Etwa drei Viertel aller Blasenkrebserkrankungen werden diagnostiziert, bevor der Tumor in die Muskelschicht der Blasenwand eingewachsen ist. In diesem Stadium sprechen Ärzt:innen von einem nicht-muskelinvasiven Blasenkrebs [1][2][3]. Welche Möglichkeiten der Behandlung haben sie?
Therapie bei nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs
Die Standardbehandlung besteht in einer transurethralen Resektion der Blase (TUR-B). Dabei führt die Ärztin oder der Arzt ein dünnes Endoskop über die Harnröhre in die Blase ein und entfernt den Tumor. Moderne bildgebende Verfahren wie die Fluoreszenzzystoskopie oder das Narrow-Band Imaging können dabei helfen, Tumorgewebe besser sichtbar zu machen und vollständig zu entfernen [1][2][3].
Nach der Operation folgt bei vielen Patient eine intravesikale Therapie, bei der Medikamente direkt in die Blase eingebracht werden. Zum Einsatz kommen meist Chemotherapeutika wie Mitomycin C oder eine Immuntherapie mit dem biologisch abgeschwächten Bakterium Bacillus Calmette-Guérin (BCG). Ziel ist es, verbliebene Krebszellen zu beseitigen und das Risiko eines Rückfalls zu senken [1][2][3].
Für diese Behandlung sind meist mehrere Blaseninstillationen über Wochen oder Monate erforderlich. Da die Medikamente überwiegend lokal in der Blase wirken, sind systemische Nebenwirkungen (Nebenwirkungen, die den ganzen Körper oder mehrere Organe betreffen, weil ein Medikament über den Blutkreislauf im gesamten Organismus wirkt) seltener als bei einer klassischen Chemotherapie. Dennoch können Beschwerden wie Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder Blut im Urin auftreten. Unter einer BCG-Behandlung sind außerdem Fieber und in seltenen Fällen schwerwiegendere Infektionen möglich [1][2][3].
Therapie bei muskelinvasivem Blasenkrebs
Ist der Tumor in die Muskelschicht der Blasenwand eingewachsen, sprechen Ärzt:innen von einem muskelinvasiven Blasenkrebs. In diesem Stadium reicht eine TUR-B (siehe oben) allein in der Regel nicht aus [1][2][3].
Bei Patient:innen, die gesundheitlich dafür geeignet sind, wird vor der Operation häufig eine cisplatinhaltige neoadjuvante Chemotherapie empfohlen. Sie kann den Tumor verkleinern und verbessert nachweislich die langfristigen Überlebenschancen [1][2][3].
Anschließend erfolgt meist die radikale Zystektomie, also die vollständige Entfernung der Harnblase. Dabei werden meist auch die umliegenden Lymphknoten entfernt. Bei Männern umfasst die Operation häufig zusätzlich die Prostata und die Samenblasen. Bei Frauen können je nach Tumorausdehnung unter anderem Gebärmutter, Teile der Scheide und – abhängig von Alter und individueller Situation – auch die Eierstöcke entfernt werden. In ausgewählten Fällen sind heute organerhaltende Operationsverfahren möglich [1][2][3].
Nach der Blasenentfernung wird eine neue Harnableitung angelegt. Je nach individueller Situation kann dies ein Blasenersatz aus Darmgewebe (Neoblase) oder eine andere Form der Harnableitung sein [1][2][3].
Für ausgewählte Patient:innen kommt außerdem eine blasenerhaltende trimodale Therapie infrage. Diese kombiniert eine möglichst vollständige TUR-B mit einer Strahlentherapie und einer begleitenden Chemotherapie [1][2][3].
Wenn Blasenkrebs fortgeschritten ist oder Metastasen gebildet hat
Hat sich der Tumor über die Harnblase hinaus ausgebreitet oder Metastasen (Tochtergeschwülste) gebildet, besteht das Ziel der Behandlung meist darin, das Leben zu verlängern, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten [1][2][3].
Je nach Allgemeinzustand und Tumoreigenschaften kommen verschiedene Medikamente infrage. Dazu gehören Chemotherapien, Immuntherapien, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate und zielgerichtete Therapien [1][2][3].
Eine zielgerichtete Behandlung mit Erdafitinib ist nur für Patient:innen geeignet, deren Tumor bestimmte Veränderungen der Gene FGFR2 oder FGFR3 aufweist. Deshalb ist vor Beginn dieser Therapie eine molekulargenetische Untersuchung des Tumors erforderlich [1][2][3].
