Unsere Lungen sorgen für den Gasaustausch zwischen Atemluft und Blut: Sauerstoff gelangt ins Blut, Kohlendioxid wird ausgeatmet. Die Atemluft strömt über die Luftröhre (Trachea) in die beiden Hauptbronchien. Diese verzweigen sich in immer feinere Bronchien und Bronchiolen, an deren Ende die Lungenbläschen (Alveolen) liegen – dort findet der eigentliche Gasaustausch statt. Der rechte Lungenflügel besteht aus drei, der linke aus zwei Lungenlappen. Lungenkrebs kann in allen Bereichen der Lunge entstehen. Am häufigsten geht er von den Zellen aus, die die Bronchien auskleiden; daher auch der Fachbegriff Bronchialkarzinom [1].
Welche Symptome und Beschwerden verursacht Lungenkrebs?
Im frühen Stadium verursacht Lungenkrebs nur selten Beschwerden. Kleine Tumoren werden fast immer zufällig entdeckt, etwa bei einer Röntgenaufnahme aus einem anderen Anlass. Mögliche Warnzeichen sind anhaltender Husten, Atemnot, Schmerzen in der Brust, blutiger Auswurf, Schwäche, Fieber und ungewollter Gewichtsverlust. Hat sich der Tumor bereits ausgebreitet, können auch Knochenschmerzen oder neurologische Beschwerden wie Kopfschmerzen auftreten. Alle diese Anzeichen können jedoch auch andere, oft harmlosere Ursachen haben – etwa eine chronische Bronchitis [2].
Zögern Sie nicht: Gehen Sie mit anhaltenden oder unklaren Beschwerden zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Das gilt besonders, wenn Sie rauchen oder geraucht haben. Je früher Lungenkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen [2].
Wie häufig ist Lungenkrebs?
Im Jahr 2023 erkrankten in Deutschland rund 24.850 Frauen und 33.490 Männer neu an Lungenkrebs; 18.349 Frauen und 26.614 Männer starben daran. Die altersstandardisierten Erkrankungs- und Sterberaten sinken bei Männern seit Ende der 1990er-Jahre, während sie bei Frauen im gleichen Zeitraum gestiegen sind [3].
Fachleute erklären diese gegenläufige Entwicklung mit dem veränderten Rauchverhalten in der Vergangenheit, denn Tabakrauch ist der wichtigste Risikofaktor [3]. Im Jahr 2025 rauchten in Deutschland 22,4 Prozent der Männer und 15,8 Prozent der Frauen ab 15 Jahren zumindest gelegentlich. Unter den 15- bis 24-Jährigen ist der Anteil der Rauchenden zuletzt wieder leicht gestiegen [4].
Welche Risikofaktoren für Lungenkrebs gibt es?
Der mit Abstand wichtigste Risikofaktor ist das Rauchen: Bei Männern sind etwa neun von zehn, bei Frauen etwa acht von zehn Lungenkrebserkrankungen darauf zurückzuführen [3]. Das Risiko steigt, je früher Sie mit dem Rauchen beginnen, je länger und je mehr Sie rauchen – ob Zigaretten, Zigarren oder Pfeife. Die Dauer des Rauchens wiegt dabei am schwersten. Sogenannte leichte Zigaretten oder weniger Zigaretten am Tag senken das Risiko nicht verlässlich; wirksam ist nur der Rauchstopp [5].
Auch Nichtraucherinnen und Nichtraucher, die regelmäßig Tabakrauch einatmen, haben ein erhöhtes Risiko: Passivrauchen kann ebenfalls Lungenkrebs verursachen. Etwa 9 bis 15 Prozent der Lungenkarzinome gehen auf krebserregende Stoffe am Arbeitsplatz zurück, zum Beispiel Asbest, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Quarz- oder Nickelstäube; sie können als Berufskrankheit anerkannt werden. Unter den Luftschadstoffen sind Feinstaub und Dieselabgase am bedeutsamsten [3].
Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das in einigen Regionen Deutschlands verstärkt aus dem Boden austritt – etwa im Harz, im Bayerischen Wald, im südlichen Schwarzwald und im Erzgebirge. Es kann sich in schlecht abgedichteten Kellern und Erdgeschossräumen anreichern. Regelmäßiges Lüften und bauliche Maßnahmen senken die Belastung. Schließlich kann auch eine familiäre Häufung von Lungenkrebs das Risiko erhöhen; ob dahinter erbliche Faktoren oder gemeinsame Lebensumstände stehen, ist bislang nicht geklärt [5].
Wichtig: Wenn Sie solchen Risikofaktoren ausgesetzt sind und Beschwerden wie anhaltenden Husten, Auswurf oder Atemnot bemerken, sollten Sie ärztlichen Rat einholen [2].
In welchem Alter ist Lungenkrebs am häufigsten?
Lungenkrebs tritt vor allem im höheren Lebensalter auf: Frauen und Männer sind bei der Diagnose im Mittel 70 Jahre alt [1]. Dennoch können auch jüngere Menschen erkranken, insbesondere wenn sie früh mit dem Rauchen begonnen haben oder am Arbeitsplatz krebserregenden Stoffen ausgesetzt waren [5].
