Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom): Nebenwirkungen der Therapie

Wie bei jeder anderen medizinischen Behandlung können auch bei der Therapie von Eierstockkrebs Nebenwirkungen auftreten. Sie können betroffene Frauen zusätzlich belasten. Die gute Nachricht: Viele Therapie-Beschwerden lassen sich wirksam lindern – und Sie können selbst einiges tun, um Lebensqualität und Wohlbefinden positiv zu beeinflussen.

Von Redaktion 19.11.2025 · 16:18 Uhr
Eine erschöpft wirkende Frau. | © AdobeStock_64352559
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Viele Patientinnen fürchten sich vor möglichen Nebenwirkungen der Eierstockkrebs-Therapie. Ob und falls ja welche Beschwerden die Behandlungen in welchem Ausmaß verursachen, hängt stark von der Therapie ab, die die behandelnden Ärzt:innen einsetzen. Hinzu kommt die individuelle gesundheitliche Situation jeder einzelnen Patientin. Grundsätzlich gilt hier: Viele Therapie-Nebenwirkungen lassen sich gut behandeln.

Im Rahmen einer Operation entfernen die Chirurg:innen einen oder beide Eierstöcke nebst Eileiter. Falls benachbarte Organe, Teile von Organen oder Lymphknoten auch vom Eierstockkrebs befallen sind, müssen diese ebenfalls operativ entfernt werden. Nach der OP braucht es erst mal längere Zeit, bis alle Nähte verheilt sind. In Folge der OP können operierte Frauen Narben im Bauchraum bilden, sogenannte Verwachsungen (Adhäsionen). Das können beispielsweise Bauchschmerzen, Verdauungsprobleme und/oder ein sogenannter Bauchwandbruch sein. Dieser äußert sich als schmerzhafte Vorwölbung. Verwachsungen sind zwar häufig, aber ein Bauchwandbruch tritt nur selten auf.

Lymphödeme: Nebenwirkung von Eierstockkrebs-Therapie und Krebserkrankung behandeln

Durch die Entfernung von Lymphknoten, die ausgedehnte Bestrahlung des Eierstockkrebs, aber auch durch die Erkrankung selbst kann es zu sogenannten Lymphödemen kommen. Das sind Ansammlungen von Gewebeflüssigkeit. Heutzutage bekommen nur noch wenige Krebspatientinnen solche Lymphödeme, da es mittlerweile bei den meisten Operationen und Strahlentherapien gelingt, die Lymphgefäße zu schonen, die die Lymphknoten einbetten. Wie hoch das Risiko ist, hängt von der individuellen Situation und der Operationstechnik ab. 

Sollten Sie dennoch von Lymphödemen betroffen sein, können Sie – gemeinsam mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin – durch eine kombinierte Behandlung aus Bewegungstherapie, Lymphdrainage, der richtigen Hautpflege und Kompression gegensteuern und Abhilfe schaffen. Lassen Sie sich hierzu von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zur geeigneten Therapiekombination beraten.

Wechseljahresbeschwerden durch die Eierstockkrebs-OP: Hormontherapie als Option

Falls Sie jünger sind, noch Ihre Regelblutungen haben und wenn bei Ihnen beide Eierstöcke entfernt werden müssen, werden Sie durch die Eierstockkrebs-Operation frühzeitig und direkt in die Wechseljahre versetzt. Denn jetzt fehlen Ihrem Körper die Eierstöcke als Produktionsort für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Es kann also sein, dass Sie plötzlich Wechseljahresbeschwerden bekommen. Falls Sie stark unter diesen Beschwerden leiden, kann hier eine Hormontherapie hilfreich sein. 

Lassen Sie sich hierzu ausführlich von Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt beraten und entscheiden Sie gemeinsam. Laut Leitlinie ist eine Hormontherapie bei Ovarialkarzinom nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung möglich, da sie potenziell hormonabhängige Tumoren beeinflussen könnte.

Verändertes Sexualleben durch Eierstockkrebs und seine Therapie

Durch den Eierstockkrebs und seine Behandlung kommt es fast immer zu körperlichen Veränderungen und psychischen Belastungen. Diese können sich auf Ihr Sexualleben auswirken, was in dieser herausfordernden Situation nur zu verständlich ist. Die Belastungen können die Lust auf Sexualität dämpfen und manchmal sogar vorübergehend unmöglich machen. Wichtig ist, dass Sie hierüber nicht sprachlos werden, sondern das Gespräch mit Ihrem Partner oder Partnerin suchen. Erkrankte Frauen, die alleine leben, befürchten nicht selten, dass sie keine neue Beziehung mehr eingehen können. Egal ob Single oder in einer Beziehung lebend: Beraten Sie sich ausführlich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu Möglichkeiten der Unterstützung.

