Wie umfangreich ein chirurgischer Eingriff im Rahmen der Blasenkrebs-Therapie ist, hängt vor allem von der Art, Ausdehnung und Risikoeinstufung des Tumors ab. Entsprechend unterschiedlich können die Folgen der Behandlung sein [1] [2].
Tumorstadium und Rückfallrisiko als wichtige Faktoren
Bei etwa drei von vier Patientinnen und Patienten liegt zum Zeitpunkt der Diagnose ein nicht-muskelinvasiver Blasenkrebs vor. Der Tumor ist dabei noch nicht in die Muskelschicht der Blasenwand eingewachsen. In der Regel wird der sichtbare Tumor zunächst durch die Harnröhre entfernt. Dieses Verfahren wird als transurethrale Resektion der Blase (TUR-B) bezeichnet [1] [2].
Abhängig von Tumorstadium und Rückfallrisiko können anschließend weitere Behandlungen erforderlich sein, beispielsweise eine erneute TUR-B oder eine Instillationstherapie, bei der Medikamente direkt in die Blase eingebracht werden. Auch nach einer TUR-B können vorübergehend Beschwerden wie Blut im Urin, Schmerzen oder verstärkter Harndrang auftreten [1] [2].
Bei muskelinvasivem Blasenkrebs ist der Tumor bereits in die Muskelschicht der Blasenwand eingewachsen. Eine wichtige Behandlungsmöglichkeit ist dann die vollständige Entfernung der Harnblase (radikale Zystektomie). Für geeignete Patientinnen und Patienten kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine blasenerhaltende Behandlung infrage kommen, bei der eine TUR-B mit Strahlen- und Chemotherapie kombiniert wird [1] [2].
Nach einer vollständigen Entfernung der Harnblase muss der Urin auf einem neuen Weg abgeleitet werden. Dafür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, beispielsweise eine aus Darmanteilen gebildete Neoblase oder eine Harnableitung über ein Stoma. Welche langfristigen Folgen auftreten, hängt deshalb wesentlich von der gewählten Form der Harnableitung ab [1] [2].
Häufige Nebenwirkungen der Blasenkrebs-Therapie
Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit können typische Begleiterscheinungen einer Chemotherapie gegen Blasenkrebs sein. Welche Beschwerden auftreten und wie ausgeprägt sie sind, hängt unter anderem von den verwendeten Medikamenten und der individuellen Situation der Patientinnen und Patienten ab [1] [2].
Auch Schmerzen können im Zusammenhang mit der Erkrankung, einem operativen Eingriff oder anderen Behandlungen auftreten. Fatigue (chronische Erschöpfung) gehört ebenfalls zu den häufigen Belastungen während und nach einer Krebsbehandlung. Die Erschöpfung kann über das Ende der eigentlichen Therapie hinaus anhalten [1] [2].
Nach einer Zystektomie hängen Probleme bei der Urinkontrolle stark von der Art der Harnableitung ab. Bei einer Neoblase kann es beispielsweise vor allem nachts zu unwillkürlichem Urinverlust kommen. Viele Patientinnen und Patienten lernen mit der Zeit, ihre Neoblase zunehmend besser zu kontrollieren. Bei anderen Formen der Harnableitung, etwa einem Ileum-Conduit, wird der Urin dagegen über ein Stoma in einen Beutel abgeleitet [1] [2].
Sexualität nach einer Blasenkrebs-Therapie
Die Sexualität und die Fortpflanzungsfähigkeit können durch eine Blasenkrebs-Therapie auf unterschiedliche Weise beeinträchtigt werden. Welche Folgen auftreten, hängt unter anderem vom Umfang der Operation, der Behandlungsmethode, dem Alter und der sexuellen Funktion vor der Therapie ab [1] [2].
Bei einer radikalen Entfernung der Harnblase (Zystektomie) müssen Patientinnen und Patienten damit rechnen, dass Sexualität und Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt werden können [1] [2].
Bei Männern werden bei einer klassischen radikalen Zystektomie in der Regel auch die Prostata und die Samenbläschen entfernt. In der Folge können Erektionsstörungen auftreten. Wie gut die Erektionsfähigkeit erhalten bleibt oder sich nach der Operation wieder erholt, hängt unter anderem von der Ausgangssituation und der Operationstechnik ab. Bei geeigneten Patienten können nervenschonende Verfahren die Chancen verbessern, die Erektionsfähigkeit zu erhalten. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht [1] [2].
Wichtig zu wissen: Auch wenn sich die sexuelle Funktion nach der Behandlung verändert, können sexuelles Verlangen, körperliche Nähe, Erregung und Orgasmus weiterhin möglich sein. Wie stark diese Bereiche beeinträchtigt sind, unterscheidet sich jedoch von Mensch zu Mensch [1] [2].
Bei Frauen kann eine radikale Zystektomie je nach Tumorsituation auch die Entfernung weiterer Organe oder Organteile umfassen, beispielsweise der Gebärmutter, der Eierstöcke oder eines Teils der Scheide. Allerdings gibt es für ausgewählte Patientinnen auch organ- und nervenschonende Operationsverfahren [1] [2].
Werden Gebärmutter und Eierstöcke entfernt, ist eine Schwangerschaft anschließend nicht mehr möglich. Wird ein Teil der Scheide entfernt, kann sie nach der Operation kürzer oder enger sein, sodass Geschlechtsverkehr erschwert oder schmerzhaft sein kann. Werden bei Frauen vor den natürlichen Wechseljahren beide Eierstöcke entfernt, kann es zudem zu einer vorzeitig ausgelösten Menopause mit entsprechenden Beschwerden kommen [1] [2].