Wie schnell entsteht Lungenkrebs?
Wie lange es dauert, bis Lungenkrebs entsteht, lässt sich nicht pauschal sagen. Bevor aus einer gesunden Zelle eine Krebszelle wird, verändert sich ihre Erbinformation – ausgelöst durch Risikofaktoren wie Tabakrauch, manchmal aber auch rein zufällig. Bei einzelnen Betroffenen lässt sich die Ursache daher meist nicht sicher bestimmen [5].
Oft vergehen Jahre bis Jahrzehnte. Ein Beispiel: Reizt Zigarettenrauch die Schleimhaut der Atemwege immer wieder, kann sich deren Deckschicht umbauen. Das allein ist noch kein Krebs, kann aber eine Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms sein [6]. Auch bereits entstandene Tumoren wachsen unterschiedlich schnell: Kleinzelliger Lungenkrebs etwa wächst oft rasch und bildet früh Metastasen [1].
Gibt es eine Früherkennung für Lungenkrebs?
Ja – seit April 2026 für Menschen mit besonders hohem Risiko. Wenn Sie zwischen 50 und 75 Jahre alt sind, keine Beschwerden haben und als starke Raucherin oder starker Raucher gelten, können Sie jährlich eine strahlungsarme Computertomografie (Niedrigdosis-CT) in Anspruch nehmen. Als stark rauchend gilt, wer mindestens 25 Jahre lang Zigaretten geraucht hat (bei einer Rauchpause von weniger als zehn Jahren) und auf mindestens 15 Packungsjahre kommt. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten. Wer am Screening teilnimmt und raucht, soll zusätzlich Unterstützung beim Rauchstopp erhalten [2].
Die Untersuchung kann die Sterblichkeit an Lungenkrebs senken, hat aber auch Nachteile, etwa falsch-positive Befunde und Überdiagnosen. Lassen Sie sich daher vorab in Ihrer Hausarztpraxis über Nutzen und Risiken beraten. Andere Verfahren wie ein Röntgenbild des Brustkorbs, Sputum-Untersuchungen oder Tumormarker sind zur Früherkennung nicht geeignet [2].
Wie erkennen Ärztinnen und Ärzte Lungenkrebs?
Haben Sie Beschwerden oder sind Sie Risikofaktoren ausgesetzt, ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle. Im Gespräch fragt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach Ihren Beschwerden, Ihren Rauchgewohnheiten, Lungenkrebs in der Familie sowie nach beruflichen und umweltbedingten Belastungen. Es folgt eine körperliche Untersuchung. Zur weiteren Abklärung werden Sie in der Regel an eine pneumologische Fachpraxis oder eine spezialisierte Klinikambulanz überwiesen. Erste Hinweise liefert eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs; genauer ist die Computertomografie (CT) [6].
Erhärtet sich der Verdacht, werden Gewebeproben entnommen (Biopsie). Die wichtigste Methode ist die Lungenspiegelung (Bronchoskopie), bei der ein biegsamer Schlauch mit Kamera über Mund oder Nase in die Atemwege geführt wird. Liegt der Herd weiter außen in der Lunge, kann die Probe auch mit einer dünnen Hohlnadel durch die Brustwand gewonnen werden – meist unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle. Im Labor bestimmen Pathologinnen und Pathologen anschließend den genauen Tumortyp. Beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs wird das Gewebe zudem auf molekulare Merkmale (Biomarker) wie EGFR, ALK, ROS1 oder PD-L1 untersucht, die für die Wahl zielgerichteter Therapien und Immuntherapien wichtig sind [6].
Um die Ausbreitung zu bestimmen, folgen weitere Untersuchungen, zum Beispiel PET-CT, MRT des Kopfes, CT des Oberbauchs oder eine Spiegelung des Mittelfellraums (Mediastinoskopie) [6].
Welche Arten von Lungenkrebs gibt es?
Anhand der feingeweblichen Untersuchung (Histologie) unterscheiden Fachleute zwei Hauptgruppen: das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC, englisch: non-small cell lung cancer) und das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC, englisch: small cell lung cancer). Verlauf und Behandlung der beiden Formen unterscheiden sich deutlich. Etwa 80 bis 85 von 100 Betroffenen haben ein nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom; es wird weiter unterteilt [6]:
- Adenokarzinom: Es geht von drüsenartigen Zellen aus, unter anderem in den Lungenbläschen, und ist mit gut 40 Prozent die häufigste Form von Lungenkrebs. Es kommt bei Raucherinnen und Rauchern vor, ist aber auch bei Nichtrauchenden die häufigste Lungenkrebsart [6].
- Plattenepithelkarzinom: Es entsteht aus der Deckschicht der Schleimhaut, die die Atemwege auskleidet, und macht rund ein Fünftel der Fälle aus. Die meisten Betroffenen rauchen oder haben geraucht [6].