Fatigue in Folge der Eierstockkrebs-Therapie richtig behandeln 

Jedem ist klar, dass eine Eierstockkrebs-Therapie anstrengend und ermüdend ist. Viele Patient:innen entwickeln jedoch durch die Behandlung eine sogenannte Fatigue. Dabei handelt es sich um eine starke Erschöpfung. Typisch ist, dass sie sich weder durch Ausschlafen oder Schonung verbessert. Expert:innen unterscheiden hier zwei Fatigue-Formen: die „akute Fatigue“, die während oder kurz nach der Krebstherapie auftritt, und die „chronische Fatigue“, bei der die ausgeprägte Erschöpfung noch Monate oder Jahre nach dem Ende der Krebstherapie anhält.

Fatigue kann auch durch Anämie, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder depressive Verstimmungen verstärkt werden. Dies sollten Ihre Ärzt:innen berücksichtigen. 

Gegen eine Fatigue können vor allem Sport und Bewegung helfen. Fachleute sind sich einig: Bewegung ist eindeutig besser als sich zu sehr zu schonen – natürlich immer im Rahmen der individuellen Möglichkeiten. Im ersten Schritt sollten Sie daher immer Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt nehmen und sich zu den Möglichkeiten von Sport und Bewegung trotz Eierstockkrebs und Therapie beraten lassen.

Ärztliche Beratung zu Sport und Bewegung gegen Fatigue

Denn die kennen Ihre persönliche Situation und den individuellen Krankheitsverlauf ganz genau. Sie können Empfehlungen geben, welches Sport- und Bewegungspensum und welche Art von Sport und Bewegung für Sie als Eierstockkrebs-Patienten sinnvoll sind. Berücksichtigen Sie hier unbedingt Ihre eigenen Vorlieben, aber auch, was Sie in puncto Sport und Bewegung nicht mögen: Diese oder ähnliche Fragen können Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt stellen:

  • Sollte ich wieder oder weiterhin (nur) den alltäglichen Aktivitäten nachgehen, zum Beispiel Einkäufe erledigen, den regelmäßigen Wohnungs- oder Hausputz machen, Kochen, Gartenarbeit und Heimwerken?
  • Oder empfiehlt sich für mich ein gezieltes Ausdauertraining? Falls ja, welche Übungen und/oder Sportarten sind hier geeignet?
  • Oder ist es besser, wenn ich verstärkt Krafttraining mache, um meine Muskulatur zu kräftigen? Und falls ja, welche Übungen und/oder welche Formen von Krafttraining sind hier empfehlenswert? 
  • Oder sollte ich sowohl Kraft als auch Ausdauer trainieren? Und wie finde ich hier den passenden Einstieg?
  • Sollte ich gemäßigte Sportarten betreiben oder sind für mich auch intensive(re) Sportarten möglich, vielleicht sogar sinnvoll?
  • Was sollte ich bei Sport und Bewegung vermeiden?

Erkrankung und Eierstockkrebs-Therapie können eine Mangelernährung begünstigen. Achten Sie daher gezielt auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Eine gezielte Ernährungstherapie kann ebenfalls dazu beitragen, einer Mangelernährung bei Eierstockkrebs vorzubeugen oder diese zu behandeln. Beraten Sie sich auch hierzu mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.
 

Zusammenfassung Die Therapie von Eierstockkrebs kann Nebenwirkungen wie Operationsfolgen (Verwachsungen), Lymphödeme, verfrühte Wechseljahresbeschwerden, eine Mangelernährung oder ein verändertes Sexualleben mit sich bringen. Eine häufige Belastung ist die starke Erschöpfung (Fatigue). Viele dieser Nebenwirkungen lassen sich gut und wirksam behandeln. Daher gilt es, bei bestehenden Beschwerden aktiv auf Ihre Ärztin oder Ihren Arzt zuzugehen und sich zu Behandlungsmöglichkeiten beraten zu lassen. Binden Sie auch Ihr Umfeld ein und scheuen Sie sich nicht, sich unterstützen und helfen zu lassen.

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