Eine Krebserkrankung belastet nicht allein den Körper – auch die Psyche ist von der Krebsdiagnose betroffen. Stress und Ängste nehmen leicht überhand. Das sollten Sie nicht zulassen. Denn: Auch Krebspatient:innen können und dürfen sich seelisch gut fühlen, wenn der erste Schock überstanden ist. Nur, wie gelingt das? Expert:innen unterscheiden verschiedene Phasen der Verarbeitung nach einer Krebsdiagnose. Angelehnt an ein Modell der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross benennen sie meist fünf Phasen der Krankheitsbewältigung: Ignoranz, Verärgerung, Verhandlung, Depression und schließlich Akzeptanz [1] [2].
Die fünf Phasen der Krankheitsbewältigung
Psychoonkolog:innen beobachten, dass viele Menschen nach einer Krebsdiagnose bestimmte emotionale Reaktionen erleben. Häufig wird dabei auf das Modell der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross verwiesen, das ursprünglich für die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod entwickelt wurde. Heute dient es eher als Orientierungshilfe denn als starre Beschreibung eines festen Verlaufs [1] [2].
Zu den häufig beschriebenen Reaktionen gehören:
Ungläubigkeit und Verdrängung
Unmittelbar nach der Diagnose fällt es vielen Menschen schwer, die Nachricht zu akzeptieren. Manche hoffen auf eine Verwechslung oder einen Irrtum. Diese erste Reaktion kann der Psyche helfen, sich schrittweise an die neue Situation anzupassen [1] [2].
Wut und Verärgerung
Viele Betroffene fragen sich: „Warum gerade ich?“ Wut, Frustration und Ärger sind häufige Reaktionen auf die empfundene Ungerechtigkeit der Situation. Hinter diesen Gefühlen stehen oft Hilflosigkeit, Angst und Verzweiflung [1] [2].
Hoffnung und Suche nach Kontrolle
Mit zunehmender Auseinandersetzung mit der Erkrankung suchen viele Menschen nach Möglichkeiten, selbst Einfluss zu nehmen. Sie informieren sich über ihre Erkrankung, achten stärker auf ihren Lebensstil oder entwickeln konkrete Pläne für die Behandlung. Dies kann helfen, das Gefühl von Kontrolle zurückzugewinnen [1] [2].
Trauer und Niedergeschlagenheit
Eine Krebsdiagnose bedeutet häufig den Verlust von Selbstverständlichkeiten und Zukunftsvorstellungen. Viele Betroffene trauern um das bisherige Leben oder sorgen sich um die Zukunft. Solche Gefühle können während der gesamten Krankheitsbewältigung immer wieder auftreten [1] [2].
Akzeptanz
Mit der Zeit gelingt es vielen Menschen, die Erkrankung als Teil ihres Lebens anzunehmen. Akzeptanz bedeutet nicht, die Krankheit gutzuheißen, sondern einen Umgang mit ihr zu finden und das Leben trotz der neuen Herausforderungen aktiv zu gestalten [1] [2].
Wichtig ist: Nicht alle Betroffenen erleben diese Reaktionen, und sie treten weder zwangsläufig noch in einer bestimmten Reihenfolge auf. Manche Gefühle stehen nur kurz im Vordergrund, andere kehren immer wieder zurück. Es gibt kein „richtiges“ oder „falsches“ Verarbeiten einer Krebsdiagnose [1] [2].
Diese Tipps helfen Ihnen bei der Verarbeitung
Sie werden Ihren eigenen Weg finden, mit der Krebserkrankung umzugehen. Diese Tipps können Ihnen dabei helfen [1] [2].
Setzen Sie sich selbst an erste Stelle: Wann fühlen Sie sich endlich wieder gut? Klar ist, dass der Prozess zur Krankheitsakzeptanz Zeit benötigt. Diese Zeit müssen Sie sich nehmen – um Ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und in den Mittelpunkt zu stellen: Seien Sie gut zu sich selbst! Das gilt sowohl psychisch als auch physisch. Sie fühlen sich schlecht, obwohl es Ihnen körperlich gerade gut geht? Das ist ganz normal, weil sie viel zu bewältigen haben. Sie sollten sich jetzt ganz auf sich selbst konzentrieren [1] [2].
Selbstwirksamkeit stärken: Die Krankheitsakzeptanz steigt, wenn Sie zum Experten oder zur Expertin für das eigene Wohlbefinden werden! Deshalb sollten Sie auch die Behandlung der Krankheit aktiv begleiten: Besprechen Sie mit Ihren Ärzt:innen, was geplant ist, welche Schritte als Nächstes anstehen, und fragen Sie nach, wenn etwas unklar bleibt. Das stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit: Sie sind dem Schicksal nicht mehr hilflos ausgeliefert, sondern können Ihren Umgang mit dem Krebs gut informiert gestalten [1] [2].
Unterstützung finden: Sich zeitweise zurückzuziehen, ist Teil der Krankheitsbewältigung bei Krebs. Nur: Es tut nicht gut, sich zu lange abzukapseln. Ängste können dadurch wachsen. Deshalb brauchen Sie Strategien, Ihre Psyche bei Krebs zu stärken – sogenannte Anpassungsstrategien. Vielen Patient:innen hilft es, sich zu erinnern, was ihnen in der Vergangenheit Kraft gegeben hat. Verbringen Sie Zeit mit genau diesen Menschen und Dingen. Genauso wichtig ist es, über konkrete Sorgen sprechen zu können. Klappt das in der Familie oder im Freundeskreis nicht, bieten sich Selbsthilfegruppen an. Auch professionelle Expert:innen wie Psychoonkologen können eine wichtige Unterstützung sein [1] [2].
Optimistisch bleiben: Eine optimistische Grundeinstellung macht es leichter, mit der Krankheitsbewältigung klarzukommen. Vertrauen Sie Ihrem Körper und Ihren Ärzt:innen, schmieden Sie Zukunftspläne. Allerdings: Nicht jedem liegt das positive Denken. Wenn Verwandte oder Freunde dann auf einer „Du schaffst das“-Einstellung bestehen, entsteht womöglich unnötiger Druck. Natürlich haben auch Zweifel und Sorgen einen berechtigten Platz in Ihrem Gefühlsleben. Sollten die negativen Gefühle jedoch überwiegen, helfen Expert:innen dabei, die Psyche zu stärken und die Krebsdiagnose zu verarbeiten, etwa Psychoonkolog:innen [1] [2].
Krankheitsbewältigung beeinflusst die Lebensqualität – nicht die Heilung
Wissenschaftliche Studien haben bislang keinen Nachweis erbracht, dass positives Denken, eine besonders kämpferische Einstellung oder bestimmte Bewältigungsstrategien den Krankheitsverlauf oder die Heilungschancen direkt verbessern. Sie können jedoch einen wichtigen Beitrag zum psychischen Wohlbefinden und zur Lebensqualität leisten [1] [2].
Deshalb lohnt es sich, aktiv nach Wegen zu suchen, die eigene Lebensfreude zu erhalten. Viele Betroffene berichten, dass sie im Laufe der Zeit neue Prioritäten entwickeln, Beziehungen bewusster erleben und positive Momente intensiver wahrnehmen als vor der Erkrankung [1] [2].