- Großzelliges Karzinom: In diese Gruppe fallen nicht-kleinzellige Tumoren, die sich weder den Adeno- noch den Plattenepithelkarzinomen zuordnen lassen [6].
Auf das kleinzellige Lungenkarzinom entfallen in Deutschland etwa 15 Prozent aller Fälle. Es geht von hormonbildenden (neuroendokrinen) Zellen aus, betrifft ganz überwiegend Raucherinnen und Raucher und hat wegen seiner frühen Neigung zur Metastasierung die ungünstigste Prognose [3, 6].
Lungenmetastasen sind nicht mit Lungenkrebs zu verwechseln: Hier liegt der Ursprungstumor in einem anderen Organ, etwa der Brust, und Krebszellen haben sich über Blut oder Lymphe in der Lunge angesiedelt. Sie werden anders behandelt als Lungenkrebs [1].
Welche Stadien gibt es bei Lungenkrebs?
Ärztinnen und Ärzte beschreiben die Ausdehnung der Erkrankung mit der international einheitlichen TNM-Klassifikation: T steht für Größe und Ausdehnung des Primärtumors, N für den Befall von Lymphknoten (lateinisch nodus, Knoten) und M für Fernmetastasen. Entscheidend beim N ist nicht die Zahl, sondern die Lage der befallenen Lymphknoten – also ob sie nahe am Tumor, im Mittelfellraum (Mediastinum) oder auf der Gegenseite liegen. Aus der TNM-Einstufung ergeben sich die Stadien 0 bis IV, die noch weiter unterteilt werden (zum Beispiel IIIA und IIIB) [6, 7].
- Stadium I: Der Tumor ist örtlich begrenzt und höchstens 4 cm groß; Lymphknoten und andere Organe sind nicht befallen [6, 7].
- Stadium II: Der Tumor ist größer (bis 7 cm) oder wächst in benachbartes Gewebe wie Brustwand oder Rippenfell ein – oder er ist kleiner, hat aber bereits Lymphknoten nahe der Lunge befallen. Fernmetastasen gibt es nicht [6, 7].
- Stadium III: Der Tumor ist größer als 7 cm oder in Nachbarorgane wie Zwerchfell, Herz oder große Blutgefäße eingewachsen, und/oder Lymphknoten im Mittelfellraum oder auf der Gegenseite sind befallen. Fernmetastasen gibt es nicht. Stadium IIIA ist oft noch operabel, IIIB meist nicht [6, 7].
- Stadium IV: Es liegen Fernmetastasen vor – unabhängig von Größe und Lage des Tumors. Bei IVA finden sich Absiedlungen innerhalb des Brustraums oder eine einzelne Metastase außerhalb, bei IVB mehrere Metastasen in einem oder mehreren Organen [6, 7].
Eine vorläufige Einstufung nach den Voruntersuchungen wird mit „c“ (klinisch) gekennzeichnet, eine endgültige nach Operation und feingeweblicher Untersuchung mit „p“ (pathologisch). Die Angaben in Ihrem Arztbrief sind eine wichtige Grundlage für die Behandlungsplanung [6, 7].
Wie ist die Prognose bei Lungenkrebs?
Weil Lungenkrebs anfangs kaum Beschwerden verursacht, wird er oft erst spät entdeckt. Deshalb sind die Überlebenschancen trotz moderner Behandlung im Vergleich zu vielen anderen Krebsarten eher niedrig: Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei Frauen bei rund 25 Prozent, bei Männern bei rund 19 Prozent. „Relativ“ bedeutet: Das Überleben der Erkrankten wird mit dem Überleben gleichaltriger Menschen in der Allgemeinbevölkerung verglichen. Die Zahl lässt sich daher nicht einfach so lesen, dass von 100 erkrankten Frauen 75 an Lungenkrebs gestorben sind [3].
Grundsätzlich gilt: Je früher der Tumor entdeckt wird – solange er örtlich begrenzt ist und noch nicht gestreut hat –, desto besser sind die Heilungschancen. Kleinzelliger Lungenkrebs hat wegen seiner frühen Metastasierung meist eine ungünstigere Prognose als nicht-kleinzelliger [1, 3]. Wie lange eine einzelne Person nach der Diagnose lebt, kann niemand sicher vorhersagen. Zielgerichtete Therapien und Immuntherapien haben die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren deutlich erweitert [1].
Wo finden Sie Rat und Hilfe?
Bei unklaren Beschwerden oder wenn Sie Risikofaktoren ausgesetzt sind, ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle. Je nach Fragestellung werden Fachärztinnen und Fachärzte für Lungenheilkunde (Pneumologie), Krebsmedizin (Onkologie) oder bildgebende Diagnostik (Radiologie) hinzugezogen [6].
Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen und Freundinnen und Freunden hilft oft auch der Austausch mit Menschen in ähnlichen Lebenssituationen. Möglich ist das zum Beispiel über den Bundesverband Selbsthilfe Lungenkrebs e. V., der die Lungenkrebs-Selbsthilfegruppen in Deutschland bündelt [8].