Auch eine Chemotherapie kann die Sexualität und – abhängig von den eingesetzten Medikamenten und dem Alter – die Fruchtbarkeit beeinflussen. Müdigkeit, Fatigue, Schmerzen und psychische Belastungen können das sexuelle Verlangen zusätzlich vermindern [1] [2].
Narben, ein künstlicher Harnausgang (Stoma) oder andere körperliche Veränderungen infolge der Behandlung können sich auf das eigene Körperbild und damit auch auf Sexualität und Intimität auswirken [1] [2].
Vielen Paaren fällt es schwer, über Intimität und Sex zu sprechen – besonders dann, wenn sich die Sexualität infolge der Erkrankung oder Behandlung verändert hat. Das kann die Partnerschaft belasten. Auch alleinstehende Menschen können durch körperliche Veränderungen oder sexuelle Funktionsstörungen verunsichert sein [1] [2].
Wie sich die Sexualität nach einer Zystektomie entwickelt, ist individuell sehr unterschiedlich. Studien zeigen, dass nervenschonende Operationsverfahren die Chancen auf den Erhalt sexueller Funktionen verbessern können. Allgemeingültige Prozentangaben dazu, wie viele Patientinnen und Patienten anschließend wieder sexuell zufriedenstellend aktiv sind, lassen sich jedoch nicht zuverlässig angeben [1] [2].
Behandlung von Nebenwirkungen der Blasenkrebs-Therapie
Viele Nebenwirkungen und Folgen einer Blasenkrebs-Therapie lassen sich behandeln oder zumindest lindern [1] [2]:
- Bei Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie können Medikamente gegen Übelkeit (Antiemetika) eingesetzt werden. Sie werden häufig bereits vorbeugend verabreicht. Auch bei einer Instillationstherapie können – abhängig vom verwendeten Wirkstoff – neben örtlichen Beschwerden Allgemeinsymptome wie Übelkeit auftreten.
- Schmerzen lassen sich abhängig von ihrer Ursache mit Schmerzmitteln und anderen Verfahren behandeln. Eine angemessene Schmerztherapie ist wichtig. Auch Schmerzen und Reizungen der Blase nach einer Tumorentfernung durch die Harnröhre (TUR-B) können behandelt werden.
- Gegen Fatigue (chronische Erschöpfung) kann regelmäßige, an die individuelle Leistungsfähigkeit angepasste körperliche Aktivität helfen. Dazu können beispielsweise Spaziergänge oder Schwimmen gehören.
- Nach der Anlage einer Neoblase können Beckenbodentraining und spezielle physiotherapeutische Übungen dabei helfen, die Kontinenz zu verbessern. Patientinnen und Patienten müssen lernen, die neue Blase regelmäßig zu entleeren und die Urinkontrolle neu zu trainieren. Bei anderen Formen der Harnableitung stehen dagegen der sichere Umgang mit dem Stoma und den entsprechenden Hilfsmitteln im Vordergrund. Fachleute in der Rehabilitation unterstützen dabei.
- Psychoonkologische Betreuung und Psychotherapie können helfen, mit psychischen Belastungen infolge der Erkrankung und Behandlung umzugehen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann entlastend wirken.
- Eine Rehabilitation kann insbesondere nach größeren Eingriffen wie einer Blasenentfernung dabei helfen, körperliche Einschränkungen zu behandeln und den Umgang mit der veränderten Harnableitung zu erlernen.
- Erektionsstörungen als Folge der Behandlung können je nach Ursache und individueller Situation beispielsweise mit PDE5-Hemmern, Vakuumpumpen oder Schwellkörperinjektionen behandelt werden. Patientinnen und Patienten sollten sexuelle Beschwerden gegenüber ihren Ärztinnen und Ärzten ansprechen. Auch eine Sexualberatung oder Sexualtherapie kann hilfreich sein.
Selbsthilfe und Lebensstil: Das können Sie selbst tun
Neben der medizinischen Behandlung können Patientinnen und Patienten selbst dazu beitragen, ihre körperliche und psychische Gesundheit während und nach der Therapie zu unterstützen [1] [2].
Eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung hilft dabei, den Körper ausreichend mit Energie und Nährstoffen zu versorgen. Die pauschale Annahme, dass bestimmte Lebensmittel oder eine besonders obst- und gemüsereiche Ernährung Nebenwirkungen der Krebstherapie verhindern oder reduzieren können, ist wissenschaftlich jedoch nicht ausreichend belegt [1] [2].
Gerade während einer Krebstherapie können sich die Ernährungsbedürfnisse verändern. Bei Übelkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder anderen Ernährungsproblemen kann eine professionelle Ernährungsberatung sinnvoll sein [1] [2].
Regelmäßige, an die individuelle Leistungsfähigkeit angepasste Bewegung kann insbesondere Fatigue entgegenwirken und dazu beitragen, körperliche Funktionen zu erhalten oder wieder aufzubauen. Spaziergänge, Schwimmen oder andere moderate Aktivitäten können dafür geeignet sein. Welche Belastung sinnvoll ist, hängt jedoch von der individuellen gesundheitlichen Situation ab [1] [2].
Entspannungstechniken wie Meditation oder progressive Muskelentspannung können dazu beitragen, Stress und Anspannung zu reduzieren. Der Austausch mit anderen Betroffenen, beispielsweise in einer Selbsthilfegruppe, kann ebenfalls eine wertvolle Unterstützung sein [1] [2].