Für manche Patient:innen stehen zudem moderne Antikörper-Wirkstoff-Konjugate zur Verfügung. Diese verbinden einen Antikörper, der gezielt Krebszellen erkennt, mit einem Zellgift, das direkt in die Tumorzellen eingeschleust wird. Dadurch lassen sich Krebszellen gezielter bekämpfen als mit einer klassischen Chemotherapie [1][2][3].
Immuntherapie
Die Immuntherapie hat die Behandlung des fortgeschrittenen Blasenkrebses in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Sogenannte Checkpoint-Inhibitoren, das sind spezifisch wirksame Arzneimittel, lösen die natürlichen Bremsen des Immunsystems und ermöglichen es den körpereigenen Abwehrzellen, Krebszellen besser zu erkennen und zu bekämpfen [1][2][3].
Für bestimmte Patient:innen kommen unter anderem Wirkstoffe wie Pembrolizumab zum Einsatz. Je nach Krankheitsstadium und individueller Situation können Immuntherapien allein oder in Kombination mit anderen Medikamenten angewendet werden und die Überlebenschancen verbessern [1][2][3].
Blasenkrebs-Therapie: Was Sie selbst tun können
Ein wesentlicher Aspekt in der Behandlung von Blasenkrebs ist Ihr Lebensstil. Durch gezielte Veränderungen im Alltag können Sie nicht nur Ihre allgemeine Gesundheit verbessern, sondern auch die Wirksamkeit der Therapie unterstützen und das Risiko eines Rückfalls verringern [1][2][3].
Rauchstopp: Blasenkrebs vorbeugen – Rückfallrisiko verringern
Rauchen ist der größte vermeidbare Risikofaktor für Blasenkrebs. Tabakrauch enthält krebserregende Substanzen, die über den Blutkreislauf in die Nieren gelangen und von dort aus mit dem Urin in die Blase ausgeschieden werden, wo sie langfristig die Blasenschleimhaut schädigen können [1][2][3].
Schaffen Sie einen Rauchstopp, ist das eine der effektivsten Maßnahmen, um das Risiko für die Entwicklung von Blasenkrebs zu senken – und auch das Risiko eines Rückfalls. So können Sie selbst die Prognose nach einer Diagnose deutlich verbessern [1][2][3].
Gesunde Ernährung: sinnvolle Ergänzung zur Blasenkrebs-Therapie
Obwohl die direkten Zusammenhänge zwischen Ernährung und Blasenkrebs noch nicht vollständig verstanden worden sind, zeigen Studien, dass eine gesunde Ernährung das allgemeine Wohlbefinden verbessern und das Krebsrisiko senken kann [1][2][3].
Eine Ernährung, die reich an Obst und Gemüse ist, kann antioxidative und entzündungshemmende Effekte haben, die möglicherweise vor Krebs schützen. Zudem sollten Sie industriell verarbeitete Lebensmittel und eine kalorienreiche Ernährung vermeiden. Diese können zu Übergewicht führen, welches wiederum ein Risikofaktor für verschiedene Krebsarten ist [1][2][3].
Sport und Bewegung während der Blasenkrebs-Therapie
Regelmäßige körperliche Aktivität hilft Ihnen, das Körpergewicht zu regulieren, das Immunsystem zu stärken und das Wohlbefinden zu verbessern. Bewegung macht fit – und wer sich viel bewegt, verkraftet die anstrengende Krebstherapie besser. Zudem kann regelmäßige Bewegung dazu beitragen, Nebenwirkungen der Krebstherapie wie Fatigue (chronische Müdigkeit) zu mindern [1][2][3].
Alkohol nur in Maßen
Alkoholkonsum erhöht das Risiko für verschiedene Krebsarten. Zwar ist der Zusammenhang mit Blasenkrebs weniger eindeutig als bei anderen Tumorerkrankungen, dennoch empfiehlt es sich, Alkohol nur in geringen Mengen oder möglichst gar nicht zu trinken [1][2][3].
Stress bewältigen
Eine Krebsdiagnose stellt für nahezu alle Menschen eine große psychische Belastung dar. Chronischer Stress kann die Lebensqualität beeinträchtigen und den Umgang mit der Erkrankung erschweren. Entspannungsverfahren wie Meditation, Yoga oder progressive Muskelentspannung können helfen, die seelische Belastung zu reduzieren und das Wohlbefinden zu verbessern [1][2][3].
Wichtig: Sprechen Sie alle Änderungen im Lebensstil mit Ihren behandelnden Ärzt:innen ab, um sicherzustellen, dass Ihre individuelle Gesundheit, Ihre Leistungsfähigkeit und Ihre spezifischen Bedürfnisse berücksichtigt werden [1][2][3].