordernd. Die Auswirkungen auf den Alltag sind enorm – doch es gibt Hilfsangebote.

Anzeige